Lungenkrebs: Symptome, Diagnose, Therapieauswahl und Prognose
Lungenkrebs: Symptome, Diagnose, Therapieauswahl und Prognose
Lungenkrebs: Symptome, Diagnose, Therapieauswahl und Prognose
18.10.17
Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd  Lamprecht
Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht
Arzt
Lungenkrebs: Symptome, Diagnose, Therapieauswahl und Prognose

Lungenkrebs: Symptome, Diagnose, Therapieauswahl und Prognose

Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologie) und Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz, im Interview zum Thema Lungenkrebs

Credoweb: Verursacht Lungenkrebs schon im Anfangsstadium Beschwerden oder erst bei einer fortgeschrittenen Erkrankung?

 

Doz. Lamprecht: Häufig verursacht Lungenkrebs erst in fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung Beschwerden und das ist auch der Grund, warum die Diagnose meist nicht früh, sondern eher erst im fortgeschrittenen Stadium gestellt wird. Konkret befinden sich beispielsweise, wie wir aus unserer eigenen Lungentumor Datenbank entnehmen können etwa 47 % aller Patienten zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits in einem Stadium, in dem Fernmetastasen der Erkrankung auftreten. In der Lunge selbst treten oft keine Symptome auf, gelegentlich kann zwar Husten als Symptom wahrgenommen werden, aber Husten ist vergleichsweise unspezifisch und wird nicht sofort einer so schwerwiegenden Erkrankung zugeordnet. Abgesehen davon ist die Lunge diesbezüglich eher „unempfindlich“ und zu Symptomen kommt es zuweilen erst, wenn es in anderen Organen Absiedelungen der Erkrankung gibt – Organe, die sensibler reagieren, wie beispielsweise das Gehirn. Plötzlich kommt es dann zu Symptomen wie Schwindel oder Sehstörungen, bedingt durch eine Metastase im Gehirn, oder zu heftigen Schmerzen im Bewegungsapparat-, die vielleicht auf einer Metastase im Knochen basieren.

 

Credoweb: Welche Symptome gibt es, die auf eine Lungenkrebserkrankung deuten können?

 

Doz. Lamprecht: Symptome sind, wie bereits schon genannt: Hustenreiz, Bluthusten, Schmerzen – unter Umständen auch gemeinsam auftretend mit Atemnot. Allerdings, anders als bei anderen Erkrankungen, findet sich eben kein Symptom, das für sich alleine genommen beweisend wäre, dass eine Erkrankung an Lungenkrebs vorliegen könnte, sondern es handelt sich leider bei all diesen Symptomen um unspezifische, die durch andere Erkrankungen genauso hervorgerufen werden können. Aus diesem Grund denkt man auch im ersten Moment oft nicht an diese ernste Erkrankung, sondern, dass es sich etwa um einen Raucherhusten, um Bronchitis oder bei Schmerzen im Bewegungsapparat um Abnützungserscheinungen handeln könnte.

 

Credoweb: Wie wird die Diagnose bestimmt beziehungsweise welche Untersuchungsmethoden gibt es?

 

Doz. Lamprecht: Der Erkrankung kommt man zunächst prinzipiell mit Bildgebung auf die Spur. Das heißt, es werden Röntgen-, dann in der Folge Computertomographiebilder gemacht – nicht nur der Lunge, sondern im Prinzip des gesamten Körpers, um die Ausdehnung der Erkrankung auch exakt festlegen zu können. Daraufhin wird entschieden, welche der Veränderungen – sei es inner- oder außerhalb der Lunge- für die Entnahme einer Biopsie besonders hinweisgebend erscheint. Die Biopsie ist deshalb erforderlich, weil nur aus der Gewebeprobe letztlich die Diagnose exakt gestellt werden kann und nur die Gewebeprobe erlaubt dann auch die Feststellung, um welche Art von Karzinom es sich handelt: ist es überhaupt ein Lungenkarzinom und wenn ja, ein kleinzelliges oder ein nichtkleinzelliges.

 

Credoweb: Welche Lungenkrebsarten gibt es?

