Der Beruf einer Hebamme aus Sicht einer Hebamme – Ein Interview.
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Der Beruf einer Hebamme aus Sicht einer Hebamme – Ein Interview.

Der Beruf einer Hebamme aus Sicht einer Hebamme – Ein Interview.

Marianne Mayer ist Hebamme und arbeitet Vollzeit in der Privatklinik Goldenes Kreuz - und als wäre das nicht genug, hat Sie auch noch die Leitung des Österr. Hebammengremiums in Wien inne. Christina Kolin von CredoMedia traf sie anlässlich des internationalen Hebammentages zum Interview.


CM: Warum sind sie Hebamme geworden?

Marianne Mayer: Ich bin über Umwege Hebamme geworden. Zuerst wollte ich Kinderärztin werden und habe mit dem Medizinstudium begonnen. Dann durfte ich einmal einer Geburt beiwohnen. Das war so ein bewegendes Ereignis, dass ich wusste, das ist der richtige Weg und habe umgesattelt und bin Hebamme geworden.


CM: Wie lange dauert denn die Ausbildung zur Hebamme?

Marianne Mayer: Die Ausbildung zur Hebamme dauert drei Jahre und ist österreichweit eine Fachhochschulausbildung, die sehr praktikumsnahe ist, wo aber auch sehr viel Wert auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt wird.


CM: Können Sie sich an ihre erste Geburt als Hebamme erinnern?

Marianne Mayer: Ich kann mich an die Geburt erinnern die ich gesehen habe und die mich dazu bewegt hat Hebamme zu werden. Das war witziger Weise im Goldenen Kreuz, weil damals eine Freundin als Hebamme hier gearbeitet und mich dazu geholt hat. Mit Einwilligung der Eltern und des Arztes.

Ich habe damals mit dem Vater parallel geweint und gelacht vor Freude und Glück. An die erste Geburt in der Ausbildung kann ich mich nicht mehr erinnern, ich kann mich dann nur noch an meine Diplomgeburt erinnern. Die war problemlos, damals im Krankenhaus Mistelbach.


CM: Mit welchen Fragen oder Unsicherheiten kommen junge Eltern häufig zu Ihnen?

Marianne Mayer: Die häufigsten Unsicherheiten sind immer rund um das Thema Geburt. Frauen verbinden die Arbeit der Hebamme hauptsächlich mit der Geburt, daher werden uns in dieser Richtung sehr viele Fragen gestellt. Es gibt aber seit November 2013 auch die Hebamme im Mutter-Kind-Pass. Da gibt es zwischen der 18. und 22. Woche ein Beratungsgespräch, wo dann einfach Schwangerschaftsthemen gefragt werden: Wie weit darf ich mich bewegen? Welchen Sport darf ich machen? Was darf ich Essen?

D.h. wir sind also gefordert einfach mehr Schwangerschaftsthemen in der Beratung zu bringen. Schwerpunkt bleibt aber die Geburt und Geburtsvorbereitung. Manchmal aber auch Fragen über das Wochenbett und die Zeit danach.


CM: Wer ist der Chef bei der Geburt? Ist das die Hebamme oder der Arzt?

Marianne Mayer: Bei einer regelrechten, normalen Geburt, sprich wo nichts pathologisches auftritt, ist die Leitung der Geburt durch die Hebamme geplant und angedacht. Die Besonderheit bei uns im Goldenen Kreuz ist, dass jede Frau ihren Belegsarzt mitnehmen darf. Und somit ist eine besondere Bindung durch die Schwangerschaftsbetreuung zu dem Belegarzt aufgebaut. Dieser Arzt kommt dann zum Schluss der Geburt dazu. Während der Eröffnungsphase, der langen Phase der Geburt, arbeitet man als Hebamme alleine mit der Frau zusammen. Selbstverständlich ist man immer wieder im telefonischen Kontakt mit dem Arzt.


CM: Ein kurzer Ausblick in die Zukunft? Wie wird sich der Beruf der Hebamme wandeln? Ist der technologische Fortschritt auch bei Ihnen spürbar?

Marianne Mayer: Das ist eine gute Frage. Im Rahmen der 3-jährigen Ausbildung lernt man das Handwerk und wir arbeiten mit unseren Händen. Fast wie bei einer Lehre, nur auf wissenschaftlicher Basis. Die Zukunft der Technologie ist bei uns spürbar, zum Beispiel in Masterlehrgängen. Dort machen wir mit Ultraschalltechnik Bilder und lernen diese dann auch besser zu interpretieren als in der Grundausbildung.

Ich glaube trotzdem das wir weiterhin mit unseren Händen mit den Frauen arbeiten werden. Das heißt, dass sich das Berufsbild nicht großartig ändern wird, und wir als Begleiterinnen der Frauen weiterhin gesehen werden.


CM: Was passiert am internationalen Hebammentag in Wien?

Marianne Mayer: Wir in Wien werden einen Tag für die Hebammen organisieren. Heuer fällt der internationale Hebammentag der 5. Mai auf einen Feiertag, deshalb haben wir etwas Gemütliches für die ganze Familie geplant. Einen Ausflug an die Alte Donau, heuer diesmal nur etwas für uns , nichts außenwirksames.


CM: Wünschen sie sich noch etwas von der Politik in Bezug auf ihre Arbeit?

Marianne Mayer: Ja, da gibt es mehrere Baustellen. Wir von der Landesgeschäftsstelle Wien versuchen natürlich genügend Kassenstellen zu organisieren. Wir  möchten dass jede Frau durch eine Hebamme betreut werden kann. Vor allem die Frauen, die sich vielleicht keine Wahlhebamme leisten können. Das Anrecht auf eine Hebammenbetreuung bei einer vorzeitigen Entlassung oder ambulanten Geburt hat jede Frau! Für die Hebammen wünsche ich mir ein faires Gehalt.


CM: Die Hebamme- ein typisch weiblicher Beruf?

Marianne Mayer: Derzeit ja, aber zukünftig werden auch Männer im Beruf der Hebamme tätig sein, das funktioniert in Holland, in den Niederlanden und überhaupt sind die skandinavische Länder Vorreiter. Bis jetzt hat es das in Österreich noch nicht gegeben, aber zukünftig wird es Männer im Hebammenberuf geben. So wie Frauen Mechaniker werden können, können Männer auch Hebammen werden.


CM: Vielen Dank Frau Mayer für das aufschlussreiche und interessante Interview!


Mehr Informationen zum Thema Hebammen finden sie unter: http://www.goldenes-kreuz.at/geburtshilfe/hebammen


 Fotos: CredoMedia


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