Hämorrhoiden – Symptome, Diagnose und neue Behandlungsoptionen. Ein Interview.
OA Dr. Thomas Filipitsch
OA Dr. Thomas Filipitsch
Arzt
Hämorrhoiden – Symptome, Diagnose und neue Behandlungsoptionen. Ein Interview.

Hämorrhoiden – Symptome, Diagnose und neue Behandlungsoptionen. Ein Interview.

CredoMedia hat mit Dr. Thomas Filipitsch, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Oberarzt am Evangelischen KH Wien ein spannendes Interview zum Thema Hämorrhoiden und deren Probleme geführt. Viele gehen zu spät zum Arzt, und viele wollen Ihre Ernährungsgewohnheiten nicht verändern.

CredoMedia: Welche Symptome habe ich, wenn ich ein Hämorrhoidalleiden habe?

Dr. Thomas Filipitsch: Die Symptome sind abhängig vom Stadium der Hämorrhoiden. Im Stadium 2 ist die typische Symptomatik die schmerzlose Blutung. Ab Stadium 3 kommen Schmerzen hinzu, weil sich das Gewebe nach außen wölbt und somit ein Vorfall der Hämorrhoiden besteht.

CredoMedia: Gehören flüssiger Stuhl sowie ein Juckreiz in den betreffenden Regionen ebenso zu den Symptomen?

Dr. Thomas Filipitsch: Flüssiger Stuhl hat damit nichts zu tun. Stuhlunregelmäßigkeiten haben vielmehr mit der Darmtätigkeit selbst etwas zu tun. Juckreiz ist ein ganz typisches Symptom für jene Phase, in der sich die Hämorrhoiden wieder zurückbilden und die Akutphase damit beendet ist.

CredoMedia: Kommt es häufig vor, dass Personen mit Hämorrhoiden in einem schon weit fortgeschrittenen Stadium zu Ihnen kommen?

Dr. Thomas Filipitsch: Sehr häufig. Die meisten Menschen empfinden eine gewisse Scham und kommen erst dann zu mir, wenn die Hämorrhoiden schon sehr weit fortgeschritten sind. Besser wäre es jedoch, wenn die Personen schon in einem frühen Stadium, etwa Stadium 2 oder 3, zu mir kommen würden, denn dann wäre die Therapie viel einfacher und weniger schmerzhaft.

CredoMedia: Wie wird bei einem Hämorrhoidalleiden die Diagnose gestellt?

Dr. Thomas Filipitsch: Um das vorliegende Stadium der Hämorrhoiden richtig diagnostizieren zu können, ist in erster Linie eine Rektoskopie notwendig. Dabei handelt es sich um eine kurze, völlig schmerzfreie Untersuchung, welche etwa zwei Minuten in Anspruch nimmt und bei der mit einem zirka fingerdicken Rohr der Enddarm des Patienten inspiziert wird.

CredoMedia: Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Dr. Thomas Filipitsch: Diese sind abhängig vom jeweiligen Stadium, in dem sich der Patient gerade befindet. Bei Stadium 2 etwa bietet sich eine Infrarotverödung an, aber man kann auch medikamentös sehr gut mit Orangenextrakten arbeiten. Ab Stadium 3 beginnen die Hämorrhoiden auch ein mechanisches Problem zu sein, da sich hier Schleimhaut von innen nach außen wölbt. Hier wäre als nächster Schritt etwa eine Lasertherapie oder eine Schleimhautraffung möglich. Befindet sich der Patient im schon sehr weit fortgeschrittenen 4. Stadium, sind die beiden zuvor genannten Methoden schon grenzwertig. Vielmehr muss hier, je nach Ausmaß der Hämorrhoiden, eine herkömmliche Hämorrhoidenoperation ins Auge gefasst werden.

CredoMedia: Was kann man sich unter den genannten Orangenextrakten für im Stadium 2 befindliche Patienten vorstellen?

Dr. Thomas Filipitsch: Dabei handelt es sich um ein Medikament, das ursprünglich produziert wurde, um Krampfadern den Kampf anzusagen. Aber in einer höheren Dosis ist es sehr gut dazu geeignet, Hämorrhoiden im Akutstadium wieder zur Rückbildung zu bringen. Es verbessert die Mikrozirkulation und bewirkt ein Abschwellen der Hämorrhoiden.

CredoMedia: Gibt es ein spezielles Verhalten etwa beim Stuhlgang, das präventiv wirkt?

