Kinderwunsch, Unfruchtbarkeit, Reproduktion


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Weltweit wünschen sich Millionen Menschen Nachwuchs, doch der Kinderwunsch bleibt immer häufiger unerfüllt. Die Gründe für eine Unfruchtbarkeit können beim Mann, bei der Frau oder bei beiden Partnern liegen. Hier bekommen Sie Antworten zu den häufigsten Ursachen der Unfruchtbarkeit und Informationen zu den vielfältigen Behandlungsmethoden, welche die Reproduktionsmedizin inzwischen anbietet.

 

Wenn die Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum ausbleibt, kann das verschiedene Ursachen haben. Fortgeschrittenes Alter, diverse (chronische) Erkrankungen, hormonelle Störungen, aber auch ungesunde Lebensgewohnheiten (Rauchen, Unter- bzw. Übergewicht, übermäßiger Alkoholgenuss, Drogenkonsum etc.) können die Fertilität beeinflussen. Häufig steckt hinter ungewollter Kinderlosigkeit nicht nur ein Grund, sondern es ist ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren dafür verantwortlich.

Was ist Unfruchtbarkeit?

Von Unfruchtbarkeit oder primärer Sterilität ist die Rede, wenn es trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht zur Schwangerschaft kommt. Eine andere Form der Fruchtlosigkeit ist die sog. sekundäre Sterilität, bei welcher nach einer Schwangerschaft das Paar kein zweites Kind zeugen kann. Wenn die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch nicht genau geklärt sind, spricht man von einer idiopathischen Sterilität. Bei bis zu 30 Prozent der Paare bleiben die Ursachen für die Fruchtlosigkeit unklar. Laut WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) ist von einer Unfruchtbarkeit erst dann auszugehen, wenn nach einem Jahr regelmäßigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt.

Was ist der Unterschied zwischen Sterilität und Infertilität?

Unter Sterilität wird die Zeugungsunfähigkeit verstanden, während eine Infertilität dann vorliegt, wenn es zur Zeugung kommt, doch die Schwangerschaft immer zu einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt führt.

Warum werde ich nicht schwanger?
Unfruchtbarkeit kann gleichermaßen an der Frau, als auch am Mann liegen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fruchtlosigkeit?

Hinter einer Kinderlosigkeit stecken sehr häufig kombinierte Ursachen – in über 50 Prozent der Fälle sind Männer ursächlich teilweise mitbeteiligt, wobei suboptimale Spermiogramme meist auf Hodenentzündungen bei Kinderkrankheiten sowie bspw. auf Hodenhochstand bzw. Pendelhoden, aber auch z.B. auf eine eingeschränkte Samenqualität hinweisen. Bei den jungen Frauen sind hingegen Störungen des Hormonhaushalts in erster Linie für die Fruchtlosigkeit verantwortlich. Bei älteren Frauen kommen neben einem fortgeschrittenen Alter organische Gründe wie etwa Myome, Veränderungen an der Gebärmutter, Endometriose, Eileiterfunktionsstörungen nach Eileiterentzündungen etc. mit ins Spiel.

 

Häufigste Ursachen bei Männern:

 

