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Wie erkenne ich ein "Burnout" und was kann ich selbst machen? Ein Interview.

Wie erkenne ich ein "Burnout" und was kann ich selbst machen? Ein Interview.

CredoMedia hat Dr. Klaus Bielau, Ganzheitsmediziner, Homöopath, Autor (Bücher, Zeitschriften), Praxis für Selbstheilung und Homöopathie Graz zu einem exklusiven Interview zum Thema Burnout gebeten.

  

CredoMedia: Herr Dr. Bielau, als Allgemeinmediziner, der sich auch der Homöopathie und Ganzheitsmedizin verschrieben hat, wie stehen Sie allgemein zum Thema „Burnout“?

 

Dr. Klaus Bielau: Kurz zur Erklärung, ich habe mich nicht AUCH der Homöopathie verschrieben, sondern nur DESWEGEN bin ich Arzt geworden. Als Ganzheitsmediziner sehe ich Burnout oder eigentlich was immer, nicht isoliert vom biographischen Umfeld des Menschen. Wenn ein Klient es will, dann betreuen oder begleiten Ganzheitsmediziner ihn selbstverständlich auch bei psychologischen Fragestellungen. Burnout, das ist eine sehr häufig gestellte Diagnose heutzutage. Viele sind verunsichert.

 

CredoMedia: Viele fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, aber bis wohin sind es nur zwischenzeitliche Probleme und ab wann spricht man von Burnout?

 

Dr. Klaus Bielau: Ich habe ein Essay dazu verfasst und dazu passend den provokanten Vortragstitel „Burnout – endlich können die alten Feuer nicht mehr brennen“ gewählt. Das heißt, Burnout ist eigentlich übersetzt ein „Ausgebranntsein“. Das heißt, meine üblichen Motive, mein übliches Feuer, meine Energie, sind nicht mehr vorhanden. Deswegen kann man ruhig sagen „die alten Feuer“, denn der Mensch lebt im Allgemeinen nicht sein individuelles, intuitives Vermögen, der Großteil unserer Menschheit lebt Muster, Konditionierungen und Mechanismen – lebt fremd bestimmt und automatisiert.

 

Dieses mechanische Leben entspricht aber nicht der Essenz des Menschen. Wenn die Freude in uns lebendig wird (der berühmte 'Funke') und wir unser Bewusstsein auf diese Essenz richten, dann kommt automatisch Freude und auch Energie. Denn dann beginnen wir das zu machen, was unserem Plan entspricht. Wenn wir dies jedoch, was die Regel ist, „vergessen“, wenn wir von Kindesbeinen an unseren Konditionierungen nachleben, dann erstickt dieses Intuitive, Lebendige, dieser Funke kann nicht zur Flamme werden. Und der Mensch spürt, dass ihm etwas Wesentliches fehlt.

 

Wir sind als Menschen nicht automatisierte Tiere, die wie Schafe oder Kühe dem Hirten in den Stall folgen, und dann dem Schlächter ins Schlachthaus, sondern wir haben in uns die Idee der Freiheit, die Idee des bewussten und kreativen Mitarbeitens. In uns ist die Idee des vollkommenen Friedens, die Idee von Erfülltheit und Freude. Und jeder Mensch sucht und will in irgendeiner Form diese Idee von Ewigkeit. Da wir etwas Fremdem nachfolgen kommen wir sehr oft in das Gefühl „Das ist nicht meins“, „Wozu soll ich das machen?“, und wenn ich nicht weiß, wozu ich etwas tue, habe ich auch keine Kraft dafür. Die Folge davon ist unglücklich Sein, weitere Folgen sind körperliche Erkrankungen.

 

CredoMedia: Sie als Mediziner und Homöopath diagnostizieren es?

 

Dr. Klaus Bielau: Ja sicher, ich schreibe immer wieder mal diese Diagnose. Das ist das Schöne an der Allgemeinmedizin, wir dürfen alles machen, nur muss ich es verantworten.

 

CredoMedia: Verweisen Sie dann Klienten weiter oder behandeln Sie sie?

 

Dr. Klaus Bielau: In diese Entscheidung beziehe ich den Betroffenen mit ein. In manchen Fällen empfehle ich eine Psychotherapie bei Kollegen, hin und wieder schlage ich vor, diese Psychotherapie bei uns zu machen. Meine ganzheitliche, nennen wir es ruhig, Psychotherapie, sind Gespräch, Bestandsaufnahme des aktuellen Lebenszustandes. Dabei beraten wir gemeinsam, wie man ein solides und gutes Leben leben kann, ohne sich zu sehr behindern zu lassen, von den ganzen eigenen Kompliziertheiten, Verstricktheiten und neurotischen Wurzeln.

 

CredoMedia: Und verschreiben Sie Medikamente?