Dr. Thomas Filipitsch: Das wichtigste vorbeugende Mittel ist es eigentlich, zu versuchen eine Verstopfung zu vermeiden, da mit einer Verstopfung konsequenter Weise ein starkes Pressen einhergeht. Eine weitere Ursache sind Schwangerschaften, da lässt sich das Auftreten von Hämorrhoiden aber leider nicht vermeiden. Als dritte Möglichkeit ist zu sagen, dass es auch eine Veranlagungssache ist, ob Hämorrhoiden auftreten oder nicht, bzw. gibt es kaum einen Menschen, bei dem sich nicht einmal in seinem Leben Hämorrhoiden bilden. Aber Verstopfung in Kombination mit starkem Mitpressen ist jedenfalls der Hauptrisikofaktor. 

CredoMedia: Das heißt, die Ernährung spielt eine große Rolle?

Dr. Thomas Filipitsch: Ja, die Ernährung spielt auf jeden Fall eine wichtige Rolle. Aber ich als behandelnder Chirurg sehe mich da leider auf verlorenem Posten, weil ich sehe, dass die Leute ihre Ernährung einfach nicht umstellen, ihr Gewicht nicht reduzieren oder auch eine Verstopfung nicht behandeln lassen wollen. Die meisten wollen einfach nur irgendeine Therapie haben, sind aber nicht bereit, sich selbst zu ändern.

CredoMedia: Arbeiten sie als Chirurg mit Diätologen zusammen?

Dr. Thomas Filipitsch: Selbstverständlich arbeite ich mit Diätologen zusammen, aber dennoch ist auch hier die Bereitschaft leider sehr gering. Weil die Menschen nicht hören wollen, dass sie selbst etwas ändern müssen.

CredoMedia: Wie sieht es mit Alkohol aus, ist das ebenfalls ein Risikofaktor?

Dr. Thomas Filipitsch: Ein Zusammenhang zwischen Alkohol und Hämorrhoiden konnte bisher nicht festgestellt werden. Auch übermäßiger Alkoholkonsum ist nicht für ein Auftreten von Hämorrhoiden verantwortlich.

CredoMedia: Sie verwenden nun ja eine neue Operationsmethode. Erzählen Sie uns bitte etwas über die diese Laser-OP.

Dr. Thomas Filipitsch: Der Laser hat den wesentlichen Vorteil, dass man jegliches Schneiden vermeiden kann. Das heißt, zur Operation wird kein Messer, kein Skalpell und auch keine Schere benötigt. Die vergrößerten Hämorrhoidalpölster werden mit dem Laser verödet und sklerosiert und schrumpfen damit wieder auf ein Maßgrad 1 zurück. Ebenso wie es auch bei Krampfadern oder Schweißdrüsen gemacht wird, wird die Energie des Lasers genutzt, um das Gewebe zum Schrumpfen zu bringen. Der wesentliche Vorteil ist hier eben, das nicht geschnitten werden muss. Das heißt, der Schmerz nach der Operation ist sehr gering und dauert nur einige Tage. Der Eingriff kann tagesklinisch, also ambulant durchgeführt werden. Obwohl diese Methode nur ein kleiner operativer Eingriff ist, ist dennoch eine Narkose notwendig.

CredoMedia: Wie sieht die zweite Behandlungsmethode aus?

Dr. Thomas Filipitsch: Dies ist die Schleimhautraffung. Sie kann auch perfekt mit der Lasermethode kombiniert werden. Wenn nach erfolgter Laser-OP die Schleimhautretraktion nicht in ausreichendem Ausmaß eintritt, kann darüber hinaus die Schleimhaut mit einer Naht zusammengerafft werden. Dabei wird das nach unten gedrückte Gewebe wieder nach oben gezogen und dort fixiert. Auch hierbei ist der große Vorteil, dass es dabei keine Wunden gibt.

CredoMedia: Was gibt es bei einer Schwangerschaft zu beachten?

Dr. Thomas Filipitsch: Bei einer Schwangerschaft kann man leider nicht viel zur Vermeidung von Hämorrhoiden beitragen, da durch den steigenden Östrogenspiegel in Vorbereitung auf den Geburtsvorgang das ganze Gewebe weich wird. Es gilt einzig zu beachten, dass Verstopfungen vermieden werden. Zusätzlich helfen Magnesium, sowie ausreichendes Trinken und Bewegung. Daneben kommt es natürlich auch auf die Art der Geburt an. Ein Kaiserschnitt schont den Beckenboden enorm und verbessert die Chancen folglich stark. Aus Sicht eines Proktologen wäre ein Kaiserschnitt somit klar zu bevorzugen, aber die Geburt ist selbstverständlich ein natürlicher Vorgang. Somit muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Art er bevorzugt.

