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Therapieresistentes Prostatakarzinom kann an einem Biomarker erkannt werden

Therapieresistentes Prostatakarzinom kann an einem Biomarker erkannt werden

Genmutation als neuer Ansatzpunkt für die Behandlung von Prostatakrebs


Bei manchen Prostatakrebs-Patienten greifen die derzeit verwendeten Therapien nicht. Eine internationale Forschergruppe, darunter Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), fanden jetzt heraus, dass eine besonders häufige genetische Veränderung, der Verlust von CHD1, die betroffenen Tumorzellen für bestimmte Therapieformen empfindlich macht. Dies eröffnet die Möglichkeit, Veränderungen am Gen CHD1 als Biomarker für eine gezielte Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs zu nutzen. Die Ergebnisse wurden in "EMBO reports" veröffentlicht.

Das CHD1-Gen ist in 15 bis 27 Prozent aller Prostatatumore mutiert. Eine solche Mutation bedeutet für die Patienten häufig, dass der Tumor besonders aggressiv wächst. Die Forscher entdeckten nun, dass Zellen mit verringerten Mengen an CHD1-Protein kaum in der Lage sind, Schäden an ihrem Erbgut zu reparieren. Das deutet darauf hin, dass das CHD1-Protein die DNA um Bruchstellen herum auflockert und damit den Zugang von Reparaturproteinen ermöglicht. Wenn das CHD1-Protein aufgrund des Gendefektes fehlt, bleiben die Bruchstellen für den Reparaturmechanismus unzugänglich.

Chance im Hinblick auf die Behandlung

Ein solcher Reparaturdefekt kann dazu führen, dass weitere Mutationen und Veränderungen des Tumorerbguts entstehen und der Tumor noch aggressiver wächst. Laut den Studienautoren bedeutet er aber auch eine Chance im Hinblick auf die Behandlung. Denn Prostatakrebszellen mit wenig CHD1-Protein erwiesen sich als besonders empfindlich gegenüber Chemotherapeutika, die DNA-Brüche verursachen.

"Noch sind dies Befunde aus der Grundlagenforschung. Aber die Medizin ist sehr daran interessiert, gemeinsam mit uns die Befunde in die klinische Anwendung zu führen. Wir stehen dazu bereits mit einem Pharmaunternehmen in Kontakt", erklärt Studienleiter Steven Johnsen.

Quelle: EMBO reports (abstract)/APA

Bildquelle: umg/Johnsen

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