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Zytokin-Profile als neue Biomarker bei Multipler Sklerose

Zytokin-Profile als neue Biomarker bei Multipler Sklerose

Eine aktuelle Studie belegt, wie heterogen die Immunsituation einzelner Patienten mit Multipler Sklerose ist. Ein auf diesen Erkenntnissen entwickelter Set von immunologischen Biomarkern könnte dabei helfen, diejenigen Patienten zu bestimmen, die auf eine Interferon-beta-Therapie gut ansprechen.


 

Multiple Sklerose (MS) wird durch eine inflammatorische Reaktion auf das Myelin der Nervenscheiden im ZNS verursacht. Um die schubweise auftretende Entzündung zu hemmen, kommt Interferon-beta, ein immunmodulierendes Zytokin, als wichtiger Therapiepfeiler zum Einsatz. Unter Interferon-beta heilt die Multiple Sklerose zwar nicht aus, aber das Fortschreiten der Krankheit wird verlangsamt, vor allem, wenn die Therapie früh begonnen wird. Jedoch gibt es große Unterschiede, wie stark MS-Patienten auf eine Interferon-beta-Behandlung ansprechen.

 

Urheber: eraxion / 123RF Lizenzfreie Bilder

 

Studie zum Therapieverlauf

Forscher aus Europa und den USA haben für die in „Neurology“, dem offiziellen Journal der American Academy of Neurology, erschienenen Studie zusammengearbeitet, um die auftretenden Variabilitäten in der Immunantwort besser zu verstehen. Die Studienteilnehmer waren Patienten mit einer schubförmig-remittierenden Form der MS oder einer Vorstufe zu MS. Alle Personen erhielten zum ersten Mal eine Interferon-beta-Therapie. Die Forscher dokumentierten die Anzahl der Rückfälle und die Änderungen im Schweregrad der Behinderungen zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Behandlung. Die Wissenschaftler sammelten auch Blutseren zu Beginn der Studie und drei Monate nach dem Start der Interferon-beta-Therapie. Insgesamt nahmen 157 Patienten an der Studie teil. Auf Basis der zu Beginn der Studie gemessenen Zytokin-Spiegel wurden die Patienten in sechs Gruppen aufgeteilt.

 

Response-Stratifizierung möglich

Auf der Grundlage der anfänglichen Zytokinspiegel konnten die Forscher zwei Gruppen von sehr schlechten Interferon-beta-Responder bestimmen. Sie identifizierten auch zwei Untergruppen von besonders guten Respondern, die eine deutliche Verringerung der Schubraten und kein Fortschreiten der Krankheit aufwiesen. In allen sechs Untergruppen zeigten die Patienten nach drei Monaten Interferon-beta-Behandlung unterschiedliche Veränderungen in ihren Zytokin-Profilen. Diese Variabilität ist als eine individuelle Antwort auf die Behandlung zu verstehen.

"Unsere Daten liefern weitere Beweise für immunologisch unterschiedliche Untergruppen von MS und dafür, dass diese Untergruppen mit unterschiedlichem Ansprechen auf die Behandlung assoziiert sind", so die Forscher. "Eine Stratifizierung durch Biomarker kann Informationen für Behandlungserfolg und Prognose liefern." Zytokine könnten somit als Biomarker Verwendung finden, um die Behandlung zu steuern und die Identifizierung von MS-Patienten, die am ehesten positiv auf Therapien wie Interferon-beta reagieren, unterstützen. Für die Entwicklung von diagnostischen Tests sind jedoch noch mehr Erkenntnisse zu sammeln, welche der Zytokine gute Prädiktoren für eine MS-Behandlung darstellen.

Quelle:Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm April 2016 vol. 3 no. 2 e202. Published online January 27, 2016 doi: http://dx.doi.org/10.1212/NXI.0000000000000202

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