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Fluorquinolone vielleicht doch ohne arrhythmogenes Risiko?

Fluorquinolone vielleicht doch ohne arrhythmogenes Risiko?

Fluorquinolone sind eine Antibiotika-Substanzgruppe, die sehr verbreitet bei alltäglichen Infektionen, wie fieberhaften Harnwegsinfekten oder Infektionen der unteren Atemwege eingesetzt wird. Im Allgemeinen ist die Verträglichkeit gut, dennoch wurden Fluorquinolone mit einer Verlängerung der QT-Zeit und sogar dem Auftreten eines plötzlichen Herztodes in Verbindung gebracht, weshalb manche Präparate wieder vom Markt genommen wurden. Beobachtungsstudien sprechen von einem dreifach erhöhten Risiko für schwerwiegende Arrhythmien, wenn auch großangelegte klinische Untersuchungen, die mit der notwendigen statistischen Aussagekraft seltene Nebenwirkungen erfassen können, bisher fehlten.

Fluorquinolone sind Inhibitoren des Kaliumkanals der Myozyten, was zu einer Ansammlung von Kalium führt und eine Repolarisation verzögern kann (Gefahr der Torsade de pointes). Jedoch ist der Effekt verglichen mit anderen Medikamenten eher schwach. Eine neu in BMJ erschienene Studie untersuchte mit den notwendigen Fallzahlen die klinische Bedeutung einer durch Fluorquinolone verlängerten QT-Zeit, und ob diese wirklich ein erhöhtes Risiko von Arrhythmien darstellt.

  

Studie mit 1,8 Millionen Fällen

Die Studienkohorte stammte aus der allgemeinen Bevölkerung von dänischen und schwedischen Erwachsenen zwischen 40 und 79 Jahren. Rund 910.000 Fällen von Fluorquinolon-Einsatz (Ciprofloxacin 82,6%, Norfloxacin 12,1%, Ofloxacin 3,2%, Moxifloxacin 1,2%, andere 0,9%) und ebenso viele Penicillin V Anwendungen wurden 1:1 verglichen.

Untersucht wurde das Risiko für schwere Arrhythmien (tödlich und nicht-tödlich) im Vergleich zwischen Fluorquinolonen und Penicillin V, einem Antibiotikum, für das kein arrhythmogener Effekt bekannt ist.

Es kam zum Auftreten von 144 Fällen schwerer Arrhythmie: 66 Fälle bei Fluorquinolon-Anwendern (Inzidenzrate von 3,4 pro 1000 Personenjahren), und – geringfügig mehr – 78 Fälle bei Penicillin-Anwendern (4,0 pro 1000 Personenjahren).

  

Kein erhöhtes Risiko gefunden

Im Gegensatz zu früheren Berichten waren oral eingenommene Fluorquinolone nicht mit einer erhöhten Arrhythmiegefahr verbunden. Dieses Ergebnis gilt auch für die Subanalyse der einzelnen Fluorquinolon-Gruppen. Durch die hohe statistische Aussagekraft (große Teilnehmerzahl) konnten selbst kleine Anstiege im absoluten oder relativen Risiko verneint werden.

„Wir können nicht völlig ausschließen, dass unter bestimmten Umständen Fluorquinolone Torsade de pointes auslösen können, haben aber keinen Anhaltspunkt für ein erhöhtes Risiko in einer allgemeinen Patientenpopulation gefunden“, so die Forscher. Möglicherweise sei das in anderen Studien beobachtete Risiko durch die Infektion selbst oder durch eine allgemein schlechte gesundheitliche Verfassung der Fluorquinolon-Anwender verursacht worden.

  

Quelle: Inghammar M et al. Oral fluoroquinolone use and serious arrhythmia: bi-national cohort study. BMJ 2016;352:i843

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