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FSME: immer mehr erkrankte Kinder

FSME: immer mehr erkrankte Kinder

Die Zahlen der jährlichen FSME-Erkrankungsfälle in Österreich sprechen eine deutliche Sprache. Gab es 1979, bei einer Impfrate von lediglich 3%, 677 hospitalisierte Fälle von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), waren es 2016 nur 89 Fälle, bei einer Impfrate von 83% (jemals geimpfte ÖsterreicherInnen; davon sind jedoch nur 64% nach dem korrekten Schema geimpft).

Obwohl dem Großteil der Bevölkerung die Gefahr der FSME bewusst ist, gibt es Themenbereiche, die in Bezug auf FSME gerne unterschätzt oder vergessen werden. Unter den Neuerkrankungen findet sich die Altersgruppe der Menschen ab 30 Jahren auffällig oft, weil Auffrischungsintervalle häufig nicht eingehalten werden oder die Impfung ganz vergessen wird. Da in Österreich immer noch FSME-Fälle auch mit bleibenden Schäden und Todesfolge diagnostiziert werden, sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Anzahl der Erkrankungen weiter zu reduzieren bzw. niedrig zu halten.

 

FSME: Mehr Kinder erkranken

 

Bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren ein Anstieg an FSME-Fällen zu beobachten. Seit 2011 erkrankten dreimal so viele Kinder unter 15 Jahren an FSME wie in den fünf Jahren zuvor (60 versus 19 Fälle) – bei den Kindern bis zu sechs Jahren waren es fast viermal so viele (34 versus 9 Fälle). Der Grund liegt auf der Hand: Die Impfrate bei den Ein- bis Dreijährigen ist seit 2001 von 61 Prozent auf 44 Prozent gesunken – also um fast ein Drittel.

 

"2 von 10 Vorschulkindern sind nicht gegen FSME geimpft. Das nationale Impfgremium empfiehlt die Zeckenschutzimpfung jedoch ausdrücklich ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Viele Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, haben Angst vor Nebenwirkungen. Für Kleinkinder gibt es jedoch spezielle gut verträgliche Impfstoffe.", sagt Dr. Martin Hochstöger, Präsident der Tiroler Apothekerkammer.

 

"Für Kinder gibt es nichts Schöneres, als im Frühling und im Sommer im Freien herumzutollen. Leider lauern auch einige Gefahren auf der Spielwiese und im hohen Gras – deshalb ist Zeckenschutz so wichtig. Schon im Baby- und Kleinkindalter ist die FSME-Impfung wichtig, wenn Babys und Kleinkinder im Freibad die Liegewiese entdecken und sich im Gras wälzen", berichtet Mag.pharm. Kornelia Seiwald, Präsidentin der Salzburger Apothekerkammer.

 

Kinder und Jugendliche

 

"Da Kinder gern in der Natur spielen, ist für sie das Risiko besonders hoch, von einer Zecke gestochen zu werden. Obwohl FSME bei Kindern meist leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft, gibt es vereinzelt auch schwere Fälle mit Folgeschäden. Die Impfung ist abgesehen von möglichen Reaktionen an der Injektionsstelle und Fieber gut verträglich und schützt bei Einhaltung des Impfschemas zu über 95% vor der Infektion.", sagt Priv.-Doz. Dr. Hans Jürgen Dornbusch, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz.

 

Insbesondere Kleinkinder sind beim Spielen in Gefahr: Zecken sitzen meist auf Grashalmen und auf Sträuchern bis etwa eineinhalb Meter Höhe und werden durch Berührung abgestreift oder lassen sich fallen.

 

Um Kinder auch vor anderen durch Zecken übertragbaren Krankheiten wie der Borreliose zu schützen, sollten nach Aufenthalt in der Natur Körper und Kleidung sorgfältig auf Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden,

 

so Dr. Johann Sommer, Facharzt für Jugend- und Kinderheilkunde in Wien.

 

Was ist FSME?

 

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und/oder des Zentralnervensystems führen kann. Rund 30% der Infizierten werden tatsächlich krank. Die Dauer vom Zeckenstich bis zum Ausbrechen der Erkrankung (Inkubationszeit) schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat. Die Krankheit verläuft typischerweise in 2 Phasen: in der ersten Phase treten grippeartige Symptome wie Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen auf. Bei ca. einem Drittel der Infizierten kommt es nach einem symptomfreien Intervall von etwa einer Woche zur zweiten Phase, in der die Krankheit auf das zentrale Nervensystem übergeht. Je nach Schwere der Erkrankung kommt es zu entsprechenden Symptomen: starke Kopfschmerzen, hohes Fieber bis über 40 Grad, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und/oder Bewusstseinsstörungen. Es kann auch zu Lähmungserscheinungen, Gangstörungen, Krampfanfällen und/oder Atmungsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung tödlich enden (bei 0,5 - 2% der Betroffenen).

