Artikel

Scheideninfektion richtig erkennen und behandeln

Scheideninfektion richtig erkennen und behandeln

Bakterielle Vaginose

Eine bakterielle Vaginose lässt sich durch mikroskopieren diagnostizieren und wird mithilfe von Antibiotika behandelt. Allerdings verabschieden sich durch Antibiotika auch die „guten“ Bakterien, die Laktobazillen. So haben Pilze und ähnliche Keime erst recht die Möglichkeit sich ungehemmt zu vermehren. Pilzinfektionen sind daher häufig die Folge einer Antibiotikatherapie. „Ich sehe bei Erstgesprächen oft wahre Bücher von angehäuften Befundberichten aus zahlreichen Untersuchungen mit darin empfohlener Antibiotikatherapie gegen eigentlich vaginal unbedeutende Bakterien“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Armin Witt, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien und Gründer des Akutservices „Gyninfekt“:

Das Problem ist, dass Bakterien durch häufiges Einnehmen von Antibiotika Resistenzmechanismen entwickeln.

Es entwickeln sich entweder resistentere Stämme, die viel schwieriger durch speziellere Antibiotika therapiert werden müssen, oder gewisse Bakterien können sich aufgrund des Fehlens seiner Kontrahenten plötzlich vermehren. Ein Wiederaufbau der Scheidenflora mit Laktobazillen ist nach jeder Antibiotika-Einnahme dringend anzuraten!“

Pilzinfektion

Die vulvovaginale Candidose (VVC, Scheidenpilz, Soor, Mykose) ist mit einer Inzidenzrate von 70 bis 75 Prozent nach der bakteriellen Vaginose die zweithäufigste Vaginalinfektion. Die wesentlichen Symptome sind Juckreiz, Brennen, eine Rötung der Scheide, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, sowie ein weißlicher, geruchsarmer, bröckeliger Ausfluss. Der Haupterreger ist Candida albicans (85-90%), es kommen aber auch andere Vertreter wie C. glabrata, C. krusei, C. tropicalis oder C. parapsilosis vor. Candida glabrata stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar, da er häufig gegenüber den mesiten Pilzmedikamenten resistent ist.
Bei 40 – 50 Prozent kommt es zu einer wiederholten Infektion. Etwa fünf Prozent leiden an einer Rezidivierenden Vulvovaginalen Candidose (RVVC). Diese ist definiert durch das Auftreten von zumindest vier Episoden pro Jahr und sollte immer mittels Kultur differentialdiagnostisch analysiert werden. Die Diagnostik ist ein wesentlicher Schritt und sollte eigentlich immer durch das Mikroskop, nativ oder nach GRAM-Färbung, erfolgen. Das Mikroskop wird zur Diagnose viel zu selten angewendet, die Therapie erfolgt zumeist nur aufgrund der geschilderten Beschwerden. Allerdings ist aus Studien bekannt, dass die Diagnose ausschließlich aufgrund der Klinik bzw. durch alleinige Spiegeluntersuchung in 50 Prozent zu einer falschen Behandlung führt!
Die Therapie erfolgt üblicherweise durch lokal oder systemisch wirksame Medikamente. In letzter Zeit zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Therapie in Kapselform. Alternativ gibt es am Markt eine Reihe von topischen (lokalen) Präparaten, deren Anwendungsdauer meist zwischen 10 und 14 Tagen beträgt.

Laktobazillenmangel

Im Optimalzustand herrscht in der Scheide ein saures Klima mit einem pH-Wert zwischen 3,8 und 4,5. Viele Faktoren, wie Antibiotikatherapien, hormonelle Umstellungen, mechanische Überreizung oder übertriebene Intimhygiene können eine Veränderung des normalen Scheidenmilieus verursachen. Liegt der pH-Wert in der Scheide über 4,5 – verursacht durch ein Mangel an milchsäurebildenden Bakterien – sogenannten Laktobazillen -, können sich Pilze oder schlechte Bakterien gut vermehren. Die zwangsläufige Folge: Ein vermehrtes Auftreten von Scheiden- und Pilzinfektionen. Zum Einsatz kommen Antibiotika oder Antimykotika, beide Behandlungen initiieren einen weiteren Verlust an milchsäurenbildenden Bakterien in der Scheide. Ein echter Teufelskreis!


