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Diabetes Typ 1: Warum Betazellen zerstört werden

Diabetes Typ 1: Warum Betazellen zerstört werden

Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München haben einen Mechanismus geklärt, wie bei Diabetes Typ 1 das Immunsystem den Angriff auf die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse vorbereitet. Durch einen gezielten Eingriff konnte der Prozess gehemmt werden. In einem Artikel in "PNAS" hoffen die Studienautoren, dadurch neue Therapien etablieren zu können.

"Wir konnten erstmals zeigen, dass bei betroffenen Kindern zu Beginn der Autoimmunreaktion eine erhöhte Anzahl von speziellen Immunzellen im Blut zu finden ist", so Studienleiterin Carolin Daniel. Den Autoren zufolge handelt es sich bei den Immunzellen um Insulin-spezifische, follikuläre T-Helferzellen (TFH). Sie kommen unter anderem in den Lymphknoten vor und leiten Angriffe des Immunsystems ein, indem sie die Produktion von Antikörpern durch die B-Zellen fördern. Nun fanden die Wissenschaftler sie vermehrt in Proben von Kinder mit einer Inselzellautoimmunität (Frühstadium Diabetes Typ 1).

Auf der Suche nach den Ursachen für den plötzlichen Anstieg der TFH-Zellen wurde jetzt ein bisher unbekannter Signalweg gefunden.

"Die Analysen ergaben, dass das Molekül miRNA92a den Anstoß für eine Kette von molekularen Ereignissen gibt, an deren Ende der Anstieg dieser Immunzellen steht", erklärt Erstautorin Isabelle Serr. "Auf dem Weg dorthin verhindert miRNA92a vor allem, dass wichtige Signalproteine wie KLF2 und PTEN gebildet werden."

Um zu überprüfen, ob sich dieser Mechanismus zur therapeutischen Einflussnahme eignet, wurde die Wirkung eines antagomir (Molekül, das spezifisch an miRNA92a bindet) untersucht und gezielt blockiert. In einem Versuchsmodell von Typ-1-Diabetes und im humanisierten Modell führte diese Behandlung zu einer deutlich geringeren Autoimmunreaktion.

"Die gezielte Inhibierung von miRNA92a oder des nachgeschalteten Signalweges könnten neue Möglichkeiten für die Prävention von Typ-1-Diabetes eröffnen", meint Annette Ziegler, ebenfalls Studienleiterin.

Quelle: PNAS/APA

Bildquelle: shutterstock

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