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Diabetes und Ernährung

Diabetes und Ernährung

Worin liegen die Unterschiede des Typ I und Typ II Diabetes?

Der Diabetes Mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Erkrankung. Die Gemeinsamkeit der beiden Typen ist, dass der Blutzucker zu hoch ist. Die Ursachen des Typ I und II unterscheiden sich wesentlich voneinander. Beim Typ I ist es so, dass die körpereigene Immunabwehr sich gegen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (die sogenannten Betazellen) richtet und die dann zerstört, was zu einem Insulinmangel führt. Als Ursachen der Störung des Immunsystems vermutet man Umwelteinflüsse, Virusinfektionen und auch gewisse genetische Veranlagungen. Beim Typ II Diabetes weiß man, dass zwei wesentliche Faktoren eine Rolle spielen: Die Insulinresistenz und die Insulinsekretionsstörung.  Durch die Insulinresistenz  kann nach der Nahrungsaufnahme der Zucker  nicht ausreichend vom Blut in die Körperzellen aufgenommen werden. Diese Insulinunempfindlichkeit wird gefördert durch Übergewicht ( v.a das zentrale Bauchfett) und Bewegungsmangel. Die Bauchspeicheldrüse versucht das lange auszugleichen, kommt jedoch auch irgendwann an ihre Grenzen. Es gibt nicht ausschließlich übergewichtige Diabetes II PatientInnen, eine große Rolle spielt auch die genetische Veranlagung, hier ist primär eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse mit damit einhergehender Insulinsekretionsstörung vererbt. Wenn ein Elternteil einen Typ II Diabetes hat, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25-50% selbst irgendwann betroffen zu sein. Der Lebensstil – die Ernährung, die sportlichen Aktivitäten uvm. – beeinflussen  maßgeblich den Krankheitsverlauf und das Krankheitsbild.

Immer mehr jüngere Menschen sind von der chronischen Erkrankung betroffen. Dies lässt sich vielfach auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel  zurückführen. In der Vergangenheit kannte man die Erkrankung hauptsächlich bei älteren Menschen  (deshalb auch der Begriff Altersdiabetes).

Symptome wie Müdigkeit, vermehrter Durst oder  vermehrter Harndrang  führen oft erst relativ spät zur Diagnose eines DM II. Gerade am Anfang der Erkrankung verspüren die Betroffenen meist überhaupt keine Symptome,  deshalb gibt es eine relativ hohe Dunkelziffer an Typ II Erkrankungen in Österreich. Vorbeugend sollte daher 1 Mal pro Jahr der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden, vor allem wenn eine familiäre Veranlagung gegeben ist.

 

Der tägliche Lebensstil beeinflusst die Diabeteserkrankung

Im stressigen Alltag kommt  heutzutage  gesunde Ernährung und körperliche Aktivität häufig zu kurz. Durch Doppelbelastungen mit Beruf und Familie fehlt häufig die Zeit zu kochen und sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Auch das Angebot in den Supermärkten hat sich drastisch geändert; vermehrtes Angebot im Bereich Convenience-Food und Fastfood. Und die Menschen werden durch die Angebote in die Irre geführt. Lebensmittel werden immer mehr industriell verarbeitet und die Leute kaufen diese Dinge im guten Glauben, dass diese gesund sind.  Getränke wie Softdrinks, aber auch Smoothies oder z.B  Energy drinks werden viel zu viel konsumiert.

 

Was sollte bei der Ernährung berücksichtig werden?

Der Typ I Diabetiker muss Insulin spritzen, das natürlich abgestimmt auf die Mahlzeiten. Eine ausgewogene Mischkost ist empfehlenswert. Diese PatientInnen brauchen detaillierte Schulungen, wie sie die benötiget Insulindosis je nach Mahlzeit berechnen. Der Typ II Diabetiker sollte nach der Diagnose primär seinen Lebensstil im Bereich Ernährung und Bewegung hinterfragen und umstellen. Wichtig ist eine ausgewogene Mischkost, welche Ballaststoffreich ist – dem mediterranen Schema angelehnt. Abstand nehmen von zuckerhaltigen Getränken und diese durch Wasser ersetzen. Mehr Gemüse und Obst auf den Speiseplan setzen, denn Obst ist auch für Diabetiker sehr wichtig – hier entscheidet die Menge. Wichtig ist auch mehr pflanzliches Eiweiß zu sich zu nehmen. In Österreich liegt klar der Fokus auf den tierischen Produkten mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren.  Direkte Zucker sollten  weitgehend vermieden werden.

Veränderungen sind in der Regel gleich messbar. Der Blutzuckerspiegel reagiert schon auf eine einzelne Veränderung positiv. Betroffene, welche in der Vergangenheit keinen Wert auf Ernährung und Bewegung gelegt haben erzielen mit der Umstellung einen schnell messbaren Effekt. Entscheidend ist aber eine dauerhafte Änderung des Lebensstils.


Spielt das Alter bei der Umstellung eine Rolle?

Die Motivation und das Wissen ist in jedem Alter die entscheidende Basis, um längerfristige Verbesserungen im täglichen Lebensstil zu erreichen.

Momentan gibt es ca. 600.000 Diabetiker in Österreich – das wird bis 2030 auf 800.000-1Mio. Betroffene anwachsen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Prädiabetiker so hoch ist wie die der Bekannten. Daher ist die Aufklärung vor allem in jungen Jahren entscheidend um Prävention zu betreiben!

Kinder und Diabetes

Es gibt relativ wenig Kinder mit Typ II Diabetes in Österreich – derzeit. Sieht man sich die Gewichtsentwicklung der Kinder  an, dann sind aber bereits sehr viele übergewichtig. Wenn man diese Kinder erreicht  und  versucht spielerisch das Thema Ernährung zu erarbeiten, dann kann man der Entwicklung eines Diabetes präventiv entgegenwirken.

Betroffene Kinder werden in ihrem weiteren Leben besonders von ev. auftretenden Spätkomplikationen und einer eingeschränkten Lebensqualität und auch Lebenserwartung betroffen sein.


Daher ist es von maßgeblicher Bedeutung rechtzeitig präventiv Maßnahmen zu setzen. Schulen und Kindergärten gehören klar eingebunden, vor allem beim Thema Ernährung. Viele Einrichtungen erarbeiten schon gemeinsam mit DiätologInnen Essenspläne für Kinder. Schockierend ist, dass viele Kinder  diverse Gemüse und Obstsorten gar  nicht kennen und dem gilt entgegenzuwirken. Kinder sind oft hochmotiviert und tragen gewonnene Erkenntnisse auch mit nach Hause und beeinflussen so auch die ältere Generation. Schwieriger wird es dann, wenn Kinder älter sind und die Jause vielleicht schnell irgendwo einkaufen. Je mehr sie von klein auf gewohnt sind täglich gesunde Nahrungsmittel auf dem Speiseplan  zu haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese sich auch weiter so ernähren.

 

Interview C.Sorgmann (CredoWeb)

 

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