  • Gestörte Spermienproduktion: dahinter können bspw. Hodenhochstand oder Krampfadern des Hodens (Varikozele), eine Hodenentzündung nach Mumps, aber auch medizinische Therapien wie etwa Chemotherapie oder Bestrahlung stecken;
  • Eingeschränkte Samenqualität: Mittlerweile besagen diverse Untersuchungen, dass in den letzten zwanzig Jahren v.a. in den Industrieländern die Spermienqualität um 50% zurückgegangen ist, was auf zahlreiche Faktoren wie diverse Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Stress etc. zurückzuführen ist;
  • Beeinträchtigte Hodenfunktion: verschiedene Hoden-Infektionen können eine Hodenfehlfunktion begünstigen, aber auch bspw. übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, Medikamenteneinnahme etc. können einen negativen Einfluss haben;
  • Verschluss der Samenwege, wodurch die Spermien nicht transportiert werden können;
  • Hormonelle Störungen: eine gestörte Testosteronproduktion, aber auch eine Prolaktinstörung können die Samenproduktion u.a. nachhaltig stören;
  • Errektionsstörungen (erektile Dysfunktion);
  • Infektion mit Chlamydien, welche durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden und u.a. eine Prostataentzündung (Prostatitis) auslösen können;
  • Immunologische Sterilität: Produktion von Antikörpern gegen die eigenen Samenzellen;
  • Psychische Gründe: bewirken indirekt eine Sterilität;
  • Lebensstilfaktoren: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Drogenkonsum, Umweltfaktoren können die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Erfahren Sie in diesem Interview mit Dr. med. univ. Olivia Krammer-Pojer mehr über die dramatische Abnahme der Spermienqualität und wie man(n) sie beeinflussen kann:

 

 

Häufigste Ursachen bei Frauen:

 

  • Hormonelle Störungen: in erster Linie eine Schilddrüsenfehlfunktion, ein gestörter Insulinstoffwechsel, das PCO-Syndrom (Syndrom der polyzystischen Ovarien), ein fehlender Eisprung, eine vorzeitige Menopause, ein erhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin, ein Mangel an den Hormonen FSH und LH, welche für die Eizellenreifung direkt verantwortlich sind sowie Störungen bei der Bildung des Gelbkörperhormons, das für die Einnistung eines Embryos in der Gebärmutter wichtig ist, können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen;
  • Infektion mit Chlamydien: eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen, die bei Frauen u.a. einen Eileiterverschluss verursachen kann;
  • Bestehende Endometriose: insbesondere bei schwereren Formen dieser häufig auftretenden gynäkologischen Frauenkrankheit kann es zur Unfruchtbarkeit kommen;
  • Eileiter- oder Eierstockentzündungen, Eierstockzysten, Verklebungen und Verwachsungen der Eileiter: die Verbindung zwischen dem Eierstock und der Gebärmutter ist durch verschiedene Infektionen oder Erkrankungen blockiert, wodurch der Transport der Eizelle in der Gebärmutterhöhle nicht möglich ist;
  • Fehlbildungen der Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke: hier unterscheiden MedizinerInnen zwischen angeborenen Gebärmuttergeschwulsten, die genetisch bedingt wachsen und erst später auftretenden Störungen wie etwa Myome oder Polypen, wobei die Wahrschenlichkeit für Fehlbildungen mit zunehmendem Alter deutlich steigt;
  • Myome: gutartige Muskeltumore, welche sich oft in der Gebärmutter oder im Gebärmutterhals bilden; diese können zu Blockaden in den Eileitern führen und die Einnistung des Embryos verhindern;
  • Fortschreitendes Alter: das Alter der Frau ist ein wichtiger Faktor und Indikator für ihre Fruchtbarkeit. Sobald eine Frau 30-35 Jahre alt ist, beginnt ihre Fruchtbarkeit zu sinken;
  • Immunologische Ursachen: Bildung von Antikörpern gegen Samenzellen;
  • Psychische Faktoren: beeinflussen indirekt die Erfüllung des Kinderwunsches;
  • Ungesunder Lebensstil: Müdigkeit und Stress, Nikotinkonsum, Über- bzw. Untergewicht, exzessiver Sport können die Fortpflanzungsfähigkeit negativ beeinflussen.

Welche sind die Hauptgründe für ungewollte Kinderlosigkeit? Kurz und einfach von Dr. Alexander Schütz erklärt:

 

Fertilitätsabklärung: bin ich unfruchtbar?

