Artikel

Die Schuppenflechte (Psoriasis) - Ursachen, Behandlung und neue Therapieansätze

Die Schuppenflechte (Psoriasis) - Ursachen, Behandlung und neue Therapieansätze

Grundsätzlich unterscheidet man 2 Formen der Schuppenflechte, nämlich die klassische, häufigere Psoriasis vulgaris, die durch gerötete schuppende Hautareale gekennzeichnet ist und die seltene Psoriasis pustulosa, bei der zahlreiche - nicht ansteckende  - Hautpusteln auftreten können. Beide Formen können in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Varianten vorkommen.

Beide Formen können auch mit Gelenksbefall verbunden sein (Psoriasis-Arthritis). Die Psoriasis kann häufig auch  die Kopfhaut und die Nägel mitbetreffen.

 

Was sind die möglichen Ursachen?

Die Ursachen der Schuppenflechte sind bisher nur zum Teil erforscht. Es gilt jedoch als sicher, dass es eine genetische Veranlagung für die Psoriasis gibt. Das Erkrankungsrisiko steigt, je mehr Blutsverwandte erkrankt sind. Aber es  muss nicht immer unbedingt bereits jemand in der Familie erkrankt sein. Für das Auftreten (und die Verschlechterung) von Psoriasisherden sind zusätzlich äußere oder innere Reize („Triggerfaktoren“) erforderlich. Wichtige Auslöser sind Infekte, besonders Infekte der oberen Atemwege, wie z.B. die Streptokokkenangina. Auch bei einer HIV-Infektion tritt sehr häufig Psoriasis auf. Manchmal können auch Medikamente eine Schuppenflechte  auslösen oder verschlechtern, vor allem Betablocker, die häufig zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden, Lithium, welches zur Behandlung psychischer Erkrankungen verwendet wird, aber auch für Interferone ist dies bekannt. Zahlreiche äußere Reize wie Kratzen und Scheuern  (mechanische Reize), Verbrühungen, oder Verätzungen, Sonnenbrände, Tätowierungen u.ä.  führen ebenfalls oft zur Verschlechterung oder Auslösung der Psoriasis. Nicht zuletzt kann sich auch Stress negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Umgekehrt kommt es im Sommer unter Einfluss des Sonnenlichts meist zu einer Besserung der Schuppenflechte.

Auf der Zellebene spielt sich eine Fehlsteuerung zwischen den unterschiedlichsten Zelltypen der Haut und den Botenstoffen ab. Vereinfacht handelt es sich um eine Entzündungsreaktion, die zu vermehrtem Wachstum der Hautzellen und zu Ausreifungsstörungen der obersten Zellschichten der Haut führt.

 

Warum ist es wichtig Psoriasis zu therapieren obwohl keine Schmerzen oder schweren Beschwerden vorhanden sind?  Ist Psoriasis ansteckend?

Die Schuppenflechte ist KEINE ansteckende Krankheit.  

Viele Psoriasispatienten sind durch die Erkrankung der Haut sehr stark belastet,  da sie Probleme am Arbeitsplatz, aber auch in der Freizeit (z.B. Schwimmbäder) und in zwischenmenschlichen Beziehungen schafft. Bei der Psoriasisarthritis kann es zu Steifigkeit der Gelenke, Schwellungen und Arbeitsbehinderung kommen, bei einem Teil der Erkrankten auch zu schweren Beeinträchtigungen der Gelenke mit Verlust von Arbeits-und Gehfähigkeit. Bei schwerer Ausprägung der Erkrankung treten Begleiterkrankungen wie z.B. Zuckerkrankheit, Übergewicht, Herzinfarkte, Depressionen deutlich gehäuft auf, und führen dadurch zu einer verkürzten Lebenserwartung. Daher ist es unbedingt notwendig, diese Menschen so zu behandeln, dass eine möglichst weitgehende Erscheinungsfreiheit erzielt wird.

Welche Neuigkeiten gibt es bei Therapien - Biomedikamente, etc.? Was können diese Medikamente erzielen?

Die Psoriasistherapie ruht auf 3 Säulen: der Lokaltherapie (Salben und Cremes), der Lichttherapie (Bestrahlungen mit UV-Licht) und der systemischen Therapie (Tablette, Spritzen oder Infusionen). Je nach Art der Psoriasis und Schweregrad der Ausprägung wird der Arzt eine bestimmte Behandlungsmethode (oder eine Kombination von mehreren) vorschlagen. Bei milden und mäßig schweren Verlaufsformen an der Haut wird der Lokaltherapie  und Lichttherapie der Vorzug gegeben, bei sehr schwerer Ausprägung oder mangelndem Ansprechen auf die bisherigen Therapien muss systemisch behandelt werden – dies ist in ca. 20 – 25 % der Fälle erforderlich.

Die Therapieentscheidung ist ein komplexer Prozess, der verschiedenste Aspekte, wie Art und Schweregrad der Psoriasis, eine etwaige Gelenksmitbeteiligung, Ansprechen auf bisherige Therapien,  sonstige Begleiterkrankungen sowie die Möglichkeiten und Wünsche des Patienten berücksichtigen muss. Es muss also die Behandlung individuell an die Bedürfnisse des speziellen Patienten angepasst werden.

Für die systemische Therapie stehen neben den seit langem bekannten Therapien, wie Retinoide, Methotrexat, Fumarsäureester und Ciclosporin seit einigen  Jahren neue, sehr wirksame Bioimmunmedikamente, die „Biologika“,  zur Verfügung. Diese gentechnisch hergestellten Medikamente sind gegen zentral wirksame Boten-und Regulationsstoffe der Psoriasis gerichtet und führen zu einer Unterbrechung der Entzündungsreaktion bei dieser Hauterkrankung. Inzwischen sind mehrere solche zentrale Angriffspunkte bekannt und eine Reihe von Biologika entwickelt worden, die hier regulierend angreifen können.

Die Biologika führen oft zu einer sehr ausgeprägten Besserung der Erkrankung und in einem Teil der Fälle sogar zu einer langdauernden Erscheinungsfreiheit. Sie sind meist sehr gut verträglich, Nebenwirkungen treten nur selten auf. Allerdings spricht nicht jeder Patient gleich gut auf die Therapie mit Biologika an, auch hier kann manchmal ein unzureichendes Ansprechen oder Nachlassen der Wirkung beobachtet werden.  

In letzter Zeit sind auch vielversprechende neue orale Medikamente (Tabletten) wie PDF4-Antagonisten und JAK-Inhibitoren, die in der Zelle die Entzündungsreaktion unterdrücken, für die Behandlung der Psoriasis entwickelt worden.

Aktuell werden in verschiedenen klinischen Testphasen über 20 verschiedene neue Medikamente für die systemische Behandlung der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis untersucht. Ziel ist es, noch bessere und sichere Medikamente, auch für Personen, die bisher nicht ausreichend therapiert werden konnten, zu finden.

 

Ist eine Ausheilung bei Psoriasis möglich?

Die Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, an der die Patienten Jahrzehnte leiden. Da eine genetische Anlage für die Schuppenflechte vorliegt ist die Erkrankung grundsätzlich nicht „heilbar“, aber sie ist mittlerweile  - vor allem mit den neuen Medikamenten - so behandelbar, dass ein großer Teil der Patienten über Jahre fast erscheinungsfrei leben kann.  

Kommentare