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Auch zu wenig Salz kann für das Herz schädlich sein

Auch zu wenig Salz kann für das Herz schädlich sein

Bekannt ist, dass Personen mit Bluthochdruck ihre Gesundheit durch einen geringeren Salzkonsum positiv manipulieren können. Für Menschen mit einem normalen Blutdruck gilt das nicht. Darauf weist eine Metaanalyse der McMaster University in Hamilton (Kanada) hin, die in "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Die Forscher verglichen in vier großen prospektiven Studien mit insgesamt 135.000 Menschen aus 49 Ländern die tägliche Urinausscheidung von Natrium und Herz-Kreislauf-Ereignisse sowie Gesamttodesfälle. Es wurde zwischen Menschen mit und ohne Bluthochdruck differenziert. Bei Hochdruckpatienten stieg die Ereignisrate erwartungsgemäß bei einer Natriumaufnahme, die über vier bis fünf Gramm pro Tag hinausging. Dies war bei Menschen mit normalem Blutdruck jedoch nicht der Fall. Bei einer Zufuhr von Natrium unter drei Gramm pro Tag wurden Herz-Kreislauf-Ereignisse und Gesamttodesfälle hingegen sowohl bei Menschen mit als auch ohne Bluthochdruck erhöht.

Es ist nicht die erste Arbeit, die das Salz-Dogma infrage stellt. Bereits 2011 zeigte eine europäische Populationsstudie (JAMA), dass bei niedrigem Salzkonsum eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität besteht. Es handelte sich dabei jedoch um eine relativ kleine Studie mit nur etwa 3.700 Teilnehmern.

Für Matthias Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), haben diese Erkenntnisse durchaus einen gesundheitspolitischen Einfluss: "Die Arbeit zeigt, zu wenig Salz - unabhängig davon ob der Mensch einen erhöhten oder einen normalen Blutdruck hat - sollte man auch nicht zu sich nehmen. Aber das Problem stellt sich angesichts der Produktionsbedingungen und Ernährungsgewohnheiten in Deutschland nicht." Fertiggerichte, Brot, Wurst, Käse und Milchprodukte enthalten alle reichlich Kochsalz. "Bluthochdruckpatienten sollten nach wie vor Salz meiden oder nur sparsam verwenden. Dies gilt auch für Patienten mit Herzinsuffizienz. Menschen mit normalem Blutdruck müssen weniger auf ihren Salzkonsum achten", resümiert Weber.

Quelle: The Lancet (abstract), JAMA/APA

Bildquelle: APA/GEORG HOCHMUTH

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