Lungenkrebs-Früherkennung kann Leben retten
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Lungenkrebs-Früherkennung kann Leben retten

Lungenkrebs-Früherkennung kann Leben retten

Experten fordern Screeningprogramm für Risikogruppen und Raucherberatung.

Lungenkrebs ist eine der häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Würden mehr Diagnosen in einem früheren Krankheitsstadium gestellt, steigert das die Heilungsraten erheblich. Experten fordern daher ein Früherkennungs-Programm für Raucher und diskutieren auf einem Symposium, wie ein solches Zielgruppen-Screening samt Raucherberatung in Österreich gestaltet werden sollte.

 

Onkologen, Radiologen, Pneumologen, Thoraxchirurgen, Public-Health-Experten und gesundheitspolitische Entscheidungsträger versammeln sich in Wien zu einer hochkarätigen Tagung, um einen in der aktuellen Debatte um das Rauchen bisher wenig beleuchteten Aspekt zu diskutieren. „Die Früherkennung von Lungenkrebs kann Leben retten“, betont der Organisator des Symposiums Univ.-Prof. Dr. Robert Pirker (Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH/MedUni Wien).

Wir wollen aufzeigen, wie ein sinnvolles Screening-Programm zur Früherkennung bei Risikogruppen in Österreich gestaltet sein könnte und detaillierte Schritte zu einer Umsetzung festlegen.

Wissenschaftlicher Hintergrund für die Forderung nach gezielter, qualitätsgesicherter Früherkennung von Lungenkrebs sind die Daten einer US-Studie, die seit ihrer Publikation weltweit für Diskussionen in der Fachwelt sorgen.

 

Der „National Lung Screening Trial“ konnte zeigen, dass sich die Lungenkrebsmortalität bei starken Rauchern durch ein Niedrig-Dosis-Spiral-CT um 20 Prozent senken lässt. „Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen derzeit bereits mehrere wissenschaftliche Gesellschaften ein Lungenkrebs-Screening von Risikopatienten und eine diesbezügliche Implementierung läuft in mehreren europäischen Ländern“, erklärt Prof. Pirker. „Lungenkrebs-Screening mit Niedrig-Dosis-CT rettet Leben“, heißt es etwa in einem aktuellen europäischen Positionspapier führender Experten, die eine gezielte Eingrenzung der Risikogruppen „ehestmöglichen Start“ entsprechender Aktivitäten in ganz Europa empfehlen. „Österreich sollte dieser Empfehlung folgen und eine aktive Rolle bei der Etablierung spielen. Dadurch könnte ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheit unserer Bevölkerung geleistet werden.“

 

Lungenkrebs ist die häufigste und tödlichste Krebsart

 

Das Lungenkarzinom ist nach wie vor eine der häufigsten und gleichzeitig die tödlichste Krebserkrankung. In Österreich erkranken jährlich rund 3.000 Männer und 1.900 Frauen an Lungenkrebs, wobei die Häufigkeit bei den Frauen weiter stark zunimmt. Das Risiko, bis zum 75. Lebensjahr zu erkranken, liegt bei Männern bei 4,8 und bei Frauen bei 2,7 Prozent.

 

Weltweit werden jährlich 1,82 Millionen neue Fälle von Lungenkrebs diagnostiziert, das sind 12,9 Prozent aller Krebsfälle. In der Sterblichkeitsstatistik dominiert diese Krebsart noch deutlicher: 20 Prozent aller durch Krebs verursachten Todesfälle sind auf ein Lungenkarzinom zurückzuführen – jährlich endet diese Krankheit für 1,6 Millionen Menschen tödlich. „Das ist als würden täglich zehn vollbesetzte Jumbo-Jets vom Himmel fallen“ zieht Prof. Pirker einen drastischen Vergleich. „Für mich ist das die große Tragödie unseres Jahrhunderts, der wir nicht tatenlos zusehen dürfen“.

 

Früherkennung kann Leben retten

 

Die weit verbreitete Vorstellung, dass Lungenkrebs per se kaum heilbar sei, stimmt so nicht.

Wenn ein Lungenkarzinom im Anfangsstadium entdeckt wird, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate heute bereits bei 90 Prozent,

erklärt Assoc.-Prof. Dr. Helmut Prosch von der Universitätsklinik für Radiodiagnostik an der MedUni Wien.

Leider gehört es zu den Charakteristika dieser Krankheit, dass es erst sehr spät in ihrem Verlauf zu Symptomen kommt. Deshalb werden derzeit nur rund 20 Prozent der Karzinome in einem frühen und gut heilbaren Stadium entdeckt.

Ist die Erkrankung bereits weit fortgeschritten, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, die nächsten fünf Jahre zu überleben, massiv: Insgesamt überleben nur 15 bis 20 Prozent aller Patienten die ersten fünf Jahre.

„Die Implementierung eines wirksamen Früherkennungs-Programms wäre daher eine hocheffektive Maßnahme zur Senkung der Lungenkrebsmortalität“, betont Prof. Prosch. Als Mittel der Wahl hat sich dabei der Scan mit einem Niedrigdosis-Computertomographen etabliert. Dabei werden – bei minimaler Strahlenbelastung – Schnittbilder erstellt, um verdächtige Rundherde im Lungengewebe frühzeitig ausfindig zu machen.

