aHUS: Frühzeitig therapieren und Risiken individuell abschätzen
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20.02.17
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aHUS: Frühzeitig therapieren und Risiken individuell abschätzen

aHUS: Frühzeitig therapieren und Risiken individuell abschätzen

Zum 2. Lunch Symposium auf der 48. Jahrestagung der GPN lud die Firma Alexion zum Thema „aHUS: Frühzeitig therapieren und Risiken individuell abwägen“ ein. Unter der Leitung von Prof. Dr. Mache aus Graz diskutierten die renommierten Ärzte Prof. Dr Pape aus Hannover und Prof. Dr. Hoppe aus Berlin.

Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine Krankheit, bei der die Hämozyten in den Blutgefäßen zerstört werden. Charakteristisch ist neben einer mikroangiopathischen hämolytischen Anämie auch eine Thrombozytopenie und eine akute Nierenfunktionseinschränkung. Sie betrifft hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder und stellt somit die häufigste Ursache eines akuten, dialysepflichtigen Nierenversagens bei Kindern dar.

Prof. Dr. Pape zeigte, wie wichtig eine unverzügliche Differenzialdiagnose ist und wie entscheidend eine frühzeitige Therapie für die Prognose der aHUS-Patienten sein kann. Dabei gilt es aber umso mehr abzuklären, ob und um welche Form des HUS es sich handelt. Es gibt viele Formen der Mikroangiopathie, eine seltene ist die thrombotische Mikroangiopathie (TMA). Je nach Symptomatik unterscheidet man zwischen TTP und HUS. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist also zu unterscheiden, ob es sich um eine TTP oder HUS handelt.

Bei 90% aller HUS-Formen handelt es sich um STEC-HUS, welches von Shigatoxin-bildenden Bakterien (EHEC) verursacht wird. Dabei binden sich diese Bakterien an die Oberfläche von Darmepithelien und injizieren dabei ein Zellgift, welches die Darmepithelzellen zerstört und schwere Diarrhö verursacht. In weiterer Folge gelangt das Toxin über die Blutbahn zu den Nierenepithelzellen. Diese Bakterien können durch einen Shigatoxin-Test im Stuhl nachgewiesen werden.

Eine sehr seltene Unterform ist das komplement-vermittelte atypische HUS (aHUS). Bei dieser Form sind es genetische Defekte, die zu einer Dysfunktion des alternativen Komplementweges führen. Weitere Ursachen können auch bei Krebs, HIV oder Chemotherapie liegen. Daraus resultiert ein dauerhaftes Risiko für thrombotische Mikroangiopathien (TMA), wie HUS oder TTP (thrombotisch-thrombozytopenische Purpura). Neben einem akuten Nierenversagen, kann auch eine chronische Niereninsuffizienz die Folge sein.

Zur Diagnose aHUS kommt man also durch die klinischen Parameter einer TMA und durch Ausschluss einer TTP und STEC-HUS. Auch eine positive Familienanamnese kann sehr hilfreich sein und zusätzliche Hinweise bieten.

Prof. Dr. Hoppe stellte die Ergebnisse eines Papers („Alter bei Krankheitsbeginn, Nierenüberleben und extrarenale Komplikationen bei Patienten mit aHUS“) vor und führte einige kritische Überlegungen zur Therapiedauer an. Besteht der Verdacht auf aHUS empfehlen die Leitlinien unverzüglich den Therapiebeginn mit dem Komplementinhibitor Soliris. Durch Mutationsanalysen können Genmutationen erkannt und die Diagnose aHUS bestätigt werden. 30-50% der Patienten haben keine nachweisbare Genmutation, was jedoch ein aHUS nicht ausschließt.

Die Studie zeigte außerdem, dass Patienten mit CIF-Mutationen später an aHUS erkranken als andere. Mit einer MCP-Mutation treten die günstigsten renalen (die Niere betreffend) aHUS-Folgen auf. Bricht die Krankheit bereits im Kindesalter aus, tritt ein terminales Nierenversagen seltener auf als bei Patienten im Erwachsenenalter.

 

Quellen:

- Vortrag Prof. Dr. Pape und Prof. Dr. Hoppe (Jahrestagung der GPN)

- aHUS Report

- E. Schäfer, M. Konrad, L. Papa, U Vester, B Hope et al. "Alter bei Krankheitsbeginn, Nierenüberleben und extrarenale Komplikationen bei Patienten mit aHUS" 

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