Herpes Zoster im Überblick
Herpes Zoster im Überblick
Herpes Zoster im Überblick
Michael Zloczower
Michael Zloczower
Arzt
Herpes Zoster im Überblick

Herpes Zoster im Überblick

Bei der Gürtelrose (HZ) kommt es sporadisch oder aufgrund einer passageren oder grundlegenden bedeutenden Schwächung der Abwehrlage zu einer Reaktivierung einer latenten Infektion des Spinalganglions mit Varicella-ZosterViren (VZV).

Die Erstinfektion mit dem VZV manifestiert sich, sofern es nicht zur stillen Feiung gekommen ist, meistens während der Kindheit in Form von Varizellen.
Da die Häufigkeit von HZ parallel zur Verminderung der Immunkompetenz zunimmt, dauert die Latenzperiode zwischen Erstmanifestation und Reaktivierung selten nur wenige Jahre bis meistens Jahrzehnte. Das führt dazu, dass bis zu 50% aller über 85-Jährigen eine Episode von HZ hatten und dass HZ bei immunkompetenten Kindern und Erwachsenen wesentlich seltener ist.

Bei Immundefiziten, insbesondere hervorgerufen durch Lymphome, Leukämien, andere Neoplasien, HIV, Chemotherapien, kann die Inzidenz von HZ bis zu 100-mal höher sein. Trigger für die Entstehung eines HZ muss aber nicht immer ein systemischer Prozess sein. Auch lediglich lokale umschriebene Traumen, insbesondere im Bereich der Gelenke, Wirbelsäule und Bandscheiben, Nervenverletzungen, UVoder PUVA-Strahlen können die Eruption eines HZ provozieren. 

Den Hautveränderungen gehen oft unspezifische Prodromi mit Fieber, Abgeschlagenheit und Schmerzen, die manchmal auch unerträglich, ja vernichtend sein können, im Bereich des entsprechenden Segmentes voraus.

Je nach befallenem Segment kann es dann zur Beteiligung benachbarter Strukturen wie Auge, Ohr, Nerven (insbesondere Nervus facialis und Nervus statoacusticus), Urogenitaltrakt, Darm kommen und/oder zur Projektion der Schmerzen auf innere Organe entsprechend dem Dermatom.
Nach einigen Tagen kommt es dann zum Auftreten ovalärer Erytheme, fast immer halbseitig innerhalb eines Dermatoms von zeitlich zunächst dorsal nach später ventral bzw. von proximal vom Ganglion nach distal vom Ganglion. Schließlich entwickeln sich innerhalb dieser Erytheme (Gruppen) Bläschen.

                Ein unkomplizierter HZ

Die Entwicklungsstadien der Bläschen sind innerhalb einer Gruppe gleich. Die Gruppen jedoch unterscheiden sich voneinander durch Bläschen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Regionäre Lymphknotenvergrößerungen sind häufig.

Beim unkomplizierten HZ trocknen die Bläschen nach circa 10–12 Tagen ein, verkrusten und heilen nach Abstoßen der Krusten mitunter ohne Hinterlassen von Narben ab. Oft aber hinterlassen die Bläschen diskrete hypopigmentierte Narben. Bei komplizierten Verläufen des HZ ist das Vorliegen einer zugrunde liegenden bedeutenden Immundefizienz wesentlich wahrscheinlicher.

HZ mit leichter Hämorrhagie

HZ kann vor allem bei Abwehrschwäche hämorrhagisch nekrotisierend verlaufen und dann mit Narben oder Nekrosen abheilen. Es können auch mehrere Dermatome, sowohl benachbarte und/oder entfernte (HZ duplex) als auch kontralaterale (HZ bilateralis), gleichzeitig befallen werden. Bei hämatogener Aussaat findet man am gesamten Körper verteilt Bläschen wie bei Varizellen zeitgleich neben dem Befall eines Dermatoms (HZ generalisatus). 

Diagnose

Das klinische Bild ist in der Regel typisch und zur Diagnose bedarf es in der Praxis keiner ergänzenden Bestätigungstests. Je früher im Krankheitsverlauf die Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Daher ist der serologische Nachweis, der im niedergelassenen Bereich meistens erst frühestens nach einer Woche vorliegt, in der Praxis nicht von Bedeutung. Außerdem hat die Serologie keine Relevanz, weil es sich ja um eine Reaktivierung eines schlummernden Erregers handelt.

Gleiches gilt für den direkten Erregernachweis. Ergänzend kann man im TzanckTest (exfoliative Zytologie aus dem Bläschengrund) für Viruserkrankungen typische Synzytien nachweisen. Weiters

                 HZ in S3 rechts

sind akantholytische Zellen, die allerdings bei anderen blasenbildenden Erkrankungen ebenfalls vorkommen, ein regelmäßiger Befund. Etwas schwieriger wird die Diagnose bei abortiven Formen, die nur mit wenigen Bläschen oder – vorerst – nur einer Gruppe einhergehen. Hier kann die Abgrenzung zum Herpes simplex (HS) schwierig werden.

Eine besondere Herausforderung stellt der HZ sine herpete (HZsh) dar, also die Gürtelrose ohne Bläschen und auch ohne oder mit nur diskretem Erythem. Mit diesem Krankheitsbild ist der Dermatologe nur selten – eben weil es keine Hauteffloreszenzen gibt – konfrontiert.

Der praktische Arzt*, Orthopäde*, Internist* oder Neurologe* wohl viel häufiger, weil von der Nierenkolik über den Herzinfarkt bis zur Migräne oder zu Zahnschmerzen, je nach befallenem Dermatom, verschiedene Differenzialdiagnosen klinisch infrage kommen.

Die Patienten klagen über unspezifische, aber durchaus auch heftige neuralgiforme halbseitige Schmerzen, gegebenenfalls mit entsprechenden Projektionen auf andere Organe, so wie eben bei einem HZ mit typischen Hautveränderungen. Lesen Sie mehr zu Therapieoptionen bei HZ im beigefügten .pdf.

©Autor: M. Zloczower

Erstmalige Veröffentlichung: DAM Medizin

Ausgabe 5+6 / 2017  

Nachzulesen auch unter: http://at.universimed.com/fachthemen/8185

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