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IMED 2016: Hackathon förderte kreative Lösungen im Bereich der Infektionskrankheiten

IMED 2016: Hackathon förderte kreative Lösungen im Bereich der Infektionskrankheiten

Als Highlight der diesjährigen internationalen Konferenz über neue Infektionserkrankungen und deren Überwachung, IMED 2016, galt der sogenannte Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“) für Innovationen im Gesundheitswesen, der heuer zum ersten Mal stattfand.

Hackathon: kreative Lösungen gemeinsam finden

Vor Beginn der IMED 2016 trafen sich funktionsübergreifende Teams – Ärzte und Experten des öffentlichen Gesundheitswesens, IT-Entwickler, Techniker etc. – um während des Hackathons innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes an praxisorientierten Lösungen an den Schnittstellen von Klimawandel, Migration, Technologie, Medizin sowie Sozialökonomie zu arbeiten. Ziel dabei war es, das Gesundheitswesen mit der notwendigen Informationstechnologie zu verknüpfen, um Ausbrüche neuauftretender Infektionskrankheiten zu prognostizieren und zu analysieren. Kleingruppen von etwa vier bis fünf Personen, die von Start-up-Gründern und Unternehmern unterstützt wurden, versuchten Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektionserkrankungen zu verzeichnen. Anschließend wurden Prototyp-Projekte während der IMED 2016 vorgestellt.

 

Florian Rohrer

Florian Rohrer, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Epidemiologie an der Medizinischen Universität Wien und Teilnehmer am Hackathon empfindet die Initiative als „unglaublich wertvoll, da Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen kennen zu lernen in jeder Hinsicht nur Vorteile haben kann“. Networking, also der Aufbau und die Pflege von persönlichen und beruflichen Kontakten, findet der junge Forscher besonders wichtig, da dadurch unter anderem Kreativität gefördert wird und Innovationen sich anschließend tatsächlich den Weg bahnen können:

Kreative Ideen und erfolgreiche Unternehmen entstehen oft auf diese Weise – indem unter Zeitdruck Lösungen präsentiert werden sollen.

Das Projekt, an welchem Florian Rohrer teilnimmt, beschäftigt sich mit den Hindernissen, die bezüglich der Masernimpfung bestehen, indem sich die Initiative besonders an junge bzw. werdende Mütter richtet, mit dem Ziel eine Veränderung der Wahrnehmung zu initiieren.

Der Hintergrund: Masernimpfung als Auslöser von Autismus?

Das Projekt hat zum Hintergrund die kontroverse Debatte rund um die Masernimpfung und die seit Jahren kursierenden Spekulationen, dass der Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Autismus auslösen könne, die auf eine 1998 veröffentlichte Studie, welche ein erhöhtes Risiko durch die MMR-Impfung zeigte, zurückgehen. Obwohl später (2010) diese Studie aus verschiedenen Gründen wie etwa unethische Forschungsmethoden und Fehler bei den Ergebnissen zurückgezogen wurde und weitere Forschungen beweisen konnten, dass die Masernimpfung das Risiko für Autismus nicht steigert, bleibt das Vertrauen gegenüber dem Impfstoff eher gering – besonders Eltern, die schon ein autistisches Kind haben, verzichten bei weiteren Kindern auf die MMR-Impfung. Diese Einstellung will das Projekt Measles Sucks einigermaßen beeinflussen, um Eltern davon zu überzeugen, dass die MMR-Impfung eigentlich wichtig ist, da sie vor eventuellen Masernkomplikationen, die auch tödlich ausgehen können, schützen kann.

„Champions of change“ setzen sich für Masernimpfen ein

Eine Minute Zeit, um ein Problem – ohne vorgefertigte Lösungsvorschläge – vor Teilnehmern aus der ganzen Welt vorzustellen. Zwei Tage Zeit, um in Kleingruppen Ideen zu praxisorientierten Lösungen zu entwickeln. Nach diesen Vorgaben arbeitete das Team von Florian Rohrer, das eine Kampagne zur Masernimpfung umsetzen will. Zielgruppe sind besonders junge bzw. werdende Mütter, aber auch Kinderärzte sowie bspw. Volksschullehrer, die im Laufe der Initiative angesprochen werden, um mit den Vorteilen einer Masernimpfung vertraut zu werden. Das soziale Projekt ist nicht nach einem „one-size-fits-all“-Prinzip gestaltet, sondern arbeitet mit konkreten Beispielen und einzelnen Personen, die von den Forschern „champions of change“ genannt werden. Das sind prominente bzw. einflussreiche Personen, die mittels verschiedenen persönlichen Geschichten, die Idee des Projekts öffentlich bekannt machen. Dabei wurden die Forscher im Rahmen des Hackathons aufgerufen „nicht nur bei der Idee zu bleiben, sondern auch einen genauen Businessplan vorzulegen und eine konkrete Umsetzung vorzuschlagen“, so Rohrer.

Am Ende des Hackathons wurden von einer Jury Preise verliehen – den ersten, mit 1.500 US-Dollar dotierten Preis („Elsevier Grand Prize“), gewann das Projekt Footprint, welches sich mit der Reduzierung von ökologischer Übernutzung auseinandersetzt. Das Projekt zur Masernimpfung Measles Sucks gewann Arbeitsplätze im sektor5 co-working space in Wien.

Mehr zur Masernimpfung

*Die Fragen stellte Christina Kolin / Text: Simona Ganeva

Bildquelle: Florian Rohrer-Bild: Zentrum für Public Health der MedUni Wien

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