Vasektomie – Sterilisation beim Mann
Vasektomie – Sterilisation beim Mann
Vasektomie – Sterilisation beim Mann
28.11.16
Dr. Erik Randall Huber
Dr. Erik Randall Huber
Arzt
Vasektomie – Sterilisation beim Mann

Vasektomie – Sterilisation beim Mann

Für viele ist sie die perfekte Empfängnisverhütung für den Mann, für andere ein immer noch von Mythen umrankter Eingriff . Über Vorteile einer Sterilisation beim Mann und den Sex danach.

Vasektomie rasch, sicher und schmerzlos - Dr. Erik Randall Huber spricht mit Mag. Angelika Vötsch-Rosenauer über die Vorteile einer Sterilisation beim Mann. Ein weiteres Interview unter dem Titel "Sexualmedizin - hinaus aus der Tabuzone" beleuchtet das Thema sexuelle Gesundheit. 

Was passiert bei einer Vasektomie?

Dr. Randall Huber:  Die Vasektomie ist ein einfacher, ambulanter Eingriff zur dauerhaften Verhütung. Bei der Vasektomie werden die Samenleiter durchtrennt und so verhindert, dass Samenzellen beim “Samenerguss” abgegeben werden. Das Ejakulat enthält dann nur mehr die Flüssigkeiten aus Samenblase und Prostata, unterscheidet sich aber äußerlich nicht vom normalen Samenerguss.

Bei vielen Männern löst der Gedanke an eine Sterilisation Unbehagen oder Ängste aus, wie sehen Sie das?

Dr. Randall Huber: Es ist erschreckend, wie viele Mythen zur Vasektomie noch immer existieren. „Das Männer nachher keine Potenz mehr hätten, dass sie keinen Samenerguss mehr hätten, nicht mehr männlich wären“ – all diese Vorurteile bewirken, dass viele Männer sehr zurückhaltend sind, was diesen Eingriff betrifft. Obwohl dieser nicht länger als 15 Minuten dauert und bei Lokalanästhesie, komplett schmerzfrei verläuft. Es gibt so gut wie keine Komplikationen.

Der Vorteil danach: Die Frau muss keine Hormone mehr nehmen. Es sterben jedes Jahr zahlreiche Frauen, weil Sie die Pille einnehmen, aber bis heute ist noch nie ist ein Mann gestorben, weil er sich vasektomieren ließ. Und dies muss man sich mal vor Augen führen, was es für Frauen bedeutet, nicht mehr alleine für die Verhütung zuständig zu sein. In unserer Praxis ist es uns wichtig, dass wir den Mythen über die Vasektomie bei Männern entgegenwirken und Frauen entlasten.

Es gibt also noch nicht sehr viele Männer, die sich für eine Vasektomie entscheiden?

Dr. Randall Huber: Weltweit entscheiden sich immer mehr Männer für eine Vasektomie als Empfängnisverhütung. Besonders in Ländern mit modernen, emanzipierten Gesellschaften wie in Skandinavien oder in Großbritannien sind bereits 15 % der Männer vasektomiert. In Österreich sind es lediglich 2 %. Das ist schade, insbesondere für Paare, deren Kinderwunsch abgeschlossen ist und eine Verhütung weiterhin über die Frau erfolgt.

Wirkt sich eine Vasketomie auf die Sexualität aus?

Dr. Randall Huber: Es gibt eine sehr gute Arbeit von der österreichischen Gesellschaft für Andrologie, in der wir zeigen konnten, dass die sexuelle Zufriedenheit beim Mann nach einer Vasektomie gleich bleibt bis ansteigt und bei der Frau interessanterweise sogar stark ansteigt. Das heißt die Frau profitiert enorm von der Vasektomie des Mannes, wahrscheinlich, weil sie die Pille nicht mehr nehmen muss und weil sie natürlich auch befreiteren Sex haben kann. Daher ist die Vasektomie aus meiner Sicht ein wichtiger Teil der Sexualmedizin.

Ändert sich etwas an der Potenz des Mannes?

Dr. Randall Huber:  Der Hormonhaushalt des Mannes wird durch den Eingriff nicht gestört. Die Vasektomie hat keinerlei  körperliche Auswirkungen auf die Versteifung des männlichen Gliedes (Erektionsfähigkeit) und auf den Samenerguss (Ejakulation). Die Samenflüssigkeit ohne Samenfäden (Spermien) unterscheidet sich nicht im Aussehen und nur geringfügig (ca. 5%) in der Menge von der Samenflüssigkeit mit Spermien.

Wie wird die Sterilisation beim Mann durchgeführt?

Dr. Randall Huber: Ich führe den Eingriff in der modernen „no scalpel“ Technik durch. Dabei wird unter Schonung der Blutgefäße und ohne dem Einsatz eines Skalpels der Samenleiter links und rechts am Hodensack durchtrennt. Dies gelingt durch den Einsatz speziell entwickelter Instrumente, bei der das Gewebe nur auseinander gedrängt wird. Dadurch ist schon wenige Wochen nach dem Eingriff praktisch keine Narbe sichtbar.

Für wen ist eine Vasektomie geeignet?

Dr. Randall Huber: Männer, mit abgeschlossenem Kinderwunsch, über 25, können in Österreich eine Vasektomie durchführen lassen.

Kann man eine Vasektomie rückgängig machen?

Dr. Randall Huber: Die Vasektomie kommt nur dann in Frage, wenn man einen abgeschlossenen Kinderwunsch hat. Die Samenleiter können prinzipiell zwar durch eine mikrochirurgische Operation wieder vereinigt werden, aber der Zeitabstand zwischen Sterilisation und der Wiederherstellung der Samenleiter ist entscheidend für die Chance, die Funktionstüchtigkeit der Samenleiter wiederherzustellen. Eine 100%-ige Sicherheit gibt es nicht.

Ab wann kann man wieder Geschlechtsverkehr haben, ohne zu verhüten?

Dr. Randall Huber: Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist nach einer Vasektomie möglich, sobald sich keine Samenzellen mehr im Samenerguss befinden. Dies wird durch eine mikroskopische Untersuchung in meiner Ordination festgestellt. Üblicherweise ist dies 12 Wochen nach der Unterbindung der Fall. Mann sollte dabei unbedingt bedenken, dass die Vasektomie nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützt!

Wie hoch sind die Kosten für eine Vasektomie?

Dr. Randall Huber: Die Kosten belaufen sich auf 600 €. Darin enthalten sind der Eingriff in örtlicher Betäubung sowie die Prämedikation. Das Spermiogramm (Analyse des Samenerguss) zur Sicherstelllung der Unfruchtbarkeit nach dem Eingriff erhalten Sie zu einem reduzierten Preis um 40€ (statt 90€). Vergleichsweise kommt es wesentlich teurer, wenn eine Frau über mehrere Jahre hindurch die Pille nimmt.

Fotos: www.urologenzentrum.at

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