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Entwicklungen moderner Krebstherapien – Beitrag des Comprehensive Cancer Center an der MedUni Wien und dem AKH

Entwicklungen moderner Krebstherapien – Beitrag des
Comprehensive Cancer Center an der MedUni Wien und dem AKH

Das Comprehensive Cancer Center (CCC) der Medizinischen
Universität Wien und des Allgemeinen Krankenhauses hat seit seiner Gründung im
Jahr 2010 bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Diese haben ihren Niederschlag in der
Etablierung von über 20 interdisziplinären Tumorboards sowie in der Gründung von
Wissenschaftsplattformen und klinisch-wissenschaftlichen Units
gefunden.

Das Comprehensive Cancer Center Wien der MedUni Wien und des AKH Wien vernetzt alle Berufsgruppen der MedUni Wien und des AKH Wien, die KrebspatientInnen behandeln, Krebserkrankungen erforschen und in der Lehre bzw. der Ausbildung in diesem Bereich aktiv sind. Wesentliche Pfeiler sind hierbei u.a. Tumorboards. Diese stellen die Basis interprofessioneller Therapieempfehlungen in der Onkologie dar und sind Schlüssel zu einer individuellen, bestmöglich abgestimmten Versorgung jeder einzelnen Patientin und jedes einzelnen Patienten unter Einschluss des Wissens aller, um die jeweilige Erkrankung sich rankenden, Disziplinen. Jährlich werden in den 21 CCC Tumorboards rund 7.500 Patienten besprochen.
Darüber hinaus kann das CCC nach wenigen Jahren seines Bestehens auf die Vorhaltung modernster Diagnose und Therapiemodalitäten wie der „personalisierten Medizin“ verweisen, in deren Rahmen bisher fast 300 Krebspatienten nach Ausschöpfung onkologischer Standardtherapien mit molekular gezielten Therapieoptionen behandelt worden sind. Wissenschaftlich ist das CCC in Hinblick auf die Zahl und die Qualität der Publikationen im Spitzenfeld der internationalen Onkologie angesiedelt. So wurden im Zeitraum 2010 bis
2015 von der MedUni Wien insgesamt 2.661 krebsbezogene Arbeiten publiziert, davon 599 mit CCC-Affiliation. Sowohl die Zahl der Publikationen als auch jene der Zitierungen zeigte in diesen Jahren eine starke und kontinuierliche Zunahme.

Translational research

Eine wesentliche Rolle spielen in der Onkologie derzeit Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft, die in die Klinik übersetzt werden können, oder aber auch solche, bei denen Beobachtungen aus der Klinik im Labor aufgearbeitet werden und dann zurück in die Klinik übersetzt werden können („translational research“). Die Medizinische Universität Wien hat sich diesem Translational Research verschrieben, indem sie nicht nur das Konzept als Schwerpunktthema vorantreibt, sondern in nächster Zukunft ein eigenes Gebäude für
„translational research“ errichten will. Nachdem die Krebsmedizin in diesem Zusammenhang eine sehr wichtige Disziplin darstellt, fühlt sich das CCC ganz besonders angesprochen, seine Aufgabe auf dem Gebiet des „translational research“ wahrzunehmen.

In diesem Sinn wurden bereits vor einigen wenigen Jahren „Units“ am CCC errichtet, die den Bogen zwischen der klinischen Versorgung von Patienten mit bestimmten Krebsarten, der klinischen Forschung und der Grundlagenforschung spannen sollen, und auch dementsprechend organisatorisch ausgestattet.

Beispiel ZNS-Tumor-Unit

Diese „Units“ haben diesen Auftrag sehr weitgehend wahrgenommen. Ein besonders gelungenes Beispiel für Translational Research stellt die „CNS Unit“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser dar. Unter ihrer maßgeblichen Beteiligung an der multinationalen Studie EORTC-1320-BTG werden beispielsweise neue Ansätze zur Behandlung von Meningiomen untersucht. Des Weiteren wurden neue Erkenntnisse über die Immunumgebung von Gliomen, das Grundprinzip der Immun-Check-Point-Regulation sowie therapeutische Ansätze gewonnen. Ein weiteres vielversprechendes Tätigkeitsfeld ist die Untersuchung von TDM1, einer bereits für Brustkrebs zugelassenen Substanz, bei Gehirnmetastasen.

Plattform für personalisierte Medizin

Ein weiteres Beispiel für die enorme Effizienz vernetzter Strukturen ist die Plattform für „personalisierte Medizin in der Onkologie“ (Molecular Diagnostics and Treatment in Oncology), die unter der Leitung von Prof. Gerald Prager (cc) in therapeutischer Hinsicht und den Profs. Müllauer und Streubel in diagnostischer Hinsicht steht. Sie bündelt die Expertise zur individualisierten Behandlung und fördert die Forschungsbemühungen auf diesem Gebiet. Durch die zusätzliche Einbindung der Bioinformatik in die Plattform, die Etablierung einer Biobank und die Durchführung von Translations-Studien kann die Plattform in Zukunft gegenüber Patienten, aber auch anderen wissenschaftlichen Einrichtungen im Bereich Präzisionsmedizin in der Onkologie als führende Einrichtung auftreten.

Zentrale Einrichtung der optimierten Plattform stellt das multidisziplinäre Tumorboard für Präzisionsmedizin dar. Ergebnisse molekularer Charakterisierung des einzelnen Tumors werden mit klinischen Daten des Patienten und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Zusammenhang gebracht. Neben der individualisierten Risikoeinschätzung der Erkrankung wird somit im Idealfall die optimale Therapie zum Nutzen der Patienten zugeschnitten. Die Expertise der Plattform wird im Rahmen des Hochschulauftrags an Studenten und Kollegen vermittelt.
Letztendlich wird das Konzept der Präzisionsmedizin nun noch effizienter umgesetzt, weil neue diagnostische Verfahren, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in das klinische Management von Patienten eingebracht werden können.

EXACT-Studie

Ein hervorragendes Beispiel für eine Translations-Studie ist die EXACT-Studie, die Ende 2013 am CCC gestartet wurde. Eingeschlossen werden Tumorpatienten, die mit allen etablierten Standardtherapien behandelt wurden und deren Erkrankung dennoch weiter fortschreitet, sowie Patienten, für die es keine wissenschaftliche Behandlungsstrategie gibt. Die Studie untersucht, ob es möglich ist, nach Biopsie mit Gewebeentnahme aus dem Tumor und molekularbiologischer Charakterisierung der Tumorzellen auf Basis der individuellen Tumoreigenschaften ein neues Medikament auszuwählen. Eine erste Zwischenauswertung liefert vielversprechende Ergebnisse: Bei manchen Patienten mit sonst kaum mehr behandelbarer Erkrankung gibt es einen deutlichen Therapieeffekt.

Zukunftsperspektiven

In Fortführung dieser Anfänge sollen in weiterer Folge nun eine Vielzahl solcher Konzepte durch die „Units“ und das Projekt einer Etablierung von „translational research“ am CCC als eine der wesentlichen Säulen in der Entwicklung wahrgenommen werden.

Text: Hennrich.PR – Agentur für Gesundheit & Kommunikation​​​​​​​Titelbild: Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Christoph Zielinski (© MedUni Wien)

redaktionelle Bearbeitung: Simona Ganeva

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