 

Gezielte Zielgruppen-Untersuchung statt Massen-Screening

 

Die flächendeckende Untersuchung möglichst großer Bevölkerungsgruppen, betonten die Experten, wäre bei dieser Art von Früherkennung nicht sinnvoll. „Von den hohen Kosten einmal abgesehen, bestünde das Risiko, dass die Strahlenbelastung und die erwartbar hohe Zahl an falsch-positiven Befunde den Nutzen übersteigen“, erklärt Doz. Prosch. „Gescreent werden sollten nach derzeitigem Wissen gezielt Risikogruppen, das sind beispielsweise starke Raucher über 55 Jahren, die mehr als eine Packung Zigaretten täglich über 30 Jahre geraucht haben („30 Pack Years“), sowie ehemalige starke Raucher, die erst innerhalb der letzten 15 Jahre mit dem Rauchen aufgehört haben. In diesen Fällen sind dann jährliche CT-Screening-Untersuchungen im Rahmen eines qualitätsgesicherten Programmes sinnvoll“.

 

Kapazitäten und Qualitätsstandards nötig

 

Laut Studien hat sich bewährt, diese Untersuchungen in hochspezialisierten Zentren durchzuführen, die es in Österreich derzeit nur vereinzelt gibt. Auf dem Symposium wollen die Experten unter anderem erarbeiten, welche Rahmenbedingungen zur Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms nötig wären. „Neben dem Auf- und Ausbau spezialisierter Screening-Zentren brauchen wir zusätzlich sehr genaue Qualitätsstandards für den niedergelassenen Bereich und eine Anbindung an ein Zentrum mit entsprechender Erfahrung“, so Prof. Pirker. Zudem soll die Einführung eines Screening-Registers und weiterführende Qualitätskontrollen diskutiert werden.

 

Insgesamt, so die Hoffnung der Experten, würde die weltweite Einführung solcher Programme die Fortschritte in der – gerade bei Lungenkrebs so wichtigen – Früherkennungsdiagnostik weiter beschleunigen. „Absehbar werden sich dadurch die Algorithmen zur Abklärung positiver Befunde weiter verbessern und weitere Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik erzielen lassen“, so Prof. Pirker.

 

Zentrale Rolle für die Raucherberatung

 

Darüber hinaus zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass solche Programme besonders gute Chancen bieten, Raucher nachhaltig vom Nikotinverzicht zu überzeugen. „Nur ein Rauchstopp kann Lungenkrebs verhindern bzw. die Zahl der Neuerkrankungen reduzieren. Die Kombination des Screenings mit Raucherberatung erhöht außerdem die Effizienz der Früherkennung. Ein Zielgruppen-Früherkennungsprogramm sollte daher in jedem Fall mit einer Raucherberatung kombiniert werden“, fordert Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger, Vizepräsident der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden, die das Symposium veranstaltet. „Die Erfolgsaussichten sind hier besonders hoch, weil viele Raucher bei einer solchen Untersuchung erstmals bewusst mit den Konsequenzen des Tabakkonsums für ihre eigene Gesundheit konfrontiert werden“.

 

Angesichts der bekannten Zahlen über die Hauptursache des Lungenkarzinoms könne dieser Effekt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Prof. Neuberger: 70 Prozent der weltweiten Lungenkrebserkrankungen und bis zu 85 Prozent der Erkrankungen in Zentraleuropa sind durch Tabakrauchen bedingt. Selbst beim Passivrauchen gibt es längst keine Zweifel mehr: Wer Zigarettenrauch ausgesetzt ist, hat im Vergleich zu Nichtrauchern ein um 20 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. „Beim Kellnern in Raucherzimmern verdoppelt sich das Risiko in 8 Jahren und kann sich über ein Berufsleben verzehnfachen. Wie zahlreiche internationale Beispiele zeigen, ließen sich diese enormen Belastungen für die Gesundheit mit einer Kombination von legislativen und fiskalischen Maßnahmen zur Tabakkontrolle deutlich eindämmen“, betont Prof. Neuberger. „Leider diskutieren wir in Österreich gerade das Gegenteil. Umso wichtiger wäre es, so rasch wie möglich ein lebensrettendes Früherkennungsprogramm zu etablieren.“

 

Veranstaltungs-Info

 

Das Symposium „Lungenkrebs-Früherkennung in Österreich“ findet am 23. März 2018 ab 8.30 Uhr im Eagle Home One, 1010 Wien Eschenbachgasse 9 statt. Diskutiert werden nicht nur die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Stand der Lungenkrebsfrüherkennung, sondern auch die notwendigen Schritte zur Implementierung eines Lungenkrebsscreenings in Österreich.

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden. Journalistinnen und Journalisten sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.

Medien-Akkreditierung bei Dr. Birgit Kofler - kofler@bkkommunikation

 

Literatur:

 

National Lung Screening Trial Research Team, Church TR et al. Results of initial low-dose computed tomographic screening for lung cancer. N Engl J Med. 2013 May 23;368(21):1980-91;

 

Kauczor HU et al. European Society of Radiology (ESR) and the European Respiratory Society (ERS). Lung cancer screening white paper: a slippery step forward? Eur Respir J. 2015 Nov;46(5):1521-2;

 

Oudkerk M et al. European position statement on lung cancer screening. Lancet Oncol.2017 Dec;18(12):e754-e766;

 

Prosch H et al. Opinion of the Austrian Society of Radiology and the Austrian Society of Pneumology. Wien Klin Wochenschr. 2013 Jun;125(11-12):339-45.

Quelle: Presseaussendung B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung

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