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Postoperative Schmerzen: Neue Studie zeigt Defizite schon bei der Messung -Medieninformation 16. Oesterr. Schmerzwochen

Postoperative Schmerzen: Neue Studie zeigt Defizite schon bei der Messung -Medieninformation 16. Oesterr. Schmerzwochen

Pressemitteilung zu den 16. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft


Wien, 2. Februar 2017 – Um Schmerzen effizient behandeln zu können, müssen sie zunächst erst einmal erkannt und gemessen werden. Das gilt in besonderem Maße auch für Schmerzen nach Operationen. „Eine Reihe von Faktoren und Ursachen sind mitbestimmend dafür, dass die Realität der perioperativen schmerztherapeutischen Versorgung in vielen Ländern, auch in Österreich, nach wie vor hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt“, heißt es im neuen Positionspapier der Österreichischen Schmerzgesellschaft „Perioperatives Schmerzmanagement“. „Unter anderem erweist sich die Erfassung, Dokumentation und damit auch die Wahrnehmung des Vorliegens postoperativer Schmerzen und der Schmerzintensitäten als Basis für Therapie-Entscheidungen oftmals als unzureichend“.

„Unsere, auch durch internationale Studien belegten, Erfahrungen zeigen, dass die systematische Schmerzerfassung und Dokumentation die Grundvoraussetzung für eine auf den individuellen Patienten abgestimmte Behandlung von Schmerzen nach Operationen ist“, betont ÖSG-Präsident OA Dr. Wolfgang Jaksch, Wilhelminenspital, Wien, aus Anlass der 16. Österreichischen Schmerzwochen.

Wie eine kürzlich im „International Journal of Nursing Studies“ veröffentlichte Studie zeigt, gibt es bei der Schmerzmessung erhebliche Defizite. In einer großangelegten holländischen Untersuchung wollten die Autoren herausfinden, wie systematisch postoperative Schmerzen nach der Implementierung eines staatlichen Sicherheitsprogramms erhoben werden. Dazu wurden die Daten von 3.895 Patienten aus 16 Krankenhäusern analysiert. 

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Bei nur 53 Prozent der Patienten wurden ihre Schmerzen in den drei Tagen nach der Operation zumindest einmal täglich erfragt und dokumentiert. Dreimal täglich geschah das in diesem Zeitraum gar nur in nur  zwölf Prozent der Fälle. Die nüchterne Conclusio der Autoren: „Unsere Arbeit hat gezeigt, dass die Implementierung der Schmerzerfassung immer noch unzureichend ist“.

Positive Motivation entscheidend

Mit der Größe des Krankenhauses, fanden die Studienautoren heraus, ließen sich die Unterschiede nicht erklären. Wie sich zeigte, korreliert die Konsequenz der Schmerzerfassung nicht mit der Bettenanzahl einer Einrichtung. Eher würden die hausinterne Prioritätensetzung und nicht zuletzt die Kultur einer Abteilung darüber entscheiden, wie bewusst oder ignorant mit Schmerzen umgegangen wird.

„Als besonders wichtig, um die Schmerzmessung und -dokumentation zu verbessern, erweist sich meiner Erfahrung nach positive Motivation“, weiß Dr. Jaksch. „So hat in unserem eigenen Haus beispielsweise ein Wettbewerb 2006 zwischen chirurgischen Abteilungen zum Thema ‚Schmerzarmes Krankenhaus‘, bei dem die Qualität der postoperativen Schmerztherapie einschließlich der Qualität der Dokumentation verglichen wurde, nachhaltig zu einer Optimierung der Schmerzmessung beigetragen. Selbst 10 Jahre danach erfolgte die regelmäßige Befragung und Dokumentation bei nahezu 90 Prozent aller postoperativen Patienten. Aufgrund dieses positiven Effekts wurde das Konzept auch von anderen Spitälern übernommen.“

Diese Erkenntnis sollten auch Budgetverantwortliche bei der Ausarbeitung ihrer Sparpläne berücksichtigen: Ein entscheidender Faktor war, wie viele Ressourcen für die intensive Betreuung der Patienten zur Verfügung standen. „Wo es an Personal und Zeit fehlt“, weiß auch ÖSG-Präsident Jaksch, „wird das perioperative Schmerzmanagement oft vernachlässigt. Damit wird aber in Kauf genommen, dass postoperative Schmerzen chronifizieren und in Zukunft ein noch höherer Betreuungsaufwand und noch höhere Kosten entstehen“.

2017 wurde von der Europäischen Schmerzföderation EFIC und der der International Association for the Study of Pain IASP zum „Jahr gegen den Schmerz nach Operationen“ erklärt. „Wir werden in diesem Jahr vieles unternehmen, um das Bewusstsein für eine bessere Versorgung des postoperativen Schmerzes zu steigern“, so ÖSG-Präsident Dr. Jaksch.

Quelle: J. Hoogervorst-Schilp et al.  Postoperative pain assessment in hospitalised patients: National survey and secondary data analysis International Journal of Nursing Studies 63 (2016) 124–131

Service:Eine Patientenbroschüre zum Thema („Schnell fit nach der Operation”) ist erhältlich. Kostenlos erhältlich über die Allianz Chronischer Schmerz Österreich, Tel.: 01 489 09 36 (Bürozeiten: Dienstag und Mittwoch 10 bis 12 Uhr) bzw. auf Anrufbeantworter; info@schmerz-allianz.at, www.schmerz-allianz.at. Unter www.oesg.at steht diese Patienteninformation ebenso wie die ÖSG-Patientenbroschüre „Schmerzen richtig behandeln“ auch zum Download zur Verfügung.

Bildquelle: shutterstock

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