Den Tatsachen ins Auge sehen: Prädiabetes als Folge ungesunden Lebens
Den Tatsachen ins Auge sehen: Prädiabetes als Folge ungesunden Lebens
Den Tatsachen ins Auge sehen: Prädiabetes als Folge ungesunden Lebens
27.01.17
Dr. Franz Klemenschits
Dr. Franz Klemenschits
Arzt
Den Tatsachen ins Auge sehen: Prädiabetes als Folge ungesunden Lebens

Den Tatsachen ins Auge sehen: Prädiabetes als Folge ungesunden Lebens

Bewegungsmangel, Überernährung, ungenügende Flüssigkeitszufuhr – ein ungesunder Lebensstil per se kann zu den Erkrankungen des modernen Menschen sehr viel beitragen. Diese Faktoren gehören auch zu den Auslösern von Prädiabetes – eine Vorstufe des Diabetes, die oft schwer zu erkennen ist.

Was versteht man unter Prädiabetes?

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Diabetes (Diabetes mellitus), bei welcher der Körper aufgrund der geringen Muskelmasse die Glucosetoleranz nicht mehr so gut kompensieren kann. Dabei lagern sich vermehrt Fette in der Leber ein und im Zuge dessen entsteht die sogenannte

Mögliche Ursache für Diabetes: Übergewicht

Fettleber (Steatosis hepatis). Die Leberverfettungen werden unter anderem durch Überernährung sowie allgemein durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt.

Wie manifestiert sich die Erkrankung?

Meistens sind es sehr schleichende Symptome wie etwa Müdigkeit und Durstigkeit, die die Erkrankung kennzeichnen, allerdings wenn sie schon in einer fortgeschrittenen Phase bzw. ausgeprägt ist. Allerdings verursacht Prädiabetes zunächst keine Symptome, sondern wird meist als Zufallsbefund bei Untersuchungen, Blutabnahmen bei Infektionskrankheiten etc. festgestellt. Die Blutzuckerwerte liegen bei Prädiabetes unter dem Diabetes-Schwellenwert, allerdings schon über dem Normalwert und der Körper reagiert auf eine genormte Zufuhr von Zucker mit einem gestörten Glucosestoffwechsel.

Wie wird diese Diabetes-Vorstufe behandelt?

Es gibt sehr viele Medikamente und neue Substanzen zur Behandlung von Prädiabetes – manche davon scheiden beispielsweise den Zucker über den Harn aus, was sehr günstig ist. Zudem wird Prädiabetikern empfohlen ca. dreimal in der Woche Sport zu machen,

Eine Meile am Tag könnte
den Gang zum Arzt ersparen...

wobei als Grundregel gilt, dass die Bewegung ab einer Meile (entspricht 1.6 km) unserem Körper gut tut – unter einer Meile tut sich eigentlich gar nichts. Darüber hinaus ist ganz wichtig mehr Flüssigkeiten zu sich zu nehmen – wenn Menschen trachten würden mehr zu trinken, hätten wir wahrscheinlich bis zu 10 Prozent weniger Prädiabetiker. Und schließlich soll man auch mehr Muskelmasse aufbauen, um die Glucose günstig zu beeinflussen.

Wie läuft eine Untersuchung ab, um Prädiabetes zu diagnostizieren?

Zur Diagnostik von Diabetes und in diesem Sinne auch von Prädiabetes wird der orale Glucosetoleranz-Test durchgeführt, um somit festzustellen, ob eine Glucosetoleranzstörung vorhanden ist. Dabei wird zuerst der Nüchtern-Blutzuckerwert gemessen, zunächst trinkt der Patient 75g Glucoselösung (in Wasser gelöste Glucose) und anschließend wird zwei Stunden nach dem Zuckergabe der sogenannte 2-Stunden-Wert gemessen. Im Prinzip liegt der Blutzucker-Nüchternwert unter 100 mg/dl und der 2-Stunden/Wert unter 140 mg/dl. Sowohl ein erhöhter Nüchtern-Blutzuckerwert (Blutzuckerspiegel vor der Zuckergabe zwischen 100 und 125 mg/dl als auch ein erhöhter 2-Stunden-Wert (über 140 mg/dl, aber niedriger als 200 mg/dl) weisen auf eine gestörte Glucosetoleranz bzw. auf Prädiabetes hin. Werte, die sogar höher sind, gelten als Hinweis auf Diabetes hin.

Was sollen PatientInnen mit Prädiabetes beachten bzw. wie schwer ist es für Betroffene die Essgewohnheiten umzustellen?

Der Wille ist grundsätzlich da, allerdings sind PatientInnen in der Regel nicht bereit von ihren Gewohnheiten abzukehren. Zu den größten Verbrechen in diesem Sinne gehört meiner Meinung nach, dass man Kindern uneingeschränkt fructosehaltige Getränke gibt, in welchen sehr viel Zucker steckt.

Viel zu süß: Soft drinks lieber
im Regal liegen lassen.

Bei den älteren PatientInnen haben bspw. Energydrinks eine negative Wirkung, unter anderem weil sie den Durst fördern – dabei bekommt man statt ausreichend Flüssigkeit sehr viel Fructose bzw. Zucker, welchen der Körper verarbeiten muss. Der Verarbeitungsprozess erfolgt, indem alles in der Leber gespeichert wird, aber wenn die Speicher voll sind, legt sich die sog. Fettschürze an. Und auf der anderen Seite bewegen wir uns heutzutage viel zu wenig – wir leben in einer Welt, wo wir von der Haustür zur Haustür „transportiert“ werden, wodurch zahlreiche gesundheitliche Probleme begünstigt werden.

Grundsätzlich wird PatientInnen mit Prädiabetes empfohlen mehr Bewegung zu machen, mehr Flüssigkeiten zu sich zu nehmen sowie weniger zu rauchen, um die gestörte Glucosetoleranz im Griff zu kriegen. Was wiederum bedeutet, dass die Kombination Übergewicht, Bewegungsmangel, Nikotin ein toller Generator für diabetische Krankheiten ist.

 

Das Interview führte Christina Kolin / Redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva

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