Rauchen aufgeben: Wie schnell erholt sich der Körper? E-Zigaretten? Reduzieren, oder von heute auf morgen?
31.05.16
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Rauchen aufgeben: Wie schnell erholt sich der Körper? E-Zigaretten? Reduzieren, oder von heute auf morgen?

Rauchen aufgeben: Wie schnell erholt sich der Körper? E-Zigaretten? Reduzieren, oder von heute auf morgen?

Anlässlich des heutigen Welt-Nichtrauchertages hat CredoMedia Univ.-Prof. Dr. Manfred NEUBERGER, den langjährigen Präsidenten der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden zum Interview geladen.

CredoMedia: Herr Professor Neuberger, die Med Uni Wien schreibt in einer Presseaussendung gestern, dass das Aufhören schnell positive Ergebnisse zeigt. Wie schnell erholt sich der Körper genau? Welche Schäden kann man auch nach vielen Jahren noch nachweisen?

Dr. Neuberger:  Der Sauerstoff- und Kohlenmonoxid Gehalt ihres Blutes normalisiert sich nach 8 Stunden, nach 48 Stunden beginnen sich Geruchs- und Geschmackssinn zu verbessern, die Nervenendungen wachsen wieder. Aber in den ersten Tagen werden Sie sich wegen der Nikotin-Entzugssymptome noch nicht besser fühlen. In den ersten Wochen und Monaten spüren Sie eventuell, wie der Körper das abgelagerte Teer aus den Atemwegen entfernt und zum Teil mit Schleim aushustet. Die Blutzirkulation verbessert sich nach zwei Wochen bis drei Monaten. Nach ein bis neun Monaten wachsen wieder Flimmerhärchen in den Bronchien für die bessere Selbstreinigung und bereits nach einem Jahr ist das Risiko einer koronaren Herzkrankheit nur noch halb so groß wie die eines Rauchers.

Fünf Jahre nach dem Rauchstopp halbiert sich die Sterbewahrscheinlichkeit an Lungenkrebs und das Schlaganfallrisiko und gleicht sich dem eines Nichtrauchers an. Durch Rauchabstinenz, gesunde Ernährung und körperliche Bewegung werden Sie u.a. auch durch ein geringeres Risiko für Brustkrebs und Darmkrebs belohnt.


CredoMedia: Wie ist ihre Einstellung zu E-Zigaretten? Viele sagen ja, dass sich dadurch das angelernte Verhalten nicht ändert.

Dr. Neuberger:  Um es kurz zusammenzufassen. Wenn man schon Nikotinersatztherapie machen möchte, dann aus der Apotheke mit einem nach Arzneimittelgesetzen geprüften reinen Nikotin, das für begrenzte Zeit gegeben wird um Entzugssymptome zu mildern. Man muss das mit Gesprächstherapie verbinden. Aber wenn schon Nikotin aus einer E-Zigarette, dann aus der Apotheke und nicht von der Tabakindustrie, die auch Karzinogene enthält.

Die E-Zigarette ist aus verschiedensten Gründen abzulehnen, weil sie erstens das Rauchritual nicht beseitigt. Wenn man ein Pflaster oder einen Kaugummi hat, dann fällt das Rauchritual weg. Und zweitens, weil man Nikotinsüchtig bleibt und zwar mit unbekannter Dosierung. Man kann sich nicht darauf verlassen was auf der Packung steht. Einmal ist mehr Nikotin enthalten, einmal weniger. Die Angaben bei E-Zigaretten sind völlig unzuverlässig. Dazu kommt, dass auch noch andere Stoffe abgeben werden. Formaldehyd, ultrafeine Aerosole etc., die auch gesundheitsschädlich sind.

Allerdings ist fast nichts so schädlich wie eine Zigarette. Natürlich ist eine E-Zigarette weniger schädlich als eine Tabak Zigarette. Wenn man aufhören möchte, braucht man dazu keine E-Zigarette. Es geht leichter ohne aufzuhören.


CredoMedia: Welche Methoden zum Aufhören können Sie bedingungslos empfehlen? Welche nicht? Anfangs nur reduzieren, oder besser von einem Tag auf den anderen aufhören?

Dr. Neuberger:  Man muss sich einen Aufhörtag suchen an dem man alles beseitigt was einen ans Rauchen erinnert, alle Zigaretten, Aschenbecher, usw. Das ist immer noch am wirksamsten.

Die ersten 2 Tage sind meistens schwer, aber dann wird es von Tag zu Tag leichter. Am wertvollsten ist, wenn der eigene Wille da ist. Nur die, die stark abhängig sind können mit Medikamenten unterstützt werden. Dadurch wird das Verlangen geringer und die Entzugssymptome werden gemildert. Man kann es damit allerdings nur unterstützen, aber man muss den Raucher unbedingt betreuen.

