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Prävention von Schlaganfällen bei Herzrhythmusstörungen wird viel sicherer

Prävention von Schlaganfällen bei Herzrhythmusstörungen wird viel sicherer

Foto: rasslava / 123rf.com

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Vorhofflimmern

Vorhofflimmernist eine häufige Herzrhythmusstörung, die an sich nicht tödlich ist, aber extrem gefährlich sein kann, weil sie das Risiko eines schweren Schlaganfalls drastisch erhöht.Neurologen haben schon vor langem wissenschaftlich bewiesen, dass die schwerwiegendsten ischämischen Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern vorkommen.

Vorhofflimmern – Herzrhythmusstörung ohne Symptome

Viele wissen nicht, dass sie an Vorhofflimmern leiden, weil keine Symptome auftreten. Erst wenn Patientenin der Notaufnahme landen erkennt man, dass der Grund des Schlaganfalls in den Herzrhythmusstörungen liegt.

Herausforderungen bei der Diagnostik von Vorhofflimmern

Zunächst wird, wie bereits erwähnt, nicht jeder Patient mit Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. Die Diagnostik ist aber eigentlich nicht so schwierig. Wenn die Messung des Blutes mithilfe eines Diagnostikgeräts auf dem Display das Symbol Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie)aktiviert, sollten Patienten unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Mögliche weitere Anzeichen sind unregelmäßige Herzschläge, die auch bei einer Pulsmessung um das Handgelenk feststellt werden können. Ein Routine-EKG kann in vielen Fällen eine klare Diagnose ergeben. Vielfach ist eine 24-Stunden-Überwachung nötig, da Vorhofflimmern sporadisch und in unregelmäßigen Zeitabständen auftreten kann. Dies erhöht leider das Risiko für einen Schlaganfall.

Vorsorge gegen Vorhofflimmern

Prophylaxengegen Vorhofflimmern gibt es eigentlich seit Jahrzehnten. Die Einnahme von Medikamenten (Antikoagulantien), welche die Wirkung von Vitamin K im Körper hemmen, sind weltweit bekannt. Dieses Vitamin ist in den Prozessen beteiligt, welche die Blutgerinnung (Koagulation) und die Bildung von Trombosen in den verschiedenenArterien, einschließlich des Gehirns verursachen können.Die Blutgerinnsel bilden sich öfter und leichter in den Herzkammern von Patienten mit Vorhofflimmern. Deswegen ist es erforderlich, dass Patienten mit dieser Art von Herzrhythmusstörung Antikoagulantien einnehmen.

Es gibt zwei Generationen von Antikoagulantien:

  • Vitamin K-Antagonisten
  • Neue orale Antikoagulantien (NOAC=novel oral anticoagulant)

Herausforderungen bei der Behandlung mit Vitamin K-Antagonisten

  • Regelmäßige Laborkontrollen - die seit vielen Jahren angewandte Behandlung mit Vitamin K-Antagonisten erfordertregelmäßige Laborkontrollen- mindestens einmal im Monat. Ärzte untersuchen den so genannten INR-Grad an "Ausdünnung" des Blutes, welcher zwischen 2 und 3 sein sollte. Unter dem Wert 2 erhöht sich das das Risiko eines Schlaganfalls deutlich. Über dem Wert 3 hinaus, erhöht sich die Gefahr von Blutungen als Nebenwirkung der Behandlung.
  • Wechselwirkungen – die Vitamin K-Antagonisten haben auch viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln. Diese Wechselwirkungen beeinflussen die Wirkung von den Antagonisten.
  • Operationen – Problematisch sind auch Operationen bei Patienten, die Vitamin K-Antagonisten einnehmen. Vor einer Operation muss gewartet werden, bis die Medikamente vom Körper abgebaut sind und das dauert in der Regel bis zu fünf Tage. Nach der Operation dauert es auch wieder zwei bis drei Tage bis die Wirkung wieder einsetzt.

Alle diese Probleme haben zu einer Vermeidung der Vitamin K-Antagonisten geführt, da die Angst vor Blutungen vor allem im Gehirn oder Magen-Darm-Trakt unter Ärzten und Patienten sogar stärker war als die Angst vor einem Schlaganfall.

Die neuen oralen Antikoagulantien

In den letzten Jahren wurden daher neue orale Antikoagulantien (NOAC=novel oral anticoagulant), die viele der Nachteile von Vitamin K-Antagonistennicht mehr haben,entwickelt und und in der medizinischen Praxis eingeführt. Mit folgenden Vorteilen:

  • Sie besitzen kaum Arznei-und Nahrungsmittel Interaktionswirkungen.
  • Das Risiko von Blutungen als Nebenwirkung kann deutlich gesenkt werden.
  • Die ständigen Laborkontrollen fallen weg, da die Medikamente in konstanten Dosen genommen werden.

Dadurch können diese neuen Medikamente einer größeren Zahl an Patienten mit Vorhofflimmern als prophylaktische Behandlung verabreicht werden.

Die gewünschte Verbreitung, selbstin entwickelten Ländern konnte aber noch nicht erreicht werden. Die Gründe liegen immer noch in Ängsten von Patienten zu den Nebenwirkungen. Hauptangst vieler Patienten: Was passiert, wenn ich einen Unfall habe, oder eine spontane Blutung?

Das neue Mittel zur Neutralisierung von oralen Antikoagulantien

Derzeit macht die Medizin einen gewaltigen Sprung in der Vermeidung von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern. Ein neues Mittel zur Neutralisierung für orale Antikoagulantien wurde entwickelt und hat kürzlich auch die Erlaubnis von europäischen und US-Regulierungsinstitutionen bekommen auf dem Markt angeboten zu werden. Es hilft bei der Normalisierung der Gerinnung bei Patienten, die Antikolagulantien benutzen und eine Notfalloperation benötigen. Das Medikament wirkt innerhalb einiger Minuten und ermöglicht Ärzten dann unter normalen Bedingungen zu operieren. Nach dem operativen Eingriff kann die vorgeschriebene Antikoagulans-Therapie weitergeführt werden. Das neue Mittel zur Neutralisierung von orale Antikoagulantien hat die chemische Bezeichnung Idarutsizumab und kann in einer Krankenhausumgebung durch einfache intravenöse Injektion angewendet werden.

Was sagen die Experten

Prof. Hans-Christoph Diner, Neurologe an der Universität Essen, sowie Prof. George Nikenig - Kardiologe an der Universität Bonn, Professor John Eykelbum - Hämatologe an der Universität von Ontario, Kanada, und Dr. Sarah Jarvis, Ärztin für Allgemeinmedizin in London kamen zum Schluss, dass die Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern jetzt viel sicherer ist. Ihre Hoffnung ist, dass die Existenz von den neuen oralen Antikoagulantien und das Mittel zu deren Neutralisation mehr Patienten mit den gefährlilchen Herzrhzthmusstörungen motivieren wird die Therapie gegen thrombotische Probleme zu übernehmen.

Quelle: red

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