Bei ca. 85% der Paare, die Kinderwunsch haben und regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, tritt in einem Jahr eine Schwangerschaft ein. Wenn Sie nicht dazu gehören, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass ein Problem besteht und Sie zur Abklärung gehen sollten. Der ertse Schritt bei Verdacht auf Fruchtlosigkeit ist, den Ursachen auf die Spur zu gehen. Der richtige Ansprechpartner dabei ist der Frauenarzt, der nach einer ärztlichen Untersuchung verschiedene Methoden vorschlagen kann, damit der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

 

Wenn eine Frau schwanger werden möchte, aber nach längerer Zeit keine Schwangerschaft zustande kommt, sind nach einem Erstgespräch vorerst folgende Schritte nötig:

 

  • Körperliche Untersuchung (Abtasten der Fortpflanzungsorgane);
  • Gynäkologische Ultraschall-Untersuchung, um die Gebärmuttergesundheit zu kontrollieren und ggf. Veränderungen in der Gebärmutterschleimhaut zu beobachten;
  • Eileiterdurchgängigkeit überprüfen: hierzu kommen die Verfahren der Hysterosalpingographie (HSG), der Hysterosalpingokontrastsonographie (HSKS) oder der Laproskopie (Bauchspiegelung) zum Einsatz;
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie), um Veränderungen der Gebärmutter zu erkennen;
  • Zyklusmonitoring: den Eisprungtermin bestimmen (kontrollieren, ob und wann er stattfindet);
  • Hormonstatus untersuchen, um festzustellen, ob ein hormonelles Ungleichgewicht als Ursache für die Unfruchtbarkeit in Frage kommt.
Beim Frauenarzt

 

Um die Fruchtbarkeit von Männern bei einem unerfüllten Kinderwunsch zu prüfen, sind nach einer allgemeinen Anamnese verschiedene Methoden der Fertilitätsdiagnostik sinnvoll:

 

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten der äußeren Geschlechtsorgane und der Leistenregion, die Becken und Oberschenkeln verbindet;
  • Urologische Untersuchung mit Ultraschall: Sonographie der Nieren, Blase und Hoden;
  • Spermiogramm: mikroskopische und laborchemische Untersuchung der Samenzellen nach Abgabe einer Samenprobe, um die Anzahl und die Qualität der Samenzellen zu bestimmen;
  • Hormondiagnostik: Bestimmung der Sexualhormone nach Blutabnahme, um festzustellen, ob eine hormonelle Störung vorliegt oder nicht.
Spermiogramm
Das Spermiogram ist die zentrale Untersuchung der Fruchtbarkeit beim Mann.

Ungewollte Kinderlosigkeit: wann zur Untersuchung?

Wie oft sollte ich Geschlechtsverkehr haben?
Durch regelmäßigen Sex erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft

Stellt sich trotz ungeschütztem, regelmäßigem Geschlechtsverkehr (mindestens zweimal pro Woche) innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein, sollten beide Partner auf jeden Fall mögliche Ursachen im Rahmen eines beratenden Gesprächs mit einem Spezialisten für Reproduktionsmedizin abklären lassen. Eine genaue und schnelle Diagnostik von Fertilitätsstörungen stellt die Basis für eine gezielte Kinderwunschbehandlung dar. Die meisten Untersuchungen, um die Ursachen einer möglichen Fruchtbarkeitsstörung herauszufinden, sind risikoarm, dennoch ist es ratsam, sich vor Beginn der Untersuchungen über die verschiedenen diagnostischen Verfahren, die zur Verfügung stehen sowie über die Risiken jeder Methode zu informieren. Ratsuchende Paare sollten sich an erster Stelle medizinisch und menschlich optimal betreut fühlen.

Ich werde nicht schwanger: was kann ich tun?

Die Chance für eine Schwangerschaft kann eine reproduktionsmedizinische Therapie sein. Dabei steht eine Reihe verschiedener Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – welches Verfahren im individuellen Fall geeignet ist, muss jedenfalls zunächst einmal im Rahmen der Fertilitätsdiagnostik geklärt werden.