 

Dr. Klaus Bielau: Ich verschreibe nur homöopathische Mittel, manchmal Urtinkturen, Kräutertees und ich bespreche das zusammen mit dem Klienten. Das Wesentliche in meiner Arbeit: ich betrachte niemanden als einen Patienten, sondern als Mensch sind wir im Prinzip dazu berufen, auch unsere eigenen Ärzte zu sein. Ich sage immer, meine Praxis ist eine patientenfreie Zone, jeder der hierher kommt ist bereit, für sich Verantwortung zu übernehmen. Frei nach dem Motto von Paracelsus: „Der Patient sei sein Arzt, und der Arzt dessen Helfer“ ist die Selbstverantwortung immer das wesentliche Thema in meiner Praxis, seit mehr als 25 Jahren. Das ist auch der große Unterschied zur üblichen Medizin.

 

CredoMedia: Wo grenzen Sie Burnout zu einer Depression ab?

 

Dr. Klaus Bielau: Gar nicht. Wenn ich ein sogenanntes Burnout habe, bin ich depressiv, das ist logisch. Ich bin sehr achtsam mit solchen Begrifflichkeiten, das sind Stempel die man aufgedrückt bekommt. Viel lieber sind mir die Ausdrücke Schwermut, Melancholie oder ähnliches.

 

CredoMedia: Würden Sie sagen Burnout ist ein Modewort für eine Depression?

 

Dr. Klaus Bielau: Nicht unbedingt Modewort. Ein Zustand des Ausgebranntseins, bei dem man seine eigene Individualität nicht lebendig machen kann. Daher ist es auch naheliegend, dass man diesen Zustand gerne Depression nennt.

 

CredoMedia: Was sind die klassischen Symptome?

 

Dr. Klaus Bielau: Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Verzweiflung- Ja, da die Menschen in ihrem Lebensgang, ihrem Tun, ihren Motiven oft zu wenig gezweifelt haben, kommen sie in der Verzweiflung!

 

CredoMedia: Wie diagnostizieren Sie ein Burnout?

 

Dr. Klaus Bielau: Das ist eigentlich recht einfach. Im Gespräch erkennen wir, Klient und meine Person, ob die Kriterien für ein Burnout gegeben sind. Wir schauen uns gemeinsam die Lebenssituation an und besprechen den Alltag. Die meisten Menschen kommen ja schon mit den Worten: „Herr Doktor, ich bin so verzweifelt, ich weiß nicht mehr was ich tun soll!“ zur Tür herein. Die Hauptsymptome sind immer ähnlich: Schwäche, Kraftlosigkeit und Verzweiflung über die Lebenssituation, weil man keinen Weg sieht. Das ist an und für sich gut, deswegen heißt es auch, die alten Feuer können nicht mehr brennen. Hauptsächlich geht es darum, dass wir aus unseren Krisen lernen. Das griechische Wort „Krise“ bedeutet auch Entscheidung, Lösung, ist also eine Möglichkeit zur Umkehr aus einer Sackgasse, zur Änderung, zur Neuorientierung.

 

CredoMedia: Und wie sieht die Behandlung aus?

 

Dr. Klaus Bielau: Der Mensch, also auch wir, jeder von uns, Sie, ich, wir alle müssen erkennen, nicht Opfer der Lebensumstände zu sein, sondern zumindest deren Mit-Schöpfer. Wir suchen gemeinsam die positiven Ansätze und versuchen herauszufinden, wo die tatsächliche Individualität, kreativ lebendig werden kann. Burnout ist häufig eine Folge, wenn man seine eigentliche Individualität nicht, oder noch nicht leben kann. Es gibt Vorstellungen der Eltern, der Autoritäten, der Schule, der Firma und so weiter, es lebt etwas von außen und der Mensch lebt nicht von Innen.

 

Der Logotherapie-Ansatz von Viktor Frankl: „Dem Leben einen Sinn geben“, wir müssen das Ziel finden, wird letztlich uns den Weg finden lassen, den wir finden müssen, je weniger wir uns dagegen wehren, desto rascher wird sich unser Leben vermutlich erfüllen. Wenn ein Mensch gerne musiziert, aber zu viel arbeitet und unzufrieden ist, da er diese Liebe nicht ausleben kann, dann versuchen wir Wege zu erarbeiten, wie er die Arbeit reduzieren kann, um Kraft übrig zu haben für Kreatives. Dabei können wir die Menschen begleiten mit entsprechenden homöopathischen Potenzen, nicht, außer in streben Ausnahmen, mit chemischen Medikamenten. Die individuelle Wahrnehmung, das sich-selbst-Spüren steht zentral.

 

CredoMedia: Wenn sich nun einer unserer Leser in dem Artikel wiederfindet, da er die beschriebenen Symptome für ein Burnout bei sich erkennt, was raten Sie diesem?

 

Dr. Klaus Bielau: Als ersten Schritt kann man immer versuchen an sich selbst zu arbeiten, sich selbst zu fragen, warum, vor allem aber wozu mache ich das, was ich mache. Ziel muss es sein, weg zu kommen von der Fremdbestimmung und von dem Ferngesteuertsein, das ist Ursache für viele psychische Erkrankungen.

Wenn man aber dabei auf der Stelle tritt, rate ich Hilfe zu suchen.

 

CredoMedia: Herr Dr. Bielau, vielen Dank für das spannende Interview!

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