Dr. Wanke über Atemwegserkrankungen mit Hustenbeschwerden
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24.10.16
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Dr. Wanke über Atemwegserkrankungen mit Hustenbeschwerden

Dr. Wanke über Atemwegserkrankungen mit Hustenbeschwerden

Vom Symptom zur Therapie in der Ordination - die problemorientierte, individualisierte Behandlung von PatientInnen ist nur auf Basis eines fundierten und aktuellen Wissensstandes möglich.

Sämtliche wichtige pulmologische Fragestellungen, die sich in jeder Ordination ergeben können, wurden am 2. Wiener Lungentag abgeklärt und besprochen. Praxisgerecht wurden alltägliche aber auch sehr spezielle Themen abgehandelt. Neben den vielen interessanten Vorträgen, konnte man seine Fertigkeiten in den fünf Praxisseminarenvertiefen und erweitern.

Univ.-Doz. Dr. Theodor Wanke erläuterte die Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Hustens. Als nachgeschalteter Reflex ist der Husten ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers, um die Atemwege von fremden Substanzen zu reinigen. Er ist aber auch Überträger verschiedenster Bakterien und Viren. Der Husten ist meist ein Leitsymptom unterschiedlichster Erkrankungen und volkswirtschaftlich bedeutsam. Allein in den USA werden 30 Millionen Arztbesuche pro Jahr wegen Atemwegserkrankungen mit Hustenbeschwerden verzeichnet.

Dr. Wanke betonte mehrfach, dass es keine randomisierten Studien für die Leitlinien des Hustens gibt und es sich hier lediglich um helfende Richtlinien handelt und es auch nicht seine persönliche Meinung widerspiegelt. Die Reihenfolge der Untersuchungsmethoden ist nicht nur entscheidend für das Nutzen/Risiko-Verhältnis, sondern trägt auch zur Kostenminimierung bei. Daher ist eine Differenzierung in akuten und chronischen Husten, mit einer Grenze von acht Wochen, der erste Schritt für das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen.

Meist ist ein Husten viral bedingt und der gelb-grüne Auswurf ist kein eindeutiges Zeichen für eine bakterielle Infektion. Eine vorzeitige Gabe von Antibiotika sei also nicht nötig. Bei postinfektiösem Husten müssen die Medikamente als Ursache ebenfalls in Betracht gezogen werden.  Auch ein Absetzen von ACE-Hemmern, die vorwiegend in der Therapie des Bluthochdruckes und der chronischen Herzinsuffizienz eingesetzt werden, kann Abhilfe schaffen. Der Husten sollte in diesem Fall in einem Zeitraum von vier Tagen bis drei Wochen abklingen.

Hält der Husten nach acht Wochen immer noch an, sollte nicht zuletzt auch an ein Cough-variant Asthma – Husten als Asthmaäquivalent – gedacht werden. Charakteristisch hierbei ist eine normale Lungenfunktion, normale Atemwegssymptomatik und eine unspezifische bronchiale Hyperreagibilität. Einziges Symptom ist ein chronischer, trockener Husten. Auch wenn die Behandlungsoptionen noch umstritten sind, haben sich Medikamente hier als sehr wirkungsvoll erwiesen. Handelt es sich um Irritationen des oberen Atemtraktes sollte frühzeitig zu einem HNO-Spezialisten überwiesen werden.

Dr. Wanke wies auch darauf hin, dass ein chronisch-idiopathischer Husten keine Seltenheit ist und nicht auf ein Versagen des Arztes deutet. So bleibt trotz differenziertem diagnostischen Vorgehen und spezifischen therapeutischen Maßnahmen bei ca. 10-40% der HustenpatientInnen die Ursache ungeklärt.

Quelle: Erster Vortrag vom 2. Wiener Lungentag, am 22.10.2016

Fotos: CredoWeb

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