Operative Therapie der Dranginkontinenz - Modetrend oder evidenzbasiert?
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Operative Therapie der Dranginkontinenz - Modetrend oder evidenzbasiert?

Operative Therapie der Dranginkontinenz - Modetrend oder evidenzbasiert?

Bei der Jahrestagung der OEGGG und der BGGF in Wien (14.-17.06.2017) sprach Prof. Dr. med. Ursula Peschers aus München über die Harninkontinenz (Blasenschwäche) - ein Symptom, von welchem besonders viele Frauen betroffen sind. Auszug aus dem Vortrag von Prof. Peschers, der großen Anklang fand.

 Es ist allgemein anerkannt, dass viele Patientinnen mit Descensus genitalis(Scheidensenkung)-Symptomen eine Dranginkontinenz (überaktive Blase) haben und dass diese durch eine Operation der Senkung oft gebessert werden. Ob eine bestimmte Operationsmethode hier bessere Ergebnisse bringt, ist nach der aktuellen Datenlage unklar. Weiterhin ist nicht belegt, dass Patientinnen mit einem geringen Deszensus im mittleren Kompartiment (Grad 1 nach POP-Q), die ein Dranginkontinenz haben, durch eine Fixation dauerhaft von der Dranginkontinenz geheilt werden können. Entsprechende Operationen sollten nur im Rahmen prospektiver Studien durchgeführt werden.

Die Dranginkontinenz ist ein abklärungsbedürftiges Krankheitsbild, das durch einen plötzlich eintretenden starken Harndrang mit oder ohne Inkontinenz mit darauffolgendem unwillkürlichen Urinverlust gekennzeichnet ist. Um eine korrekte Anamnese zu erfassen, muss zuerst eine anderweitige Pathologie wie etwa Harnwegsinfekte, Proplaps oder auch neurologische Ursachen ausgeschlossen sein. Nachdem die Anamnese, die Punkte wie Miktionsverhalten, Harnwegsinfekte, Verdauung, Komorbiditäten etc. einschließt, fertig ist, wird die Untersuchung durchgeführt, wobei der Urin untersucht und der Restharn bestimmt wird. Darüber hinaus findet eine gynäkologische Untersuchung (Deszensus, Genitalattophie, Sonographie) statt. Die Funktionsweise der Harnblase wird getestet (Urodynamik) und eine neurologische Untersuchung klärt ab, ob Ausfälle und Funktionsabweichungen des Nervensystems zu erkennen sind.
Die Behandlung der Dranginkontinenz kann nicht-medikamentös, medikamentös oder auch operativ erfolgen. Anbei die wichtigsten Schritte der nicht-medikamentösen und der medikamentösen Behandlungsformen:

nicht-medikamentöse Therapie:

. Trinkmanagement

. Änderung des Lebensstils

. Verhaltenstherapie (Blasentraining, Toilettentraining)

. Physiotherapie (Beckenbodentraining)

. Biofeedback

. Elektrostimulation

medikamentöse Therapie:

. lokale Östrogene

. Anticholinergika

. Mirabegron (Betmiga)

. Botulinumtoxin

. Tibialisstimulation

. sacrale Neuromodulation

Sowohl die nicht-operative (konservative) als auch die chirurgische Therpaie der Harninkontinenz führen in der Regel zu einer Besserung der Drangsymptomatik, wobei die Überlegenheit eines bestimmten Verfahrens bislang nicht gezeigt wurde. Wirtschaftliche Interessen (höherer Erlös bei operativer Therapie) dürfen also die Therapieentscheidung nicht beeinflussen. Die chirurgische Therapie der Dranginkontinenz durch die Implantation von Bändern wie CESA/VASA bzw. TFS ist äußerst umstritten. Eine solide Studienlage liegt nicht vor. Entsprechende Operationen sollten nur im Rahmen von prospektiven Studien erfolgen. Obwohl das Thema "weibliche Dranginkontinenz" in der Öffentlichkeit nur wenig präsent ist, betrifft sie eine stark verbreitete Problematik, die weltweit Millionen Frauen betrifft - Schätzungen zufolge leidet jede dritte ältere Frau an Harninkontinenz.

Weiteres zum Thema Dranginkontinenz finden Sie im Anhang.

Zur Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Zur Bayerischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde e.V.

ANHÄNGE

Prof.Dr.med.Peschers_Präsentation_Dranginkontinenz

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