 

Was kann vor FSME schützen?

 

Insektenabwehrmittel halten die Zecken zwar auf Abstand, schützen jedoch nicht vor einer FSME-Infektion, sollte es zu einem Stich kommen. Die Erkrankungszahlen sind seit den 1980er Jahren deutlich zurückgegangen, trotzdem erkranken in Österreich jährlich noch immer zwischen 50 und 100 Menschen, die überwiegend nicht geimpft sind oder deren Impfung unregelmäßig aufgefrischt wurde.

 

"Da FSME-Viren durch Zeckenstiche übertragen werden, kann man den Erreger nicht ausrotten, wie etwa bei Pocken oder Masern, wo eine alleinige Mensch zu Mensch Übertragung stattfindet. Mittels der FSME-Impfung kann eine sogenannte Krankheitskontrolle erreicht werden, d.h. jeder Einzelne muss durch eine Impfung geschützt werden, um die Erkrankung zu verhindern. Es nützt nichts, wie etwa bei Masern, wenn andere geimpft sind", sagt Univ.-Prof. Dr.med. Ursula Kunze, Generalsekretärin des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung.

 

Generell sind drei Subtypen des FSME-Virus (fernöstlicher, europäischer, sibirischer Subtyp) bekannt. In unseren Breiten ist der europäische Subtyp zwar vorherrschend, trotzdem tauchen immer häufiger andere Virussubtypen in für sie unüblichen Regionen auf. Dies tritt ein, wenn Zecken beispielsweise Zugvögel als "Taxi" verwenden und sich so in anderen Gebieten niederlassen. Der nun seit 40 Jahren in Österreich produzierte Impfstoff generiert die Produktion von Antikörpern, die alle bekannten FSME-Virus Subtypen gleichermaßen neutralisieren.

 

Wer impft wann und wo?

 

In den meisten Fällen werden die Impfungen durch die Hausärztin oder den Hausarzt durchgeführt. Darüber hinaus kann man sich auch bei der Amtsärztin oder dem Amtsarzt in der Bezirkshauptmannschaft impfen lassen. Neben diesen Stellen führen vermehrt Schulen, größere Betriebe oder Gemeinden Impfaktionen durch.

 

Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass frühestens nach 2 Teilimpfungen, die je nach Impfstoff in einem bestimmten Abstand durchgeführt werden sollten, ein Schutz vor FSME gegeben sein kann. Die Grundimmunisierung besteht aus insgesamt 3 Teilimpfungen.

 

Anschließend müssen die Auffrischungstermine eingehalten werden, da sonst Lücken im Impfschutz entstehen können. Nach Abschluss der Grundimmunisierung muss nach 3 Jahren zum ersten Mal aufgefrischt werden. Danach beträgt das Impfintervall 5 Jahre. Ab dem 60. Geburtstag reduziert sich das Intervall zwischen den Auffrischungsimpfungen wieder auf 3 Jahre, da das Immunsystem des Menschen altert.

 

Die erste Grundimmunisierung kann ab dem vollendeten ersten Lebensjahr durchgeführt werden. Bei Versäumnis einer Impfung bzw. längeren Impfabständen wird nach zwei oder mehr Teilimpfungen diese Impfung mittels einer einzigen Dosis nachgeholt, die Grundimmunisierung muss nicht neu begonnen werden.

 

Die geimpften Personen sind darauf aufmerksam zu machen, dass nach der 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung noch kein kompletter Impfschutz vorhanden ist, und daher das Risiko einer Zeckenexposition vermieden werden soll.

 

Der FSME-Impfstoff kann das ganze Jahr über in jeder österreichischen Apotheke gekauft werden. Von Februar bis inklusive August 2017 wird die Schutzimpfung im Rahmen der Impfaktion der Apothekerkammer zu vergünstigten Preisen angeboten.

 

*Die FSME-Impfung bietet ausschließlich einen Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), nicht vor anderen durch Zecken übertragenen Krankheiten wie Borreliose.

Quelle: APA

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