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Das Zika-Virus ist laut WHO gefährlicher als angenommen

Das Zika-Virus ist laut WHO gefährlicher als angenommen

Nach Ansicht der WHO ist das Zika-Virus für Schwangere weit gefährlicher, als bisher angenommen. So ist es offenbar nicht nur für die bereits bekannte Mikrozephalie verantwortlich, sondern könnte auch andere neurologische Störungen, wie zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom, auslösen. Bestätigt ist bisher, dass das Virus auch die Plazenta und das Nervensystem schädigen könne, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan in Genf.

  

Nicht nur Mikrozephalie möglich

Demnach sei Mikrozephalie „nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien“, so Chan weiter. Alarmierend ist auch, dass das Virus weitaus häufiger durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, als dies bisher angenommen wurde.

Zwar ist das Virus bereits seit etwa 70 Jahren bekannt, jedoch ist es bisher kaum zu Komplikationen gekommen. Durch die Vielzahl von Fällen in Südamerika, hauptsächlich in Brasilien, hat die WHO schließlich vor etwa fünf Wochen den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Seither wurde das Virus, das hauptsächlich durch Stechmücken übertragen wird, in mehr als 50 Ländern klinisch nachgewiesen.

  

Warnung für Schwangere

Eine Ausbreitung von Zika, ähnlich wie beim Dengue-Fieber, könne laut Chan nicht ausgeschlossen werden, weshalb es unbedingt zu handeln gelte. Zwar habe die WHO bisher auf eine generelle Reisewarnung verzichtet, Schwangere werden jedoch ausdrücklich davor gewarnt, in betroffene Gebiete zu reisen. Aber es liegt in deren alleiniger Verantwortung, ob sie sich dem Risiko einer Ansteckung aussetzen wollen oder nicht.

  

Möglicher Auslöser von Rückenmarksentzündung

Einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie zufolge, kann das Virus auch schwere Rückenmarksentzündungen auslösen. Dieser Nachweis gelang bei einer 15-jährigen Patientin, die mit einer halbseitigen Lähmung in die Universitätsklinik auf Guadeloupe eingewiesen wurde. Im Zuge einer Rückenmarksuntersuchung, bei der eine schwere Entzündung diagnostiziert wurde, trafen die Mediziner eben dort auf das Zika-Virus. Da sämtliche andere mögliche Auslöser für die Lähmung ausgeschlossen werden konnten, bleibt Zika als einziger Auslöser übrig.

  

Bekämpfung der übertragenden Mücken dringend notwendig

Das wirksamste Mittel im Kampf gegen das Zika-Virus ist laut WHO die Verhinderung der Ausbreitung der krankheitsübertragenden Mücke. Von den hierfür benötigten Geldern (etwa 60 Millionen Euro) stehen bis jetzt allerdings erst knappe drei Millionen zur Verfügung.

Eine finanzielle Unterstützung soll diesbezüglich von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) kommen. Diese will ihren südamerikanischen Mitgliedsstaaten in den kommenden vier Jahren rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Zusätzlich sollen in Österreich Experten aus den betroffenen Ländern ausgebildet und Diagnosegeräte geliefert werden.

Weiter vorangetrieben wird nach wie vor die „Verhütungsmethode“, bei der durch Bestrahlung unfruchtbar gewordene Männchen freigelassen werden. Da die Weibchen nur einmal Eier ablegen und diese dann unbefruchtet sind, kann die Population wirksam reduziert werden. Dies sei die einzige effektive Möglichkeit, das Virus einzudämmen.

http://derstandard.at/2000032564695/WHO-Zika-Virus...

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