 

Doz. Lamprecht: Die beiden großen Gruppen sind, wie schon angedeutet, nichtkleinzellige Karzinome und kleinzellige Karzinome, wobei die nichtkleinzelligen etwa 80 % ausmachen. Innerhalb dieser nichtkleinzelligen – also dieser größeren – Gruppe unterscheidet man wiederum im Wesentlichen die so genannten Plattenepithelkarzinome und die Adenokarzinome als bedeutendste Vertreter.

 

Credoweb: Gibt es ein Lungenkrebs-Gen?

 

Doz. Lamprecht: Ein wirkliches Gen im eigentlichen Sinne gibt es nicht, zumindest nicht eines, das man bisher identifiziert hätte. Was jedoch sehr wohl vorkommt, sind unterschiedliche Empfindlichkeiten gegenüber Noxen (= Umstand oder Stoff mit krankheitserzeugender Wirkung auf den Organismus oder ein Organ), das heißt: Üblicherweise gibt es ja eine auslösende Ursache für die Erkrankung, aber man weiß ja, dass das Rauchen der wichtigste Risikofaktor ist – nicht jeder Raucher entwickelt jedoch Lungenkrebs. Das bedeutet, dass es immer auch auf den Zusammenhang zwischen der Dosis einer Noxe und der individuellen Empfindlichkeit, wie man auf diese reagiert, ankommt. Und diese Empfindlichkeit ist natürlich durchaus in der Genetik determiniert. Insofern gibt es also tatsächlich so etwas wie eine genetische Komponente im Sinne der Empfänglichkeit für die Erkrankung. Was in diesem Zusammenhang vielleicht noch interessanter ist: Man ist heute in der Lage, die Gewebeproben nicht nur oberflächlich zu untersuchen, um festzustellen, ob es sich um ein Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom handelt, sondern man kann mit den einzelnen Tumorzellen bestimmte Mutationen nachweisen, die dann eine Aussage darüber erlauben, ob eine ganz bestimmte, gezielte Therapie erfolgversprechend ist und bereits in erster Linie der Behandlung zum Einsatz kommen sollte. Somit ist man bei der Therapie heute nicht nur an die Chemotherapie gebunden, sondern hat auch andere medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die sehr zielgerichtet sind – und bei jenen Patienten eingesetzt werden, deren Tumorzellen spezielle,- so genannte aktivierende – Mutationen - zeigen und damit einen Erfolg dieser Therapie oft auch in Tablettenform erwarten lassen.

 

Credoweb: Wie hoch ist momentan die Lebenserwartung eines Patienten mit Lungenkrebs?

 

Doz. Lamprecht: Die Lebenserwartung ist ganz stark abhängig vom Stadium der Erkrankung bei Diagnose und Therapiestart. Man unterscheidet also hier die günstigen Stadien 1 von den nicht günstigen Stadien 4. Stadium 4 bedeutet hierbei, dass es bereits Fernmetastasen gibt, also Absiedelungen in anderen Organen, und in diesen Fällen liegt die 5-Jahre-Überlebensrate sehr schlecht, bei etwa 5 %. Hingegen ist das 5-Jahres-Überleben bei lokalisierter Erkrankung durchaus bei 50 % – und daher eine frühe Diagnose ganz besonders entscheidend.

Credoweb: Beeinflussen die Zellart und Tumorlage die Therapieauswahl und Prognose?

Doz. Lamprecht: Einerseits beeinflusst die Zellart – ob nichtkleinzellig oder kleinzellig, welche Medikamente eingesetzt werden und anderseits beeinflusst die Lokalisation des Tumors natürlich auch, ob beispielsweise eine Operation oder eine Strahlentherapie möglich ist, oder ob es eine ausschließlich medikamentöse Therapie sein kann. Häufig kann man diese drei Säulen der Therapien, sprich – Chemotherapie, Radiotherapie – also die erwähnte Strahlentherapie – und Operation, auch miteinander kombinieren, also beispielsweise Operation und ergänzende Chemotherapie oder Chemotherapie und ergänzende Strahlentherapie. Außerdem ist seit etwa zwei Jahren für das Lungenkarzinom noch eine weitere Therapie, nämlich die so genannte Immuntherapie, verfügbar.

 

*Bericht verfasst von Constantin Dadak

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