Vorbeugen mit Laktobazillen

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, fragen viele Frauen Dr. Google. Und finden im Netz die merkwürdigsten Tipps: Frau soll sich in Naturjoghurt getauchte Tampons oder Knoblauchzehen in die Scheide einführen, um Entzündungen vorzubeugen oder zu lindern, die Scheide mit Essigwasser spülen, mit Teebaumöl einreiben und, und, und. Fakt ist: „Diese Maßnahmen sind bisweilen sogar kontraproduktiv. Da wiederkehrende Infekte in den meisten Fällen ein Laktobazillenmangel zugrunde liegt, gehört zu den ersten vorbeugenden Maßnahmen eine Kur mit milchsäurebildenden Bakterien. Allerdings nicht mit Bakterien aus dem Joghurt, sondern mit standardisierten, speziellen Scheidenkapseln“, Univ.-Prof. Dr. Armin Witt. Die Wirkung? „Diese nützlichen Bakterien – zum Beispiel aus dem Stamm Casei Rhamnosus – vermehren sich, sorgen für ein saures Klima in der Scheide und sind in der Lage an der Schleimhaut anzuhaften, sich dort zu vermehren und sie mit einem schützenden, lückenlosen Biofilm zu überziehen. Somit haben schlechte Keime und Pilze keine Chance sich festzusetzen“, erklärt Prof. Witt das Wirkprinzip der Laktobazillen.


Vorbeugen ist besser als heilen: Wertvolle Tipps, damit Scheideninfektionen keine Chance haben!

  • Normale Intimhygiene: Gynäkologen raten dringend von übermäßiger Intimhygiene ab. Die normale Reinigung des äußeren Intimbereiches mit warmem Wasser und einem sanften pH-neutralen Waschschaum ist vollkommen ausreichend.
  • Vorsicht auf fremden Toiletten: Im öffentlichen Bereich weiß man nie, wer vor einem die Toilette benützt hat. Wenn man akrobatische Toilettenkunststücke vermeiden möchte, empfehlen sich Desinfektionstücher für die Handtasche, mit denen man das WC vor der Benützung reinigt. (Achtung! Desinfektionsmittel unbedingt trocken werden lassen!)
  • Öffentliche Wäscheschleudern meiden: Jeder kennt sie: Die kleinen Wäscheschleudern, die in öffentlichen Bädern zum Vortrocknen der Badebekleidung zur Verfügung stehen. Sie sind ein wahres Eldorado für Mikroorganismen und damit eine Infektionsquelle, die man auf alle Fälle meiden sollte.
  • Naturbadeteich oder Meer statt Chlorwasser: Wer empfindlich ist und zu Scheideninfektionen neigt, ist besser beraten, in natürlichem Wasser zu baden, denn Chlor greift die Scheidenflora an und mindert ihre Schutzfunktion. Andererseits: Nicht oder unzureichend desinfiziertes Wasser ist ein Tummelplatz für Pilzsporen und Bakterien – nichts für Frauen mit häufigen Scheideninfektionen. Die beste Alternative ist es daher, im Naturbadeteich oder Meer zu schwimmen.​​​​​​​
  • Milchsäurebakterien vorbeugend verwenden: Experten empfehlen empfindlichen Frauen vor einem Schwimmbadbesuch vorbeugend die Anwendung einer Scheidenkapsel mit Milchsäurebakterien. Bei besonders starker Infektanfälligkeit ist diese vorbeugende Maßnahme auch längerfristig sinnvoll, etwa über die ganze Badesaison hinweg.

Weitere Tipps und Infos zum Thema

Text: Hennrich.PR – Agentur für Gesundheit & Kommunikation;

Kommentare