Harninkontinenz und Reizblase stellen künftig eine Herausforderung dar
Harninkontinenz und Reizblase stellen künftig eine Herausforderung dar
Harninkontinenz und Reizblase stellen künftig eine Herausforderung dar
Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher
Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher
Arzt
Harninkontinenz und Reizblase stellen künftig eine Herausforderung dar

Harninkontinenz und Reizblase stellen künftig eine Herausforderung dar

Inkontinenz und Reizblase zählen zu den häufigsten urologischen Erkrankungen. Da diese Krankheitsbilder va. im fortgeschrittenen Alter auftreten, steigen durch die immer älter werdende Bevölkerung die Kosten. Daher ist es dringend erforderlich, wirksame Strategien zur Vorbeugung zu entwickeln.

Frauen wesentlich häufiger von Inkontinenz betroffen

Bei Harninkontinenz kann die/der Betroffene den Harn nicht mehr willentlich zurückhalten, d.h. es kommt zum unfreiwilligen Harnabgang. Häufig sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich, dass schlussendlich eine Inkontinenz entsteht. Zu den wichtigsten ursächlichen Einflüssen zählen Geschlecht - Frauen sind wesentlich häufiger betroffen- , Alter, Schwangerschaft und Geburt, Menopause, Übergewicht, die Einnahme bestimmter Medikamente sowie diverse Erkrankungen. Dazu zählen u.a. chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes sowie neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und Demenzen. Darüber hinaus begünstigen chronische Harnwegsinfekte die Entstehung einer Inkontinenz.

Reizblase: täglich über 20 Mal auf die Toilette

Auch bei der Reizblase kann es zu unwillkürlichem Harnverlust kommen. Es besteht ständiger Harndrang. Betroffene müssen unter Umständen über 20 Mal in 24 Stunden zur Toilette, auch nachts. Typischerweise können dabei aber jedes Mal nur geringe Mengen Urin gelassen werden. Die genauen Entstehungsursachen einer Reizblase sind noch unbekannt. Vermutlich ist die Regulation der Blasenmuskelaktivität gestört. Verschiedene Faktoren können das Risiko möglicherweise begünstigen oder die Symptome verstärken. Dazu gehören u.a. Nervosität, Stress oder psychische Belastungen, hormonelle Veränderungen, altersbedingte Veränderungen der Harnwege, chronische Verstopfung, Übergewicht oder Schwangerschaft, aber auch die Prostatavergrößerung beim Mann.

Ein häufiges Leiden: knapp eine Million Betroffene

Basierend auf großen, aussagekräftigen Studien im Großraum Wiens konnten wir errechnen, dass in Österreich derzeit etwa knapp eine Million Menschen (810.000 Frauen und 180.000 Männer) leben, die zumindest gelegentlich unfreiwillig Harn verlieren. Von einer Reizblase sind 540.000 Frauen und 290.000 Männer betroffen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Häufigkeit dieser Erkrankungen kontinuierlich an. Jenseits des 60. Lebensjahres erkrankt jeder Fünfte – unabhängig vom Geschlecht - an einer Reizblase, und jede dritte Frau und jeder sechste Mann ist von unfreiwilligem Harnverlust betroffen.

Stetiges Ansteigen der Erkrankten durch älter werdende Bevölkerung

Das häufige Auftreten beider Erkrankungen, die altersassoziierte Zunahme bei beiden Geschlechtern und die bevorstehende demographische Altersverschiebung innerhalb der österreichischen Bevölkerung unterstreichen die große Relevanz beider Erkrankungen – nicht zuletzt auch aus sozioökonomischer Sicht. Im Jahr 2030 werden in Österreich etwa 1,4 Millionen Menschen (plus 60 Prozent gegenüber heute) unter einer Reizblase und 1,2 Millionen Menschen (plus 20 Prozent gegenüber heute) unter Harninkontinenz leiden. Die grob geschätzten unmittelbaren Kosten nur für den unwillentlichen Harnverlust in Österreich werden von knapp 400 Millionen im Jahr 2015 auf über 650 Millionen im Jahr 2030 ansteigen.

Prävention- und Therapieoptimierung

Um diese zukünftigen Herausforderungen bewältigen zu können, müssen verschiedene Strategien parallel verfolgt werden:

  • Verstärkte Ausbildung von v.a. praktischen Ärzten – sie sind die ersten Ansprechpartner
  • Verbreitung des Wissens über – leider begrenzte – präventive Maßnahmen (Gewichtsreduktion, Diabetes mellitus)
  • Entwicklung effizienter Therapiestrategien (vor allem für die Reizblase)

  • Steigerung des Bewusstseins in der Bevölkerung

  • Entwicklung innovativer Versorgungsstrukturen wie z.B. spezialisierte Pflegekräfte nach internationalem Vorbild. 



Quelle: Hennrich.PR
Bildquelle: Pixabay; Fotos Galerie: Angelika Vötsch-Rosenauer

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