Auch zu niedriger Blutdruck belastet Herz-Kreislauf-System
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Auch zu niedriger Blutdruck belastet Herz-Kreislauf-System

Auch zu niedriger Blutdruck belastet Herz-Kreislauf-System

Wissenschaftler verlangen nicht nur eine Blutdruck-Obergrenze, sondern auch eine Blutdruck-Untergrenze

Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Das belegt eine Studie, die in "The Lancet" publiziert und auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim von 19. bis 22. April diskutiert wurde. Wie Forschungsleiter Michael Böhm berichtet, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an, wenn der Blutdruck unter einen bestimmten Wert sinkt. Daher sollte es den Wissenschaftlern zufolge nicht nur eine Ober-, sondern auch eine Untergrenze geben.

Das Prinzip "je niedriger desto besser", das häufig für das LDL-Cholesterin angenommen wird, scheint beim Blutdruck keine Gültigkeit zu haben, zeigt eine Analyse der beiden Meta-Studien ONTARGET und TRANSCEND mit insgesamt 30.940 Hochrisiko-Patienten. Es wurde beobachtet, dass Patienten, die während des mittleren Beobachtungs-Zeitraums von 53 Monaten systolische Blutdruckwerte unter 120 mmHg erreichten, ein um 14 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse hatten als jene, deren Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg lag. Die Ausnahme bildeten hierbei Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit stieg um 29 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 28 Prozent.

Risiko für Herzinfarkt und Herzschwäche ist auch erhöht

Ähnlich sieht die Situation beim diastolischen Blutdruck aus. Werte unter 70 mmHg standen mit einem um 31 Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse im Zusammenhang, verglichen mit Werten zwischen 70 und 80 mmHg. Auch das Risiko für Herzinfarkt und durch Herzschwäche bedingte Klinikeinweisungen war erhöht. Schlaganfälle kamen allerdings seltener vor, wenn die Werte darunter fielen.

Das niedrigste Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten Patienten, die unter der Blutdruck-Therapie einen systolischen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg und einen diastolischen Blutdruck um die 75 mmHg erreichten. Somit ist für die meisten Hochrisiko-Patienten ein Blutdruckzielwert von unter 130 mmHg, nicht jedoch ein Wert unter 120 mmHg sicher und wirksam, fassen die Studienautoren zusammen.

Sie gehen davon aus, dass sich der Vorteil einer erreichten Blutdruckhöhe individuell unterscheiden kann und vom jeweiligen Risikoprofil eines Menschen abhängt.

Quelle: The Lancet/APA

Bildquelle: APA (Symbolbild)/BARBARA GINDL

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