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Mikronährstoffe für die Gesundheit: Orthomolekulare Medizin

 Mikronährstoffe für die Gesundheit: Orthomolekulare Medizin

CredoWeb im Interview mit Expertin Dr. med. Anna Brucker

CredoWeb: Mit was beschäftigt sich die Orthomolekulare Medizin?

 

Dr. med. Anna Brucker: Das Wort „orthomolekular“ ist zusammengesetzt aus zwei Wörtern:

 

1.      „ortho“ (= gut, richtig) und

2.      „molecular“ (= kleinste Bausteine)
          --> man könnte diesen Begriff übersetzten als die „richtigen Nährstoffe“.

 

Linus Pauling (1901-1994), der Vater der Orthomolekularen Medizin (OM), hat folgende Kernaussage definiert:

 

Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind.

 

Im Grunde beschäftigt sich die OM mit der Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit des Menschen durch Mikronährstoffe.

 

Schon Hippokrates (460-377 v. Chr.) sagte:

Deine Nahrung soll deine Medizin sein.

Apfel

 

CredoWeb: Was genau sind Mikronährstoffe und warum sind sie für den menschlichen Körper so wichtig?

 

Dr. med. Anna Brucker: Unter dem Überbegriff „Mikronährstoffe“ subsummiert man die Vielzahl der Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren, Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe, Pro-Präbiotika, Ballaststoffe und Hormone.

 

 

All diese Mikronährstoffe sind schon im menschlichen Körper vorhanden. Wie ein großes Orchester unterstützen und brauchen sie sich gegenseitig, um den „Klangkörper“ Mensch wohlklingend gesund zu halten.
Wenn in einem Orchester ein Instrument falschspielt oder fehlt, verändert sich der Klangkörpern - es entstehen Misstöne und Disharmonien.


Ein Mangel an einem oder mehreren Mikronährstoffen wird nicht sofort bemerkt, erst nach einer Zeitspanne bemerkt man dann die Erkrankung.

 

 

Bekannte Beispiele sind Rachitis (= Störung des Knochenstoffwechsels im Kindesalter) bei Vitamin-D-Mangel, Skorbut (= schwerwiegende Vitaminmangelkrankheit) bei Vitamin-C-Mangel, oder Struma (= Schilddrüsenvergrößerung) bei Jod-Mangel.

 

CredoWeb: Bei welchen Erkrankungen kommt die „orthomolekulare Ernährungsmedizin“ am häufigsten zum Einsatz?

 

Dr. med. Anna Brucker:

Die OM kann bei allen Erkrankungen zum Einsatz kommen! Auch in der Onkologie kann eine orthomolekulare Unterstützung Hilfe leisten!

 

Vor allem in Phasen eines erhöhten Mikronährstoffbedarfes wie z.B. Wachstum, körperliche und seelische Belastungen, Stress, Schwangerschaft und Stillzeit, Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, Alter etc. kann eine gezielte Substitution den Körper helfen, wieder in Harmonie zu gelangen.

 

 

Die Unterscheidung zwischen Nahrungsergänzungsmittel (NEM) und orthomolekularer Therapie liegt in der Dosierung und auch Verabreichungsform.

Je nach Mangelzustand kann man Infusionen mit den notwendigen Mikronährstoffen verabreichen, um besser ans Ziel zu kommen.

 

CredoWeb: Findet sie auch Anwendung im Bereich der Gynäkologie?

 

Dr. med. Anna Brucker: Natürlich bietet auch die Frauenheilkunde einen breiten Einsatzbereich für die OM!

Nicht nur Phasen des erhöhten Bedarfes wie Schwangerschaft und Stillen, sondern das ganz “normale Frauenleben“ kann in vielen Bereich aus dem Gleichgewicht geraten wie z.B.

 

  • Stress durch Überforderung
  • hormonelle Schwankungen
  • langjährige Pilleneinnahme
  • Menstruationsprobleme
  • Wechselbeschwerden
  • Osteoporose u.v.m.

mit einer OM unterstützend behandelt werden.

 

 

 

Ganz wesentlich erscheint mir, den Menschen als „Gesamtkunstwerk“ zu sehen!

 

 

Um eine sinnvolle therapeutische Unterstützung anzubieten, bedarf es einer umfassenden Anamnese mit auch mit Berücksichtigung des sozialen und Arbeits-Umfeldes, sozusagen der „Geschichte“ dieses Menschen. Erst dann wird eine gezielte Therapie Aussicht auf Erfolg haben.

 

Wichtig:

 

Die OM will und darf keine Schulmedizin ersetzen oder verdrängen, sondern durch gesunde Ernährung, Lebensführung und, wenn notwendig, mit Zufuhr von Mikronährstoffen sinnvoll ergänzen.

 

 

Interview: Christina Neumayer/CredoWeb

 

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