CredoMedia: In wie vielen Fällen treten Hämorrhoiden bei Schwangeren auf?

Dr. Thomas Filipitsch: In 100 % der Fälle. Ich kenne keine Geburt ohne Hämorrhoiden. Sie bilden sich aber in den nächsten acht Wochen nach der Geburt, wenn sich der Östrogenspiegel wieder gesenkt hat, wieder zurück. Danach muss man überprüfen, ob es noch weiterer Schritte bedarf.

CredoMedia: Ist der Verlauf der Krankheit bei jungen und älteren Menschen ähnlich oder gibt es da Unterschiede?

Dr. Thomas Filipitsch: Ein junger Mensch hat natürlich die Möglichkeit ein akutes Stadium rascher zu kompensieren. Wenn hier gut behandelt wird, vor allem medikamentös, können sich die Hämorrhoiden so zurückbilden, als hätte es nie vergrößerte Hämorrhoiden gegeben. Somit ist der Verlauf bei jungen Menschen meist besser. Vor allem treten hier oft akute Schübe auf, die sich wieder rasch zurückbilden, während bei älteren Menschen einfach das Gewebe schlaff wird, was ein Hämorrhoidalleiden natürlich fördert. Bei älteren Menschen ist es jedoch erforderlich, dass die Hämorrhoiden erhalten bleiben, weil sie eine wichtige Polsterfunktion haben. Würde man sie gänzlich beseitigen, bestünde die Gefahr, dass es zu einer Inkontinenz kommt. Deswegen ist hier die Lasermethode klar zu bevorzugen, da hier der Polster erhalten bleibt. Wird der Polster entfernt ist im Alter ein hoher Preis zu zahlen. Denn jeder von uns hat drei solcher Polster, die der Abdichtung dienen und die deshalb im hohen Alter keinesfalls entfernt werden dürfen. 

CredoMedia: Wie werden diese Pölster genau bezeichnet?

Dr. Thomas Filipitsch: Das sind die sogenannten inneren Hämorrhoidalpölster. Diese sind das Normalbild im Zustandsgrad 1.

CredoMedia: Abschließend bleibt also festzuhalten, dass man zu Ihnen kommen kann, wenn man diverse Beschwerden hat.

Dr. Thomas Filipitsch: Genau. Vor allem Blut im Stuhl ist ein wirklich ernsthaftes Anzeichen, welches keinesfalls ignoriert werden sollte. Das sollte jedem bewusst sein. Neben Hämorrhoiden kann auch ein Riss im Analkanal, eine sogenannte Analfissur, ein Polyp, eine Entzündung oder ein Tumor vorliegen. Und das muss professionell abgeklärt werden.

CredoMedia: Ist es auch bei einmaligem Vorkommen von Blut im Stuhl notwendig einen Spezialisten aufzusuchen?

Dr. Thomas Filipitsch: Wenn man aktuell sehr harten Stuhl hat und es im Zuge eines Stuhlgangs brennt und etwas Blut austritt, ist klar, dass das direkt damit zusammenhängt. Die Konsultation eines Arztes ist dann natürlich nicht zwingend erforderlich. Wenn dies jedoch öfters der Fall ist oder eben eine schmerzlose Blutung vorliegt, dann ist jedenfalls Handlungsbedarf gegeben. 

CredoMedia: Wie viel Zeit liegt in der Regel zwischen erfolgter Diagnose und dem denn notwendigen OP-Termin?

Dr. Thomas Filipitsch: Wenn es akut ist, kann so ein Eingriff auch sofort stattfinden. Mir ist es jedenfalls wichtig, dass immer vorab abgeklärt wird, dass der Dickdarm in Ordnung ist und das Blut folglich nur von den Hämorrhoiden kommen kann. Oft schon wurden Patienten nur auf Hämorrhoiden behandelt, darüber lag jedoch ein Tumor. So etwas gilt es unbedingt vorab auszuschließen. Generell sollte eine Operation immer nur der letzte Schritt sein. Soweit möglich sollte versucht werden, die Patienten konservativ, etwa mit Zäpfchen zu behandeln.

CredoMedia: Vielen Dank für das Gespräch!

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