Digitale Medizintechnik: Deutsche sind positiv eingestellt
22.11.16
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Digitale Medizintechnik: Deutsche sind positiv eingestellt

Digitale Medizintechnik: Deutsche sind positiv eingestellt

Laut einer Umfrage können sich sogar 90 Prozent der Befragten vorstellen, sich im Notfall ein digitales Implantat einsetzen zu lassen

Digitale Prothesen und interaktive Implantate gewinnen in der Medizintechnik zusehends an Bedeutung. Der Forschungsaufwand und -bedarf nimmt daher auch zu. Insgesamt sehen das die deutschen Bundesbürger positiv, wie eine forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zeigt. Demnach halten 84 Prozent der Befragten die Forschung auf diesem Gebiet für wichtig. 90 Prozent könnten sich sogar vorstellen, sich bei einer schwerwiegenden Erkrankung ein digitales Implantat einsetzen zu lassen.

78 Prozent der Deutschen finden es auch sinnvoll, wenn in Zukunft häufiger digitale Technologien für die medizinische Behandlung von weit verbreiteten Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma eingesetzt würden. Etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Befragten könnten sich vorstellen, ihre selbst ermittelten Gesundheits- oder Fitnessdaten auch an ihren Arzt oder Physiotherapeuten weiterzugeben. Erst 44 Prozent wären bereit, Routineuntersuchungen bei ihrem Hausarzt auch per Videotelefonie vornehmen zu lassen.

Wissenschaftler von INOPRO forschen an intelligenten Prothesen und Orthesen

In Deutschland sollen mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Kliniken in zwei Innovationsclustern zur interaktiven Medizintechnik in den nächsten fünf Jahren innovative digitale Medizinprodukte entwickelt werden. Die Wissenschaftler von INOPRO forschen an intelligenten Prothesen und Orthesen, die sich aktiv auf die Bedürfnisse des Menschen einstellen können und eine intuitive Kommunikation ermöglichen. Ein Fokus der Arbeiten wird dabei auf fühlenden Prothesen liegen, die Berührungen erfassen und entsprechende Tastsignale an die Patienten weitergeben können.

Die Forscherteams des Clusters INTAKT wiederum arbeiten an neuen interaktiven Mikroimplantaten. Sie sollen etwa einen Tinnitus durch eine gezielte neuromuskuläre Stimulation unterdrücken, die Therapie von Funktionsstörungen des Verdauungstrakts unterstützen oder Greiffunktionen der Hand wieder herstellen. Eine zentrale Anforderung an die neuen Produkte ist der lebenslange Verbleib der Implantate im Körper. Optimale Biokompatibilität, hohe Betriebssicherheit und stabile Energieversorgung sind hier dietechnischen Herausforderungen.

"Interaktive Medizintechnologien helfen Menschen nach einer Krankheit, einem Unfall oder im hohen Alter dabei, wieder ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen. Wir müssen bei allem wünschenswerten technischen Fortschritt aber darauf achten, dass gerade im Medizinbereich die Digitalisierung mit einem hohen Maß an Datenschutz und mit leichter Handhabung für Menschen jeden Alters verbunden ist. Darauf richten wir unsere Forschung aus", so Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Quelle: Umfrage (pdf)/APA

Bildquelle: Hochschule Pforzheim/C. Rieth

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