Die gängisten therapeutischen Verfahren der Fortpflanzungsmedizin sind:

 

  • Zyklusbeobachtung: mittels Ultraschallüberwachungen und Untersuchung der Hormone im Blut wird der ideale Zeitpunkt für eine Befruchtung durch den behandelnden Gynäkologen bestimmt;
  • Hormontherapie: Sind hormonelle Störungen für die Unfruchtbarkeit verantwortlich, besteht die Möglichkeit zur Normalisierung des Hormonhaushaltes durch eine Hormontherapie (hormonelle Stimulation), welche den Zyklusablauf (Eizellproduktion, Eizellenreifung, Eisprung) unterstützen soll. Die Hormontherapie bei Kinderwunsch funktioniert, indem fruchtbarkeitsfördernde Hormonpräparate wie Clomifen, das follikelstiumilierende Hormon (FSH) oder das humane Menopausengonadotropin (HMG) unter ärztlicher Überwachung in Form von Tabletten oder Sprizten verabreicht werden. Meist beginnt die Hormonbehandlung drei Tage nach Einsetzen der Menstruation. Die hormonelle Stimulation wird von einer regelmäßigen ärztlichen Überprüfung durch Ultraschall und Blutuntersuchungen begleitet, um den Therapieerfolg zu kontrollieren. Häufig sind mehrere Zyklen notwendig, um das Ziel zu erreichen. Nach etwa vier bis sechs erfolglosen Behandlungen kommt meist eine künstliche Befruchtung in Frage, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Auch Männer können von Hormonstörungen betroffen sein – dabei wird meist mit Präparaten mit Testosteron behandelt;
  • IUI (Intrauterine Insemination): Bei der Insemination wird zum Zeitpunkt des hormonell ausgelösten Eisprungs vom männlichen Partner Sperma gewonnen. Im Labor wird das Ejakulat in einem Röhrchen auf ein spezielles Filtersystem aufgetragen, zentrifugiert und gewaschen. Somit gewinnt man nur die aktiven und intakten Spermien. Andere Bestandteile des Ejakulats werden verworfen. Mit einer Spritze und einem Katheter werden die vorbereiteten Samenzellen direkt über den Muttermund und den Gebärmutterhals hinweg in die Gebärmutterhöhle eingebracht und schwimmen sofort allein in Richtung Eileiter. Ziel ist es, für möglichst viele leistungsfähige Spermien den Weg zur befruchtungsfähigen Eizelle zu verkürzen. Durch die vorherige Aufbereitung sind die Samenzellen schneller und die Spermienköpfchen haben sich schon auf die Befruchtung vorbereitet;
  • IVF (In-vitro-Fertilisation, Befruchtung im Glas): Bei dieser Methode werden die Eierstöcke zunächst mit Hormonen stimuliert, sodass sie mehrere Eibläschen bilden, wodurch sich die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft steigern sollen. Noch vor dem Eisprung, angeregt durch die Gabe eines weiteren Hormons, erfolgt unter Narkose die Punktion der Follikel. Die so gewonnenen Eizellen werden im Labor mit zuvor gereinigten und konzentrierten Spermien im Reagenzglass zusammengeführt, d.h. die Befruchtung erfolgt außerhalb des Körpers. Dabei wird eine Samenzelle von vielen den Weg in die Eizelle finden. Ist dies geschehen, wird ein herangereifter Embryo in einem Katheter in die Gebärmutterhöhle übertragen, wo er sich in die Gebärmutterschleimhaut einnisten soll. Allerdings ist die IVF eine komplexe und aufwendige Methode, die die Patientin körperlich und psychisch stark belasten kann. Nicht bei jedem Versuch nistet sich der Embryo in der Gebärmutter einstatistisch liegt die Chance, mit Hilfe einer IVF-Behandlung schwanger zu werden, bei rund 30 Prozent, doch die Schwangerschaftsrate kann von Faktoren wie etwa das Alter des Paares, bestehende chronische Erkrankungen sowie Lebensstilgewohnheiten maßgeblich abhängen;
  • ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion, Mikroinsemination): Bei dieser Methode der assistierten Reproduktion werden zunächst die Eierstöcke hormonell zur Reifung mehrerer Eibläschen stimuliert und die Eizellen danach entnommen. Dies geschieht unter Narkose im Rahmen einer kurzen ambulanten Eingriffs. Anschließend wird eine einzelne Samenzelle mittels einer mikroskopisch-feinen Injektionsnadel direkt in die Eizelle eingebracht und diese damit befruchtet. Auch bei diesem Verfahren erfolgt die Befruchtung außerhalb des Körpers, doch es unterscheidet sich von der IVF darin, dass die Samenzelle direkt in die Eizelle eingebracht wird. Gelingt die Befruchtung, werden maximal drei Embryonen in die Gebärmutter der Frau eingebracht, um sich wie bei einer natürlichen Schwangerschaft in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Eine Indikation für die ICSI besteht, wenn die Samenqualität deutlich eingeschränkt ist, sprich wenn Zweifel besteht, dass der Samen die Eizellhülle erreichen oder durchdringen kann;
  • Eizellspende: Seit der Anpassung des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG) im 2015 sind die Eizellspende sowie die Kinderwunschtherapie mit gespendeten Eizellen in Österreich unter bestimmten Bedingungen gesetzlich erlaubt. Eine Eizellspende wird dann in Betracht gezogen, wenn eine verminderte Eizellreserve der Grund für die Unfruchtbarkeit ist; wenn mehrere IVF-Versuche fehlgeschlagen sind; nach operativer Entfernung der Eierstöcke, nach Chemotherapie; und/oder bei Erbkrankheiten, die von der Mutter auf das Baby übertragen werden können.

