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Deformitäten der Wirbelsäule: Therapeutische Maßnahmen

Deformitäten der Wirbelsäule: Therapeutische Maßnahmen

Kann man Deformitäten der Wirbelsäule nur mit Sport und Physiotherapie heilen?

 

Was Sportempfehlungen angeht, so ist z.B. bei der Kyphose (Krümmung der Wirbelsäule nach vorne) das Stadium der Erkrankung ausschlaggebend. In der floriden Phase sollten Druck- oder Stauchbelastungen wie beim Rudern oder Turmspringen vermieden werden. Ein Ruderzug entspricht immerhin dem Anheben von 50 kp (Kilopond) mit gebeugtem Oberkörper. Gleiches gilt für repetitive Mikrotraumatisierungen wie sie etwa beim Judo, Turnen oder Kontaktsportarten auftreten. Auch von Sprungdisziplinen, Turnen und Radfahren wird in der floriden Phase abgeraten. Gewichtheben ist in allen Phasen des Erkrankungsverlaufs kontraproduktiv.

 

Wann ist eine operative Therapie unvermeidbar?

 

Wenn wir die Skoliose (Krümmung der Wirbelsäule zur Seite) als Beispiel nehmen, ist die mild ausgeprägte Form der Erkrankung mit spezieller Physiotherapie gut in Schach zu halten. Die Achsabweichungen sind dadurch zwar nicht rückgängig zu machen, ein weiteres Fortschreiten wird aber gebremst. Ab einem Krümmungswinkel von 20-25° ist eine Korsetttherapie angezeigt. Eine Therapie im Sinne von Wachstumslenkung mittels Korsett ist naturgemäß nur während des Wachstums und da im Speziellen rund um den pubertären Wachstumsschub sinnvoll.

 

Operative Korrekturen sind bei den häufigen Skolioseformen, welche rund um die Pubertät auftreten und in erster Linie die Brust- und meist etwas schwächer auch die Lendenwirbelsäule betreffen, nur in ausgeprägten Fällen ab einem Krümmungswinkel von 45-50° erforderlich. Gering- bis mittelgradige Skoliosen sind nach Wachstumsabschluss meist weitgehend stabil und mit keinem nennenswert erhöhten Risiko für Beschwerden im Erwachsenenalter vergesellschaftet.

 

Welche Tipps für einen geeigneten Lebensstil bei Deformitäten der Wirbelsäule, könnten Betroffenen folgen?

 

 

Gezielte Kräftigung der Rumpfmuskulatur ermöglicht die Stabilisation der Wirbelsäule, was sich vor allem beim Tragen von Lasten positiv auswirkt. Gerade die aktive Aufrichtung der Wirbelsäule spielt hier eine besondere Rolle. Zuätzlich spielt die effiziente Bauchpresse eine wichtige Rolle zur Erhöhung des Druckes im Bauchinnenraum, der die Wirbelsegmente leicht anhebt. Gewichtheber beispielsweise setzen Pressatmung zur Stabilisierung bei Seit-, Dreh- und Streckbewegungen ein und nutzen einen festen Ledergurt zur Erhöhung des Druckes im Bauchraum.

 

Abgesehen davon kann man die Wirbelsäule durch einfache, aber im Alltag oft schwer umsetzbare Grundregeln unterstützen: die Bandscheiben der Wirbelsäule benötigen ausreichend Flüssigkeitszufuhr und genug Schlaf, um nächtens regenerieren zu können – wir schrumpfen ja im Tagesverlauf meist aufgrund des Höhenverlustes der Bandscheiben.

Interview durchgeführt von Mag. Christina Sorgmann / CredoWeb (redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva)

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