Das geschieht in Österreich flächendeckend nur über das kostenfreie Rauchfreitelefon: 0800 810 013.  Und es gibt einige wenige Beratungsstellen in den GKK‘s der Landeshauptstädte. Allerdings lange nicht so viele wie in anderen Ländern, in denen ein Teil der Tabaksteuer dazu verwendet wird den Rauchern den Ausstieg zu erleichtern und vor Allem die Kinder davor Bewahrt werden mit den Rauchen anzufangen. Es gibt mancherorts sehr umfangreiche Präventionsprogramme, die von der Steuer bezahlt werden.

Leider ist das bei uns nicht der Fall.


CredoMedia: Dieser Tage wurden wieder die Richtlinien für Verpackungen verschärft. Halten Sie derartige Maßnahmen für sinnvoll?

Univ. Prof. Dr. Manfred Neuberger: Es haben schon die Bildwarnungen nachweislich einen positiven Effekt gehabt und einige Staaten – Australien, England, Irland – haben schon Plain Packaging eingeführt. Das bedeutet, dass jede Werbung auf Packungen verboten ist. Die Packungen bleiben ja überall liegen.

Das ist in Österreich aber noch zu früh, da bei uns nicht einmal Werbung verboten ist – siehe Düringer mit Zigarette auf Plakat, oder bei jeder Haltestelle werden überdimensionierte Zigaretten aufgestellt (siehe Fotos). So wird der Raucher nur daran erinnert noch schnell eine zu rauchen bevor der nächste Zug kommt. Dafür hat die Firma JB’S Tobacco 20.000€ bezahlt – sehr gut investiertes Geld von Seiten der Tabak Firma. Ungarn ist hier schon weiter, sie möchten auch Plain Packaging einführen wie es die WHO empfiehlt und es sich in Australien bewährt hat. Man sieht nicht nur in den Studien, dass es etwas nützt, sondern auch an der heftigen Reaktion der Tabak Industrie. Wenn die besonders laut schreien, dann ist es eine wirksame Maßnahme. Wenn etwas das Geschäft stört wird lautstark protestiert.


CredoMedia: Der Nichtraucherschutz ist ja auch eine sehr österreichische Lösung.

Dr. Neuberger:  Ja, leider. Die zwei schwächsten Punkte sind, dass es erstens auf 2018 in das Wahljahr verschoben wurde und zweitens der Vollzug nicht verbessert wurde. Der funktioniert bis jetzt nicht richtig, wieso sollte er dann funktionieren? Alle Länder, die das erfolgreich eingeführt haben, teilweise schon vor zehn Jahren, haben das mit Hilfe der Polizei umgesetzt.

In Schottland gibt es eine Studie, die besagt, dass es im Jahr der Einführung (des Rauchverbots) erhöhter Personalbedarf bei der Polizei nötig war – in etwa so wie bei der Einführung der Gurtpflicht. Wichtig ist das Jahr der Einführung. Das war auch in Italien ähnlich. Da wurde es am Beginn von den Carabinieri überwacht und nach den ersten zwei Strafen für Wirte, die sich nicht an das Rauchverbot hielten, und Berichten in den Zeitungen war es den anderen Wirten klar, dass es ernst gemeint ist und exekutiert wird. Danach haben sich alle daran gehalten.

Aber bei uns ist das wieder eine Wischi-Waschi Lösung, die niemand ernst nimmt, auch nicht der Gesetzgeber. Sonst würde auch im Gesetz stehen, dass das Rauchverbot von der Polizei überwacht wird.


CredoMedia: Wie viele Ärzte rauchen?

Dr. Neuberger:  Unterschiedlich, ich habe hier eine genaue Statistik, ein paar Auszüge daraus: fast 19% aller Chirurgen und Anästhesiologen, 16% aller Urologen und so weiter. Am seltensten, wie sollte es anders sein die Lungenfachärzte mit unter 4%. Wenn man das mit der Allgemeinbevölkerung über 15 Jahren vergleicht, hier beträgt der Raucheranteil 30% und 24% täglich. Außer in Wien, da liegen wir mit 33% täglichen Rauchern weit über dem Schnitt.


CredoMedia: Herr Prof. Neuberger, vielen Dank für das Gespräch!


o. Univ.-Prof.em. Dr. Manfred NEUBERGER, war langjähriger Präsident der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden, hatte unter anderem eine Professur an der Med Uni Wien und betreibt das Portal: http://www.aerzteinitiative.at/

Weitere hilfreiche Links: http://rauchfrei.at/

Kommentare

31 May 2016 18:41
Christina  Kolin
31 May 2016 18:41

Sehr informativ und intressant geschrieben..