Methoden der assistierten Reproduktion bieten Paaren gute Chancen ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Eine Beratung und gründliche Untersuchung sind Voraussetzung, um die für die individuelle Situation erfolgsversprechende Behandlung festlegen zu können. Da die natürliche Fruchtbarkeit der Frau bereits ab dem 30. Lebensjahr abnimmt, sollten Paare mit unerfülltem Kinderwunsch nicht zögern, sich kompetenten ärztlichen Rat einzuholen, um die Chance auf eine Schwangerschaft nicht zu verpassen.

 

Hilfreiche Tipps für ungewollt kinderlose Paare gibt Dr. Armin Breinl in diesem Informationsvideo:

 

Was tun bei Gelbkörperschwäche und Kinderwunsch?

Oft ist eine Gelbkörperschwäche der Grund, wenn es mit dem Wunschkind nicht klappt. Eine Gelbkörperschwäche liegt dann vor, wenn eine Funktionsschwäche des Gelbkörpers besteht, wodurch zu wenig Progesteron produziert wird. Das Sexualhormon Progesteron (Gelbkörperhormon) wird von dem nach dem erfolgten Eisprung in einem der Eierstöcke gebildeten Gelbkörper produziert. Dieses Gelbkörperhormon fördert die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut.

 

In der Regel kann die Gelbkörperschwäche im Rahmen einer Kinderwunschtherapie hormonell gut behandelt werden. Dabei werden Hormonpräparate wie bspw. Clomifen, das humane Choriongonadotropin (hCG), Duphaston, Utrogest etc. zugeführt, um den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Heilpflanzen wie etwa Mönchspfeffer können die Hormonbehandlung sinnvoll ergänzen – die Einnahme muss jedenfalls nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Warum Folsäure bei Kinderwunsch empfohlen wird

Mittlerweile haben mehrere Studien bewiesen, dass Folsäure Ungeborene vor Fehlbildungen schützt, das Risiko einer Frühgeburt senkt und die Fruchtbarkeit verbessern kann. Frauen, die schwanger werden wollen, wird deswegen eindeutig empfohlen sich folatreich (u.a. Spinat, grüner Salat, Brokkoli, Grünkohl, Hülsenfrüchte, Nüsse, Weizenkeime und Vollkornprodukte, Eigelb, Leber etc.) zu ernähern und ergänzend Folsäurepräparate einzunehmen, um die Folatversorgung schon vor Beginn einer Schwangerschaft zu optimieren und den Körper für den Empfang eines gesunden Babys vorzubereiten. Über die zusätzliche Einnahme von Folsäure sollten Sie sich allerdings ärztlichen Rat einholen.

