Hochtontherapie bei Nervenschmerzen: Es müssen nicht immer Medikamente sein
02.02.17
Dr. Birgit Kofler
Dr. Birgit Kofler
Expertin
Hochtontherapie bei Nervenschmerzen: Es müssen nicht immer Medikamente sein

Hochtontherapie bei Nervenschmerzen: Es müssen nicht immer Medikamente sein

Pressemitteilung zu den 16. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft

Wien/Linz, 26. Jänner 2017 - Manchmal fühlt es sich an, als würde ein ganzer Ameisenstaat über die Haut krabbeln. Oder es schmerzt, als würden tausende von Nadeln gleichzeitig in Arme oder Beine stechen. Patienten, die an Polyneuropathien leiden, kennen diese Zustände. Allzu oft leidet die Lebensqualität darunter bis zum Lebensüberdruss.

"Wie Studien zeigen, können neben bewährten Medikamenten auch nichtmedikamentöse Verfahren wie etwa spezielle physiotherapeutische Maßnahmen oder die Hochton-Therapie solche Schmerzen lindern", so Prim. Dr. Daniela Gattringer, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz und Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft aus Anlass der 16. Österreichischen Schmerzwochen.

Wie etwa eine an Dialysepatienten mit medikamentenresistenter Neuropathie durchgeführte Studie zeigte, lässt sich mit einer dreimal die Woche durchgeführten Hochton-Therapie bereits nach drei Wochen eine signifikante Wirkung erzielen. Fast 70 Prozent der Patienten beschrieben eine subjektive Verbesserung ihrer Neuropathie-Symptome. Daneben kam es aber auch zu einer messbaren Verbesserung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit im Bereich der Elle. In den unteren Extremitäten konnten dagegen keine Verbesserungen nachgewiesen werden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine weitere in Deutschland und Rumänien durchgeführte Studie. Dabei wurden 25 Patienten mit schwerem Nierenversagen dreimal die Woche jeweils eine Stunde lang mit Hochtontherapie behandelt. Sechs und zwölf Wochen nach Beginn der Behandlung wurde die Lebensqualität und die Schmerzintensität evaluiert. Für beides konnte nach zwölf Wochen eine signifikante Verbesserung festgestellt werden.

Die größte Studie mit nahezu 100 Patienten, die in Folge eines Typ 2 Diabetes an Polyneuropathien litten, wurde bereits 2009 durchgeführt. Auch dabei zeigte sich bereits nach vier Wochen, dass 73 Prozent der Betroffenen über eine subjektive Verbesserung ihrer Symptome wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle aber auch Schmerzen und Schlafstörungen berichteten. Auffällig war, dass die Verbesserungen bei Patienten mit besonders starkem Brennen und starken Schlafstörungen am stärksten ausgeprägt waren.

"Für Patienten, die an oft unerträglichen Neuropathien leiden, kann die Hochtontherapie eine zweckmäßige Ergänzung des Behandlungsspektrums darstellen, weitere Studien wären wünschenswert", fasst Prim. Dr. Gattringer zusammen.

Quellen: Strempska B1, Bilinska M, Weyde W, Koszewicz M, Madziarska K, Golebiowski T, Klinger M.The effect of high-tone external muscle stimulation on symptoms and electrophysiological parameters of uremic peripheral neuropathy Clin Nephrol. 2013 Jan;79 Suppl 1:S24-7; Klassen A(1), Racasan S, Gherman-Caprioara M, Ku¨rner B, Blaser C, Bahner U, Heidland A. High-tone external muscle stimulation in endstage renal disease: effects on quality of life in patients with peripheral neuropathy. Clin Nephrol. 2013 Jan;79 Suppl 1:S28-33; Humpert PM1, Morcos M, Oikonomou D, Schaefer K, Hamann A, Bierhaus A, Schilling T, Nawroth PP. External electric muscle stimulation improves burning sensations and sleeping disturbances in patients with type 2 diabetes and symptomatic neuropathy.Pain Med. 2009 Mar;10(2):413-9.

Bildquelle: shutterstock

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