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Neu auftretende Infektionskrankheiten: Herausforderungen und Prävention

Neu auftretende Infektionskrankheiten: Herausforderungen und Prävention

Bei der Eröffnungssitzung von IMED 2016 in Wien, die zwischen 4. und 7.11.2016 stattfand, äußerte sich als erster Vortragender Professor Albert Osterhaus, Virologe aus den Niederlanden, zur Problematik neu auftretender Infektionen.


Die internationale Konferenz IMED 2016 (International Meeting on Emerging Diseases and Surveillance), die zwischen 4. und 7. November in Wien stattfand, widmete sich der Übertragung, Prävention und Überwachung von neu auftretenden Infektionskrankheiten und Epidemien. Der

Prof. Albert Osterhaus

Kongress wurde mit dem Vortrag von Professor Albert Osterhaus, Leiter des Instituts für Virologie an der Erasmus Universität Rotterdam, eröffnet. Prof. Osterhaus sprach über die Gesundheitsbedrohungen durch Ebola, Zika, Vogelgrippe sowie durch bestimmte Formen von Virusenzephalitis und über die Möglichkeiten zur Prävention.

Neu auftretende Infektionskrankheiten kennen keine Grenzen

Infektionskrankheiten wie etwa AIDS, das Anfang der 80-er Jahre als eigenständige Krankheit erkannt wurde, haben auch im letzten Jahrhundert die Gesellschaft vor große Herausforderungen gestellt. Obwohl Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von neuen Pandemien mittlerweile weitgehend besser sind, kommt es heute so oft wie nie zuvor zu neuen Viruserkrankungen, die alle nationalen und regionalen Grenzen überschreiten –  sodass man heute von einem Überschwappen („spillover“) der globalen Epidemien redet.

Seit 2005 verbreitet sich die Vogelgrippe, die durch das Influenza-A/H5N1-Virus verursacht wird, in verschiedenen Teilen der Welt. Der westafrikanische Ebola-Ausbruch entwickelte sich zu einer globalen Krisensituation und durch Zecken übertragene und durch Viren hervorgerufene Gehirnentzündungen, die unter dem englischen Begriff „tick-borne encephalitis“ zusammengefasst

Kleine Mücke - große Gefahr

werden, sind eine globale Gefahr, da manchmal zu Beginn keine Krankheitszeichen auftreten, die Infektion allerdings auch einen tödlichen Verlauf nehmen kann. 2015 tauchte das Zika-Virus auf, das besonders für schwangere Frauen fatale Folgen haben kann. Der Frage welche Faktoren den Ausbruch von neu auftretenden Infektionskrankheiten begünstigen ging Prof. Albert Osterhaus in seinem Vortrag nach.

 

Vom Land in die Stadt: die Risiken der Globalisierung

Neben den vielen Chancen gibt es auch mehrere Risiken, welche die globalisierte, sich ständig veränderte Welt birgt. Global auftretende Infektionskrankheiten von Mensch und Tier sind durch eine komplexe Mischung prädisponierender Faktoren der globalisierten Welt gekennzeichnet und mit den markanten sozialen, gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen (ungünstige Klimaveränderungen und komplexe Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Umwelt) eng verbunden. Somit werden günstige Bedingungen für Viren geschaffen, Mensch und Tier zu infizieren und sich an neue „Gastgeber“ anzupassen, was wiederum den Weg für die beispiellose Verbreitung von Infektionen mit ernstzunehmenden Folgen für Mensch und Tier, Nahrngsmittelversorgung, Wirtschaft und biologische Vielfalt bahnt.

Aufgrund der Komplexität der beeinflussenden Faktoren ist daher unmöglich vorherzusagen, welcher der nächste Krankheitserreger sein wird, wo und wann er ausbrechen und welche Organismen er schlagen wird. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse kann allerdings zu Prognosen führen, die die Vorbereitung auf Ausbrüche verbessern würden. Besonders die rechtzeitige Herstellung von Impfstoffen, die sowohl auf bekannte als auch auf unbekannte Viren anwendbar sind, kann zu einer adäquaten Reaktionsbereitschaft beitragen.

One-Health-Ansatz gegen Infektionserkrankungen

Prof. Osterhaus unterstrich die Rolle des interdisziplinären, ganzheitlichen One-Health-Ansatzes, der sich mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Mensch, Tier, Umwelt und neu auftretenden Infektionskrankheiten befasst und die enge Zusammenarbeit der im öffentlichen Gesundheits- und Veterinärwesen tätigen Berufsgruppen erfordert. Die internationale wissenschaftliche Kooperation solle sich besonders auf die Entwicklung von Strategien zur rapiden Identifizierung von neu auftretenden Viren sowie zur Entwicklung von Impfstoffen als Präventionsmaßnahmen fokussieren.

Dabei sind laut Prof. Osterhaus viel mehr Investitionen in Forschung auf dem Gebiet notwendig, da nur so effektive Präventionsmaßnahmen eingerichtet werden und Langzeitlösungen im nie endenden Kampf gegen Infektionskrankheiten der Menschheit erzielt werden können. Last but not least spielt auch der Beziehungsaufbau zwischen Wissenschaftlern und Medien eine relevante Rolle im öffentlichen Diskurs zum Thema.

Bildquellen: Titelbild: Bacteria Copyright: © fotoliaxrender-Fotolia.com; Bild Prof. Albert Osterhaus: Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft; 

 

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