Folsäure steckt in Brokkoli
Brokkoli liefert eine gute Portion Folsäure.

Welche Rolle spielt das Alter beim Kinderwunsch?

Das Alter der Frau spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Fortpflanzung. Die natürliche Fruchtbarkeit der Frau ist bemerkenswert stabil durch eine lange Periode (ab Pubertät bis in die späten 30-er Jahre), doch diese beginnt ab dem 30. Lebensjahr langsam abzunehmen und ab dem 40. Lebensjahr nimmt auch die Fruchtbarkeit nach künstlicher Befruchtung ab. Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Eizellen nimmt ungefähr ab dem 37. Lebensjahr massiv ab, wodurch sich die Chancen auf eine Schwangerschaft stark verringern. Darüber hinaus steigt mit dem Älterwerden die Wahrscheinlichkeit für Chromosomenveränderungen, Fehlgeburten sowie für Schwangerschaftskomplikationen.

 

+++ Mehr zu den altersbedingten gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind, wenn man mit 40 oder sogar darüber schwanger wird +++

 

Das Alter des Mannes spielt beim Kinderwunsch eine eher untergeordnete Rolle, da Samenzellen ständig neu produziert werden – die Zeugungsfähigkeit bleibt beim Mann ungefähr bis zum 60. Lebensjahr bestehen, danach nimmt sie rasch ab. Allerdings nimmt die Spermienqualität, aber auch die Samenzellenanzahl beim Mann schon ab dem 40. Lebensjahr deutlich ab.

Alter bei Kinderwunsch
Beim Kinderwunsch spielt das Alter eine wesentliche Rolle - Schwangerwerden ist doch trotzdem möglich.

 

Auch wenn die Fertilität bei Frau und Mann mit fortschreitendem Alter abnimmt, so ist dies eine ganz individuelle Entwicklung, die u.a. mit dem persönlichen Lebensstil (Rauchen, Stress, Bewegungsmangel, Übergewicht etc.) sowie mit verschiedenen Krankheiten (z.B. Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen) zusammenhängt. Diese Tatsache sollten Paare bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts für ein Kind jedenfalls mitbedenken.

 

Mehr zu den Möglichkeiten und Erfolgschancen bei Kinderwunsch in fortgeschrittenem Alter |

Warum zum Zahnarzt bei Kinderwunsch?

Es mag zunächst überraschen, doch auch Erkrankungen im Mund und Rachenraum können die Fruchtbarkeit beeinflussen. Insbesondere Paradontitis (Zahnfleischentzündung) kann einen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft haben. Diverse Studien zu den Auswirkungen von Zahnfleischentzündungen auf die weibliche Fruchtbarkeit und/oder auf eine Schwangerschaft zeigen, dass das Risiko für eine Frühgeburt oder für ein untergewichtiges Baby bei schwangeren Frauen mit Parodontitis deutlich höher ist, als bei Frauen ohne ZahnentzündungenDiesbezüglich ist für Paare, die ungewollt kinderlos sind, u.a. auch der Gang zum Zahnarzt sinnvoll. Auch nach Eintritt einer Schwangerschaft sollten Frauen regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt in Anspruch nehmen.

Paradontitis bei Kinderwunsch
Entzündungen im Zahnbereich, allem voran Parodontitis, können die Erfüllung des Kinderwunsches verhindern.

Ab wann aufhören zu rauchen bei Kinderwunsch?

Rauchen und Kinderwunsch passt nicht zusammen. Zigarettenrauch enthält rund 4.000 verschiedene Inhaltsstoffe – darunter Nikotin, Stickoxide, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid. Gifte im Tabakrauch sind für langfristige Gesundheitsschäden verantwortlich und können u.a. die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und dazu führen, dass der Kinderwunsch gar nicht oder erst später sich erfüllt.

