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Rückenschmerzen: Bildgebung wird adäquat eingesetzt

Rückenschmerzen: Bildgebung wird adäquat eingesetzt

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) weisen Behauptungen des "Faktenchecks Rücken"
der Bertelsmann Stiftung zurück, wonach deutsche Ärzte bei Rückenschmerzen zu häufig mit übertriebener Diagnostik reagieren würden. Sie verweisen dabei auf Zahlen der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Kreuzschmerz, Versorgungsdaten aus Arztpraxen in Baden-Württemberg und Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Demnach werden bildgebende Verfahren bei der Diagnostik bei Rückenschmerzpatienten angemessen eingesetzt.

Laut einer Stellungnahme in "Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten" haben die beiden Beufsverbände die Bertelsmann-Studie analysiert. Demnach ist die Anzahl von Behandlungsfällen mit der Diagnose Kreuzschmerz nach aktuellen Angaben der KBV in den Jahren 2010 bis 2015 von 41 Millionen auf 45 Millionen gestiegen. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Behandlungsfälle mit bildgebender Diagnostik von knapp 2,8 Millionen auf 2,2 Millionen. Bei weniger als 5 Prozent der Fälle wird derzeit nach Erkenntnissen der KBV überhaupt noch eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule vorgenommen.

"Bei genauerer Analyse ist eine gravierende Überversorgung von Rückenschmerzpatienten im Hinblick auf bildgebende Verfahren nicht zu belegen", sagt BVOU-Präsident Johannes Flechtenmacher.

Im "Faktencheck Rücken" wird außerdem davon ausgegangen, dass nur
15 Prozent der Rückenschmerzen spezifische Ursachen haben. Jedoch deuten der NVL zufolge neuere Studien darauf hin, dass es 15 bis 45 Prozent sind. Diese Einstufung hat wesentliche Folgen für das weitere leitliniengerechte Vorgehen. Beim Verdacht auf einen spezifischen Rückenschmerz wird regelmäßig Bildgebung eingesetzt, beim Verdacht auf einen nicht-spezifischen Rückenschmerz ist diese zunächst nicht angebracht.

Dass viele Patienten mit Rückenschmerzen offenbar übertriebene Erwartungen in bildgebende Diagnostik setzen, nehmen die beiden Verbände ernst. Mehr Information, aber auch mehr Patientenschulungen und weitere Angebote zur Stärkung des patientenindividuellen, wirkungsvollen Umgangs mit Rückenschmerzen scheinen notwendig zu sein.

Quelle: Faktencheck Rücken, NVL Kreuzschmerz

Bildquelle: shutterstock
 

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