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ESMO: Viele Patienten in Europa können sich neue Krebstherapien nicht leisten

ESMO: Viele Patienten in Europa können sich neue Krebstherapien nicht leisten

ESMO: Viele Patienten in Europa kommen laut einer Studie nicht an innovative Medikamente heran


Immun- und zielgerichtete Therapeutika verändern nachhaltig den Anspruch der Onkologen, auch fortgeschrittene Krebserkrankungen zunehmend zu chronischen Leiden zu machen. Über Erfolge dabei wurde jetzt beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) in Kopenhagen (7. bis 11. Oktober) berichtet. Doch viele Kranke in Europa können aus finanziellen Gründen davon nicht profitieren.

"Jedes Jahr wird in Europa mehr als 5.000 Patienten mit metastasiertem Melanom der Zugang zu neuen und lebensrettenden Medikamenten versagt", fasste die ESMO das Ergebnis einer europaweiten Studie zusammen. Beim fortgeschrittenen Melanom lag bis vor fünf Jahren die Ein-Jahres-Überlebensrate nur bei zehn Prozent. "Heute haben wir Arzneimittel, welche das Überleben länger als 18 Monate gewährleisten. Es gibt Berichte über eine bis zu zehn Jahre anhaltende Wirkung", sagte Lidija Kandolf-Sekulic, Melanomspezialistin aus Belgrad.

Die Studie zeigte, dass in Westeuropa 70 Prozent der Melanompatienten mit innovativen Medikamenten behandelt wurden, wie dies den aktuellen europäischen Leitlinien entspricht. In Osteuropa waren es weniger als zehn Prozent. Die Gründe liegen eindeutig in der mangelnden Bereitschaft im Gesundheitswesen vieler Staaten, die neuen Therapien zu bezahlen. So sind Medikamente zur Behandlung von Melanomen, welche Mutationen im BRAF- und/oder MEK-Gen aufweisen, in 70 Prozent der westeuropäischen Staaten zugelassen. Die Kosten werden in 58 Prozent der Länder voll erstattet. In Osteuropa gibt es in 42 Prozent der Länder eine Zulassung, eine Kostenerstattung nur in 18 Prozent.

Die Verweigerung von Therapien aus offenkundigen Kostengründen ist extrem benachteiligend. Für die Patienten sind solche Reglements undurchschaubar. Oft laufen solche Strategien unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit. Die Pharmaindustrie verweist bei den Preisen für die neuen Arzneimittel auf die Forschungs- und Entwicklungskosten sowie auf deren Nutzen.

Doch die Preise sind offenbar in der Lage, die Verwendung außerhalb einer "Millionärsmedizin" zu gefährden. Martin Röcken, Dermatologe aus Tübingen, hat erst vor wenigen Tagen beim Europäischen Dermatologenkongress in Wien zu den Ausgaben in der Dermato-Onkologie festgestellt: "Das kostet pro Patient 200.000 bis 250.000 Euro." Eine Ausdehnung der modernsten Therapien auf
häufigere Krebserkrankungen als das Melanom erscheint ihm nahezu unfinanzierbar.

Quelle: ESMO, European Journal of Cancer (pdf), Annals of Oncology/APA

Bildquelle: APA/dpa/Patrick Pleul

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