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Herzinsuffizienz und Kaliumhaushalt: Neues Medikament macht Therapie besser verträglich

Herzinsuffizienz und Kaliumhaushalt: Neues Medikament macht Therapie besser verträglich

Medikamentöse Therapien und eine zusätzliche Nierenschwäche lassen den Kalium-Spiegel von Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten oft in lebensbedrohliche Höhen steigen

 

Ein neues Medikament eröffnet neue Behandlungsperspektiven für Menschen, die unter einer Herzschwäche leiden. Ihr Kaliumhaushalt ist oft außer Balance. Der Großteil der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten leidet unter Kaliummangel (Hypokaliämie), was für die rhythmische Aktivierung des Herzens nachteilig ist. Ganz anders sieht es aber aus, wenn die Betroffenen zusätzlich mit einer gestörten Nierenfunktion zu kämpfen haben. Dann wird der Kaliumspiegel schnell zu hoch (Hyperkaliämie).

„Bei einer Nierenerkrankung kann das Kalium im Blut nur vermindert mit dem Urin ausgeschieden werden“, sagt Univ. Doz. Dr. Martin Hülsmann (Universitätsklinik für Innere Medizin II, AKH Wien/), der das 17. Consensus Meeting der AG Herzinsuffizienz am 21. Jänner 2017 in Wien organisiert.

Das Zuviel an Kalium verändert die Erregbarkeit der Schrittmacher- und Herzmuskelzellen, was den Herzrhythmus ungünstig beeinflusst. Dies kann zu bösartigen Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand (plötzlicher Herztod) führen.

 

Leiden nur fünf bis sechs Prozent der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten mit normaler Nierenfunktion an einem Kaliumüberschuss, so verdoppelt sich die Zahl, sobald sich die Nierenfunktion verschlechtert. „Zu einem großen Problem wird es dann, wenn wir die Medikamente einsetzen wollen, die den Herzinsuffizienz-Patienten eigentlich helfen sollten“, sagt Doz. Hülsmann. Denn auch bestimmte Mittel, die zur Behandlung von Herzinsuffizienz geeignet wären, können den Kaliumspiegel in gefährliche Höhen treiben. „Das führt dazu, dass wir zwischen 30 bis 40 Prozent der Herzinsuffizienz-Betroffenen keine geeignete medikamentöse Basistherapie anbieten können“, berichtet Doz. Hülsmann.

 

Patiromer als neue Therapieoption

 

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde das neue Substanz Patiromer[1] 2015 von der amerikanischen FDA zugelassen. Es bindet Kalium im Darm und tauscht es gegen Kalzium aus, das Kalium wird ausgeschieden. Damit kann die Hyperkaliämie bei Nierenerkrankungen gut behandelt werden. Untersuchungen an 300 bis 400 Patientinnen und Patienten belegten, dass Patiromer auch in Verbindung mit den zur Behandlung der Herzinsuffizienz eingesetzten Mitteln wie RAAS- oder ACE-Hemmern den Kaliumspiegel senken kann. Auch wenn das neue Mittel mit den Aldosteronantagonisten Spironolacton oder Eplerenon verwendet wurde, zeigte sich dieser positive Effekt. „Immerhin konnten damit rund 80 Prozent der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten Aldosteronantagonisten problemlos einnehmen. Somit wurde erstmals die Wirksamkeit eines Kaliumspiegel-senkenden Mittels in Verbindung mit der Herzinsuffizienz-Therapie bewiesen“, sagt Doz. Hülsmann.

 

Medikamente besser verträglich machen

 

Rund 25 Prozent der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten, die eine schlechte Nierenfunktion haben und mit Spironolacton behandelt werden, weisen einen zu hohen Kaliumspiegel auf. Bis zu einem Drittel der Patientinnen und Patienten, welche einen ACE-Hemmer nicht vertragen , haben ebenfalls einen zu hohen Kaliumblutspiegel als Ursache.
Bisher gab es nur Möglichkeiten, den Kaliumspiegel kurzfristig zu senken. In der Langzeit-Therapie kann versucht werden, mit einer speziellen Ernährung Einfluss zu nehmen. „Diäten nutzen hier allerdings nur wenig und es gibt auch kaum Daten, die deren langfristige Wirksamkeit bestätigen. Man kann zwar die Medikamente der Basistherapie wieder absetzen – damit verschlechtert sich jedoch auch die Nierenfunktion und kurz danach entsteht wieder das gleiche Problem“, sagt Doz. Hülsmann.

 

Für die chronische Therapie gab es bislang nur das Mittel Resonium. „Das ist ein altes Medikament, das als Kalium-Natrium-Austauscher funktioniert. Wir wissen aber wenig über seine tatsächliche Wirksamkeit und seine Langzeitwirkung. Abgesehen davon, dass viele Patienten mit dem Geschmack dieses Mittels Probleme haben, hat es auch starke Nebenwirkungen. Rund ein Viertel der Patienten, die es einnahmen, klagten über Übelkeit, 40 Prozent hatten Verstopfung“, weiß Doz. Hülsmann. Das neue Medikament Patiromer zeigte auch deutlich weniger negative Nebenwirkungen. Mit seiner Zulassung in Europa ist im Laufe des Jahres 2017 zu rechnen.
 

Quelle: Bettschart&Kofler / Bildquelle: shutterstock

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