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Schlafdauer beeinflusst kardiovaskuläres Risiko

Schlafdauer beeinflusst kardiovaskuläres Risiko

Zum heutigen Weltschlaftag gibt es neue Erkenntnisse aus einer Studie, die sich im Speziellen dem Einfluss der Schlafdauer auf das Herzkreislaufsystem widmete. Die Ergebnisse der sehr umfangreichen Untersuchung zeigten: Sowohl zu viel Schlaf als auch zu wenig können problematisch sein.

 

Der Weltschlaftag (World Sleep Day) ist ein jährliches öffentliches Ereignis, das auf die Wichtigkeit eines gesunden Schlafes hinweist und zu Verbesserungen im Bereich sozialer Aspekte, Erziehung und Schlafmedizin aufruft. Der langjährige Organisator ist ein Komitee der World Association of Sleep Medicine (WASM), Rochester, USA.

 

Auf die Wichtigkeit des Schlafes als Zeit der Regeneration wird zu Recht verwiesen. Eine Reihe von Studien zeigte eine deutliche Assoziation zwischen Schlafstörungen und der Ausschüttung von entzündungsfördernden Substanzen, Fettleibigkeit sowie reduzierter Insulinsensitivität und Diabetes.

 

Bei der nun in Taiwan durchgeführten Kohortenstudie an knapp 400.000 Personen wurde die Schlafdauer in Hinblick auf die Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit (KHK) untersucht. Es handelte sich um eine der umfangreichsten Arbeiten dieser Art.

 

Nicht weniger als 4, nicht mehr als 8 Stunden

Eingeschlossen wurden 392.164 Erwachsene im Alter mindestens 20 Jahren, die in Taiwan zwischen 1994 und 2011 an einem Check-up-Programm teilgenommen hatten, das Informationen zu Schlafdauer, Schlafmittel und anderen relevanten Faktoren enthielt. Den Teilnehmern wurde die Frage gestellt: „Wie lange schlafen Sie?“. Es gab vier Antwortkategorien: (a) 0-4 Stunden, (b) 4-6 h; (c) 6-8 h und (d) mehr als 8 Stunden pro Nacht. Die Teilnehmer wurden im Taiwanesischen Register für Todesursachen auf ein Versterben durch koronare Herzkrankheit weiter verfolgt.

 

Die Ergebnisse nach Bereinigung möglicher verfälschender Einflüsse (Adipositas, Rauchen, Lipide, etc.) belegen sehr deutlich die Notwendigkeit einer vernünftigen Menge an Schlaf. Verglichen mit der Gruppe, die 6-8 Stunden pro Nacht schlief, zeigte die Gruppe die weniger als 4 Stunden schlief, ein um 34% erhöhtes Risiko an koronarer Herzkrankheit zu versterben. Bemerkenswert: Mehr Schlaf ist nicht besser. Im Gegenteil, mehr als 8 Stunden zu schlafen, war – so zumindest die Statistik – sogar mit einem noch höheren Risiko verbunden. Im Vergleich zu 6-8 Stunden schlafenden Personen war das Risiko für Langschläfer um 35 % erhöht.

Mechanismen noch unklar

„Der Effekt war bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, und bei älteren Personen stärker als bei jungen“, so die Forscher. Zugleich könne festgestellt werden, dass eine passende Schlafdauer eine wichtige Komponente eines gesunden Lebensstils darstelle.

Die genauen Pathomechanismen der erhöhten kardiovaskulären Sterberate sind noch unklar, wenn auch bereits eine Reihe von Theorien existieren, besonders zum Schlafmangel. So etwa ist Schlafentzug mit einer Stressantwort, Adrenalinsekretion, erhöhtem Blutdruck und gesteigerter Pulsfrequenz verbunden, das sind alles bekannte Risikofaktoren.

 

Auf der anderen Seite könnte überlanges Schlafen seine Ursachen in sozioökonomischen Belastungsfaktoren wie Arbeitslosigkeit und niedrigem Bildungsgrad haben, also allgemeinen gesundheitlichen Risikofaktoren. Ob diese allgemeinen Faktoren trotz Berücksichtigung einen verfälschenden Einfluss auf die Ergebnisse hatten, oder ob zu langes Schlafen tatsächlich auf bisher unbekannte Weise ein Risikofaktor für koronare Herzerkrankung ist, blieb letztlich auch für die Forscher offen.

Quelle: Linn B. Strand et al. Self-reported sleep duration and coronary heart disease mortality: A large cohort study of 400,000 Taiwanese adults. International Journal of Cardiology, 2016; 207: 246 DOI: 10.1016/j.ijcard.2016.01.044 / Foto: gdolgikh / 123RF  

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