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Arztbild der Zukunft : Spitalsärzte stellen sich Herausforderungen

Arztbild der Zukunft : Spitalsärzte stellen sich Herausforderungen

Die längst überfällige Verkürzung der Arbeitszeit macht sich stark bemerkbar, gerade jetzt im Sommer“, sagte ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Harald Mayer. „Die vielfältigen Herausforderungen sind vor allem in den Sommermonaten spürbar: Ärzte und Pflegepersonal sind im Urlaub, die Ambulanzen werden noch stärker frequentiert als sonst. Dazu kommen die ohnehin schon vorhandene Arbeitsverdichtung oder auch alte Problembereiche wie überbordende Administration“, umriss Mayer den Ist-Zustand in den heimischen Spitälern. Die maximal zulässige durchgehende Dienstdauer wurde auf 25 Stunden beschränkt. „Wir wissen aus einer aktuellen Umfrage, dass die Kolleginnen und Kollegen diese Entwicklung sehr begrüßen. 

Dennoch bedeutet eine verkürzte Arbeitszeit nicht, dass wir automatisch weniger zu tun haben. Die Patienten werden ja nicht weniger und müssen versorgt werden“, führte Mayer aus. In kürzerer Zeit müsse dieselbe Leistung erbracht werden wie vorher. Dadurch steige der Druck, es komme zur Arbeitsverdichtung und einem erhöhten Burn-Out-Risiko. 


Ebenfalls belastend: die überbordende Bürokratie in Österreichs Spitälern. Mayer: „Wir fordern seit Jahren eine Entbürokratisierung unseres Berufes und die Auslagerung administrativer Tätigkeiten an Administrationsassistenten. Geschehen ist bisher nichts.“ Die Bundeskurie habe daher eine Initiative zur Entbürokratisierung gestartet.

Via E-Mail:  buerokratieabbau@aerztekammer.at können Spitalsärztinnen und -ärzte dabei Vorschläge einbringen, um den Prozess der Entbürokratisierung voranzutreiben.

Die Forderungen betreffen zum Beispiel zusätzliches Verwaltungspersonal, um Ärzte bei administrativen Tätigkeiten wie elektronische Entlassung oder Dokumentation zu entlasten. Allgemein werde kritisiert, dass ständig neue Programme und Systeme eingeführt werden und sehr viel Zeit für Bürokratie aufgewendet werden müsse.  

Die demografische Entwicklung bringe ein weiteres Phänomen mit sich, auf das die Kurie seit Jahren verweise: Immer mehr Frauen ergreifen den ärztlichen Beruf. „Bei den angehenden Allgemeinmedizinern haben wir mittlerweile einen Frauenanteil von 73 Prozent, bei den angehenden Fachärzten sind es 60 Prozent.


Auch dieser Entwicklung müssen wir Rechnung tragen“, zeigte Mayer auf. Dazu komme, dass junge Ärzte – Männer wie Frauen –vermehrt auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance pochten und nicht mehr gewillt seien, ihr Privatleben dem Beruf komplett unterzuordnen. „Beide Geschlechter möchten Familien gründen, beide möchten in Karenz gehen, beide möchten ihre Kinder aufwachsen sehen. 

Das erfordert entsprechende Strukturen, etwa Kinderbetreuung im Spital oder flexiblere Arbeitszeiten“, sagte der Bundeskurienobmann. 

Ambulanzen immer öfter Lückenbüßer für Versorgungsmangel 

Last but not least seien die nach wie vor überlaufenen Ambulanzen ein gravierendes Problem. Mayer: „Die Patienten sind aus zeitlichen Gründen oft auf die Spitäler angewiesen, speziell zu den Tagesrandzeiten bzw. am Wochenende. Viele sehen in Spitälern und ihren Ambulanzen auch nach wie vor ein ‚All inclusive-Package‘ und möchten trotz langer Wartezeiten alles auf einmal abklären lassen. Dadurch werden die Ambulanzen zum Lückenbüßer für den Versorgungsmangel.“ Auch hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.

"Die zukünftige Ärztegeneration braucht Perspektiven, die man jetzt schon schaffen muss, wenn man die Besten im Lande behalten möchte. Dazu gehören vor allem abgeflachte Hierarchien und neue Strukturen."brachte es Dr. Mayer präzise auf den Punkt.

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