Außenseiter oder Klassenclown - 
Wenn die sensorische Integration Schwierigkeiten macht
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Wenn die sensorische Integration Schwierigkeiten macht
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Wenn die sensorische Integration Schwierigkeiten macht
Mag. Elisabeth Söchting
Mag. Elisabeth Söchting
Therapeutin
Außenseiter oder Klassenclown - 
Wenn die sensorische Integration Schwierigkeiten macht

Außenseiter oder Klassenclown - Wenn die sensorische Integration Schwierigkeiten macht

Bei etwa 15 Prozent der Kinder verursachen sensorische Integrationsstörungen Entwicklungsauffälligkeiten wie Überaktivität, Unruhe, Ungeschicklichkeit und Desorganisation. Speziell qualifizierte Ergotherapeutinnen können Defizite feststellen und therapieren.

Mit Spiel und Spaß

"Wird eine sensorische Integrationstherapie aufgenommen, so läuft diese sehr spielerisch in einem Raum ab, der wie ein Indoorspielplatz aussieht", erklärt Mag. Elisabeth Söchting, Ergotherapeutin, Psychologin, SI-Lehrtherapeutin, internationale Instruktorin und Präsidentin der Gesellschaft für Sensorische Integration in Österreich. Die spielerische Komponente in der Therapie war schon für die Begründerin der sensorischen Integrationstherapie Dr. Jean Ayres von großer Bedeutung. Wie Ayres selbst sagte:

   Wenn die Therapeutin ihre Sache gut macht, sieht die Therapie aus wie Spielen."

Warum ein Spielplatz nicht die Therapie ersetzt

Für Beobachter stellt sich oft die Frage, ob es nicht ausreiche, dem Kind Gelegenheit zum Spielen auf einem Spielplatz zu geben. Die klare Antwort ist: Nein. Ein Kind lernt nur an der Umgebung, wenn es sich damit zweckmäßig auseinandersetzt. Das stellt für ein Kind mit beeinträchtigter Verarbeitung der Sinnesreize eine Schwierigkeit dar. Es sucht sich meist keine Herausforderungen und Ziele, an denen es lernen kann, denn sein Gehirn kann die vielen Eindrücke nicht ordnen.

Der Therapeut soll das Kind dabei unterstützen – beim Finden von Ideen und Setzen von Zielen und im Anschluss bei der Umsetzung. Dabei gilt der Grundsatz: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Erfolgserlebnisse erzeugen das Gefühl von Selbstwirksamkeit und schaffen Selbstvertrauen.

Sensorische Integrationstherapie – Was ist das?

Sensorische Integrationstherapie ist ein weltweit verbreiteter Therapieansatz. Er wurde von der kalifornischen Ergotherapeutin Dr. Jean Ayres (1920-1988) aus ihrer wissenschaftlichen Theorie zur sensorischen Integration abgeleitet. Die Therapie wird für Klienten eingesetzt, die aufgrund von Wahrnehmungsstörungen Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung haben. Die Methode wird nicht nur bei Kindern, sondern auch in geriatrischen und psychiatrischen Settings eingesetzt. Die Wahrnehmungsstörungen äußern sich z.B. in Form von Aufmerksamkeitsstörungen, Ungeschicklichkeit, Schreib- oder Lernproblemen.

Die Sensorische Integrationstherapie (Ayres Sensory Integration®) wird von einem speziell dafür qualifizierten Therapeuten durchgeführt. Sie beinhaltet eine umfassende Befunderhebung sowie die Kommunikation mit den Eltern.

Sensorische Integrationstherapie: spielerisches Gestalten


Der Therapieprozess zeichnet sich durch den spielerischen, interaktiven, respektvollen Umgang mit dem Kind aus, wobei die therapeutische Beziehung sehr wichtig ist. Die Therapeutin nimmt dabei die Rolle einer "Regisseurin" ein, ist aber zugleich "Verbündete des Kindes". Das Kind soll seine Aktivitäten selbst wählen und soweit wie möglich selbst organisieren – eben aus eigener Motivation an den Therapieaktivitäten teilnehmen. Weitere Merkmale sind die Einbindung der Eltern sowie verstärkte sensorische Übungen für Gleichgewicht, Berührungssinn und Kraftsinn.

Sichtbare Fortschritte

Ziel der Behandlung ist eine bessere Organisation der Hirnfunktionen. Durch das effizientere Verarbeiten von Sinnesinformationen ergibt sich in weiterer Folge eine verbesserte Umsetzung von Bewegungen und Handlungen.

Im Alltag sieht man die Fortschritte im Spielverhalten sowie an der gesteigerten Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und dem Sozialverhalten des Kindes.

Wie äußern sich sensorische Intergrationsstörungen?

Eine sensorische Verarbeitungs- oder Integrationsstörung ist eine Funktionsstörung des Gehirns, die jene Zentren betrifft, welche mit der Verarbeitung von Sinnesinformationen zu tun haben. Die Verarbeitungsstörung im Gehirn beeinträchtigt entweder die Empfindlichkeit für Sinnesreize oder die Wahrnehmung derer (Perzeption). Betroffene haben Schwierigkeiten, Sinnesinformationen zu nutzen und angemessen darauf zu reagieren. Die Symptome unterscheiden sich je nach Art der Störung – von sozio-emotionalen Problemen, Ängsten, Ungeschicklichkeit, Schreib-, Aufmerksamkeits- und Lernproblemen bis hin zu Störungen des Autismusspektrums. Schätzungen zufolge sind 5 – 16 Prozent der Kinder davon betroffen. Ergotherapeuten sprechen dann von störungswertigen Schwächen, wenn die Anpassung an die Umwelt nicht gelingt und es zu Problemen in der Alltagsbewältigung kommt.

Im Anhang finden Sie eine Checkliste, die die Auffälligkeiten bei sensorischen Integrations-störungen enthält.

Der 5. Europäische Kongress für sensorische Integration findet vom 1. - 3. Juni 2017 in Wien statt und zählt Teilnehmer aus 44 Ländern.

Weitere Infos:

Europäischer Kongress für Sensorische Integration (ESIC 2017 – European Sensory Integration Congress): https://www.esic2017.eu


Gesellschaft für Sensorische Integration in Österreich (GSIÖ e.V.): https://www.sensorische-integration.org


Quelle: Hennrich.PR, Textergänzung und Fotos im Anhang: Angelika Vötsch-Rosenauer
Bildquelle: Franz Johann Morgenbesser

 

ANHÄNGE

Checkliste für SI-Störungen
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