Neue Therapiemöglichkeiten urologischer Tumore - Kongresshighlights 2017
Neue Therapiemöglichkeiten urologischer Tumore - Kongresshighlights 2017
Neue Therapiemöglichkeiten urologischer Tumore - Kongresshighlights 2017
Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Rauchenwald
Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Rauchenwald
Arzt
Neue Therapiemöglichkeiten urologischer Tumore - Kongresshighlights 2017

Neue Therapiemöglichkeiten urologischer Tumore - Kongresshighlights 2017

Die 43. Jahrestagung der österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der bayrischen Urologenvereinigung steht unter dem Motto „Wissenschaft, die Wissen schafft“. Dominiert wird die thematisch breit gefächerte Veranstaltung von Neuerungen im Bereich urologischer Tumorerkrankungen.

Paradigmenwechsel in der Uroonkologie

In der Therapie von Tumoren des Urogenitaltraktes findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Urologische Tumore sind heute wesentlich besser behandelbar, als sie es noch vor wenigen Jahren waren. In Abhängigkeit von der Tumorart ist heute Langzeitüberleben auch in fortgeschrittenen Stadien möglich. Stadien, die früher in kürzester Zeit zum Tod geführt haben. Verantwortlich für diese Erfolge sind Innovationen sowohl im Bereich der Diagnostik als auch im Bereich der Behandlung.

Fortgeschrittene urotheliale Karzinome

Wesentliche Erfolge sind in der Therapie des fortgeschrittenen Blasenkarzinoms zu festzustellen. Bisher bestand die Erstlinientherapie beim metastasierten Urothelkarzinom aus platinhältigen Chemotherapien. Viele Patienten sind jedoch nicht einmal zu Behandlungsbeginn in der körperlichen Verfassung dafür . Nach Versagen der Erstlinien-Chemotherapie standen bisher kaum wirksame Alternativen zur Verfügung. Daher war das metastasierte Urothelkarzinom bisher mit einer schlechten Prognose vergesellschaftet. Nach mehr als 30 Jahren ohne nennenswerte Behandlungsfortschritte brachte nun die Entwicklung von sogenannten Checkpoint-Inhibitoren einen dramatischen Durchbruch. Bei guter Verträglichkeit kann mit einer neuen Immuntherapie das Überleben bei bestimmten Patienten deutlich verlängert werden.

Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom

In der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms wurde 2006 der erste Durchbruch erzielt. Es wurden Therapien etabliert, die mit zielgerichtet die Durchblutung des Tumors vermindern. Dadurch konnten die Überlebenszahlen entscheidend verbessert werden. Nach einer gewissen Zeit wirken allerdings auch diese Therapien nicht mehr. Seit 2016 sind neue, effiziente Zweitlinientherapien im Verwendung. Die innovativen Strategien beruhen entweder auf einer neuerlichen zielgerichteten Therapie mit weiterentwickelten Substanzen, die auf andere Merkmale abzielen, als die Erstlinientherapie, oder auf der Unterstützung und Einbeziehung des körpereigenen Immunsystems (wie beim Blasenkarzinom).

Multidisziplinäre Therapiestrategien

Generell werden in der Tumorbehandlung zunehmend mehrere zeitlich abgestimmte Therapien gegen Krebszellen gerichtet. Durch ein Zusammenwirken von Chirurgie, Strahlen-, Immun- und Chemotherapie bzw. Hormontherapie gelingt es immer besser, eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Strategie zu entwickeln – Stichwort „personalisierte Medizin“.

Prostatakrebs

Der Prostatakrebs ist der häufigste Tumor des Mannes. Es werden derzeit im Bereich der Diagnostik neue Methoden wie z.B. MRT, PET oder neue Verfahren der Prostatabiopsie auf ihren Stellenwert im klinischen Alltag überprüft. Darüber hinaus stehen innovative Therapien wie z.B. eine neue Art der Hormontherapie zur Verfügung. Grundsätzlich spielt jedoch auch die Frage nach Angemessenheit der Therapie eine zunehmende Rolle. Die Möglichkeiten vor allem bei roboterassistierter Chirurgie sind vielfältig, aber auch sehr kostspielig. Des weiteren ist es dank innovativer Diagnostik mittlerweile möglich, bei Prostatakrebs bereits kleinste Metastasen zu identifizieren. Ungeklärt ist jedoch die Frage, inwieweit die Entfernung dieser Absiedlungen tatsächlich eine Heilung ermöglicht oder lediglich ein Hinausschieben der Erkrankung. Das bedeutet, dass die individuelle Sinnhaftigkeit einer Behandlung gewissenhaft hinterfragt werden muss. Es wird nicht nur aus medizinischen, sondern auch als ethischen und gesellschaftspolitischen Überlegungen notwendig sein, hier klare Richtlinien und Strategien zu entwickeln, um Übertherapien zu vermeiden.

Vorsorge gegen Prostatakarzinom

Anschließende Rehabilitation etabliert

Insbesondere in der Uroonkologie wird nach großen Tumoroperationen, Strahlen- und Chemotherapie zunehmend die Bedeutung einer anschließenden Rehabilitation, wie sie z.B. in der Orthopädie üblich ist, erkannt. Dazu gehören nicht zuletzt auch psychologische Betreuung sowie Beratung bezüglich Bewegung und Ernährung, um den Patienten umfassend zu unterstützen und seine Lebensqualität sowie seine Alltagskompetenz zu stärken.

 

Quelle: Hennrich.PR
Bildquelle: Pixabay

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