Wie gefährlich ist Passivrauchen wirklich?
Wie gefährlich ist Passivrauchen wirklich?
Wie gefährlich ist Passivrauchen wirklich?
OA Dr. Daniela Jahn-Kuch
OA Dr. Daniela Jahn-Kuch
Ärztin
Wie gefährlich ist Passivrauchen wirklich?

Wie gefährlich ist Passivrauchen wirklich?

Welche Schadstoffe können auch passiv von anderen Personen z.B. im gleichen Raum durch Tabakrauch aufgenommen werden? Welche Risiken sind damit verbunden? Gibt es Fälle von Lungenkrebs, die durch Passivrauchen entstanden sind bzw. andere Lungenerkrankungen? Die Antworten finden Sie im Artikel!

Die Auswirkungen des Passivrauchens

 

CredoWeb: Welche Schadstoffe sind im Tabakrauch enthalten – und welche können auch passiv von anderen Personen zB im gleichen Raum aufgenommen werden?

 

OÄ Dr. Daniela Jahn-Kuch: Der Tabakrauch, der beim Passivrauchen eingeatmet wird, enthält die gleichen giftigen und krebserzeugenden Substanzen wie der Rauch, der vom Raucher selbst inhaliert wird.

Tabakrauch enthält mehr als 4 800 organische und anorganische Verbindungen, von denen mindestens 250 als toxisch und 90 als krebserzeugend (z.B: Arsen, Blei, Polonium, Nickel, Phenole) oder möglicherweise krebserzeugend eingestuft werden. 

 

 

 

 

Zu 85%  besteht Tabakrauch aus Nebenstromrauch, der von der schwelenden Zigarette erzeugt wird und zu 15% aus Hauptstromrauch, der vom  Raucher zurück in die Luft ausgeatmet wird.  Im Nebenstromrauch finden sich zum Teil höhere Konzentrationen der toxischen Verbindungen als im Hauptstromrauch, da dieser bei niedrigeren Temperaturen durch zum Teil unvollständige Verbrennungsprozesse entsteht.

Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über eine rauchfreie Gastronomie bemerkenswert.

 

In geschlossenen Räumen übersteigt die Feinstaubkonzentration häufig das Vielfache der Außenluft. Eine Trennung in Nichtraucher- und Raucherbereiche bietet dabei nachweislich keinen sicheren Schutz vor dem Tabakrauch.

Die Feinstaubkonzentration in Nichtraucherbereichen ist bis um das dreieinhalbfache höher als in tatsächlichen Nichtraucherlokalen.

Kinder sind von den gesundheitlichen Gefahren des Passivrauchens besonders betroffen, da sie in der gleichen Zeiteinheit aufgrund ihrer höheren Atemfrequenz eine höhere Giftmenge inhalieren als Erwachsene.  

 

CredoWeb: Welche Risiken sind damit verbunden?

 

 

OÄ Dr. Daniela Jahn-Kuch: Es gibt in Hinblick auf Tabakrauch keinen Grenzwert, unterhalb dessen kein gesundheitliches Risiko besteht – weder für Erwachsene noch für Kinder.

Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf den kindlichen Organismus durch das Passivrauchen finden bereits ab der Schwangerschaft statt.

 

Neugeborene rauchender Mütter kommen kleiner, leichter und mit einem geringeren Kopfumfang auf die Welt als die Kinder von Nichtraucherinnen. Ein geringeres Geburtsgewicht ist mit einer erhöhten perinatalen Sterblichkeit assoziiert.

Prä- und postnatales Passivrauchen erhöht das Risiko des Kindes, an plötzlichem Kindstod zu versterben um mehr als das Dreifache, beeinträchtigt Wachstum und Entwicklung der Lunge, reduziert dauerhaft die Lungenfunktion und erhöht signifikant das Risiko für die Entwicklung von Asthma im Kindesalter.

 

 

Auch das Risiko für die Entwicklung einer Lungenentzündung oder Bronchitis ist für ein passivrauchendes Kind um mehr als 50 Prozent höher als bei einem Kind, das keinen Tabakrauch einatmen muss.

Passivrauchen in der Kindheit legt überdies den Grundstein für zahlreiche weitere Erkrankungen. So erhöht eine pränatale Tabakrauch­exposition das Risiko von Übergewicht in der Kindheit und für Diabetes mellitus im späteren Leben. Eine Nikotinbelastung während der fetalen Entwicklung oder nach der Geburt ist assoziiert mit einer Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit und einem gehäuften Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten.

 

Passivrauchen  ist aber auch ein unabhängiger Risikofaktor für Bluthochdruck in der Kindheit, für eine eingeschränkte Nierenfunktion bei Schulkindern und für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen im Erwachsenenalter. 

Das Risiko des Kindes für eine Mittelohrentzündung und eine bakterielle Meningitis ist  um fast 50% gegenüber einem unbelasteten Kind erhöht.

 

Nicht nur Kinder von rauchenden Müttern tragen ein erhöhtes Risiko an Asthma zu erkranken, sondern auch Kinder von nichtrauchenden Müttern, wenn deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben. Passivrauchen verursacht epigenetische Veränderungen der DNA und schädigt somit über Generationen hinweg.

 

Regelmäßiges Passivrauchen im Erwachsenenalter erhöht nicht nur das Risiko für die Entwicklung schwerer Atemwegserkrankungen. Passivrauchen erhöht auch das Risiko eines Herzinfarktes um bis zu 30%, das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, wird ebenfalls signifikant erhöht.

 

CredoWeb: Gibt es Fälle von Lungenkrebs die durch Passivrauchen entstanden sind bzw. andere Lungenerkrankungen?

 

OÄ Dr. Daniela Jahn-Kuch: 

Passivrauchen erhöht auch das Risiko für Lungenkrebs: Wer mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit Tabakrauch ausgesetzt ist, hat ein um 20 bis 30% erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

 

Passivrauchen kann eine chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hervorrufen.

 

Nichtraucher, die mit einem rauchenden Partner zusammenleben, haben gegenüber nicht passivrauchenden Menschen ein um rund 25% erhöhtes Risiko, an einer COPD zu sterben.

 

 

Interview: Christina Neumayer/CredoWeb

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