Rauchstopp vor der Schwangerschaft
Paare mit Kinderwunsch sollten ca. 1 Jahr vor der Empfängnis mit dem Rauchen aufhören.

 

Die schädlichen Substanzen können die Hormonbildung (v.a. der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron) stören, welche den weiblichen Zyklus steuern und darüber hinaus die Befruchtung und Einnistung einer Eizelle erschweren. Auch die Zeugungsfähigkeit von Männern wird durch das Rauchen maßgeblich beeinträchtigt. Die Durchblutung der Hoden vermindert sich, was die Spermienqualität und –produktion, allem voran die Geschwindigkeit der Spermien, verschlechtern kann. Darüber hinaus sinken die Chancen einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung bei RaucherInnen erheblich.

 

Wenn ein Paar ein Kind plant, sollten beide Partner spätestens ein Jahr vor der Befruchtung mit dem Rauchen aufhören, um den Körper zu entgiften und das Kind im Mutterleib nicht zu gefährden.

Was muss man bei Kinderwunsch sonst beachten?

Die meisten Paare trifft es völlig unerwartet, wenn sie ein Kind haben wollen und es nicht klappt. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein sensibles Thema, das in der Gesellschaft immer noch tabuisiert ist und für die Partnerschaft eine starke psychische Belastung darstellen kann. Ungewollt kinderlosen Paaren fällt es häufig schwer darüber zu sprechen. Hier ist eine psychologische Begleitung, welche Betroffenen im Umgang mit der Ungewissheit und den emotionalen Belastungen stärken kann, äußerst wichtig und oft zielführend.

Kinderwunsch kann Psyche belasten
Ungewollte Kinderlosigkeit kann eine erhebliche psychische Belastung für Kinderwunschpaare sein.

 

Insbesondere eine reproduktionsmedizinische Behandlung kann für Frauen und Männer eine hohe emotionale Herausforderung darstellen. Wenn die Kinderwunschtherapie nicht sofort zum Erfolg führt, ist die Belastung enorm groß und spätestens dann ist eine psychologische Begleitung sinnvoll, um die Behandlungsdauer durchzustehen, die Lebensqualität zu erhöhen, Partnerschaftskonflikte zu vermeiden und die Kinderwunschzeit zu genießen. Mental- bzw- Stressbewältigungstrainings reduzieren Anspannung, unterstützen mehr Gelassenheit zu spüren und stärken innerlich auf dem Weg der Behandlung. Durch Entspannung wird man nicht schwanger, aber die Belastung der Diagnostik und Therapie ist bedeutsam und hier soll der Arzt sowie ein begleitendes Coaching die Psyche entlasten. Ungewollt kinderlose Paare sollten sich professionelle psychologische Hilfe suchen bei jemandem, der fachliche Erfahrung zu dieser speziellen Thematik hat.

Ernährung bei Kinderwunsch
Die Chancen auf ein Wunschkind können mit einer ausgewogenen Ernährung möglicherweise verbessert werden.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor fürs Schwangerwerden ist das normale Körpergewicht – es ist durch verschiedene Studien bewiesen, dass normalgewichtige Frauen häufiger schwanger werden als Unter- oder Übergewichtige. Dazu trägt selbstverständlich die Ernährung ganz wesentlich bei. Eine Wunschkind-Diät gibt es nicht, aber natürlich ist eine ausgewogene Mischkost sehr wichtig – es ist wissenschaftlich belegt, dass gewisse Vitamine, vor allem Spurenelemente und u.a. Folsäure, die man bspw. über Hülsenfrüchte oder übers Getreide, aber auch zusätzlich über Folsäurepräparate kriegen kann, den Eintritt einer Schwangerschaft fördern können. Darüber hinaus kann zu wenig oder zu intensiver Sport sowie Rauchen ungewollte Kinderlosigkeit mitbedingen – eine positive Veränderung der Lebenswiese kann manchmal auf dem Weg zum Wunschkind helfen.

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