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Interview mit Prof. Christian Radauer zu Allergenen und allergieauslösenden Proteinen am EAACI

Interview mit Prof. Christian Radauer zu Allergenen und allergieauslösenden Proteinen am EAACI

Wir besuchen den Infostand der Division of Medical Biotechnology der Meduni Wien, deren Schwerpunkt unter anderem auf Allergenen bzw. allergieauslösenden Proteinen liegt.


CredoMedia: Was genau machen Sie auf Ihrem Stand und welche Informationen interessieren die Mediziner am meisten?


Prof. Dr. Christian Radauer: Im Gegensatz zu den anderen Ständen bietet unser Stand keinen Praxis Teil, sondern ist eher theoretischer Natur. Es geht um Allergene und es soll den Medizinern hier gezeigt werden, dass es nicht nur um die Gesamtextrakte geht, sondern, dass, wenn von Diagnose, oder Therapie von Allergien spricht, zum Beispiel von Birkenpollen, von Hausstaubmilben, von Erdnüssen, diese Allergieauslöser aus verschiedensten von Komponenten entstehen. Unter anderem aus verschiedensten allergieauslösenden Proteinen. Es macht für den Patienten und den Arzt einen Unterschied auf welche dieser Proteine der Patient reagiert.

CM: Was sind diese Allergieauslöser, was für Arten von Proteinen gibt es?

Prof. Radauer: Bei manchen Allergenen, gibt es verwandte Allergene in verschiedensten Allergieauslösern. Es gibt ja das bekannte Birkenpollen-Frucht-Syndrom, bei dem Birkenpollenallergiker oft auch auf Äpfel, Steinobst, Sojamilch oder Sellerie reagieren. Dabei handelt es sich um ein bestimmtes Protein aus den Birkenpollen, das Bet V1. Wenn der Patient auf darauf reagiert, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er diese Kreuzreaktion hat. Wenn er auf andere Birrkenpollenproteine reagiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer. Und das wollen wir den Leuten hier beibringen.

CM: Was interessiert die Mediziner sonst noch so? Gibt es bestimme Themen, die öfter angesprochen werden?

Prof. Radauer: Oft wird von den Medizinern auch bzgl. schweren und milden Reaktionen, gerade bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, gefragt. Manche Allergiker reagieren nur mit oralen Symptomen, jucken auf der Lippe bzw. Zunge, wenn sie einen Apfel essen zum Beispiel.

Es gibt aber auch schwere Symptome: Durchfall, Hautausschläge, bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen, die den ganzen Körper betreffen. Es können sich die Bronchien verengen und dann besteht Lebensgefahr. Auch das hängt davon ab gegen welche dieser Protein Komponenten man reagiert.

CM: Wovon hängt die schwere der Reaktion ab, kann man das so einfach beantworten?

Prof. Radauer: Es gibt manche Protein Komponenten, die sehr instabil sind, die werden im Magen sofort verdaut, wenn man sie schluckt und man hat dann die Symptome nur im Mund.


Es gibt aber auch sehr stabile Proteinkomponenten, da kann man die Symptome sowohl im Mund haben. Nach dem Schlucken werden sie im Magen nur tlw. verdaut, sodass ein Teil dieser Proteine, dieser Allergene, im Darm ankommt und mit dem Immunsystem reagieren und schwere Reaktionen auslösen kann. Es können dann Durchfall, Blähungen oder Magenschmerzen auftreten. Durch die Darmschleimhaut können die Allergene in den Blutkreislauf gelangen und von dort dann in anderen Körperstellen, zum Beispiel in der Lunge, wirken. Man bekommt einen Asthmaanfall oder einen Nesselausschlag wenn die Allergene in die Haut gelangen.

Bei Personen mit atopischen Ekzemen, können sich diese verschlechtern.

Es gibt auch schwere Symptome, zum Beispiel bei Erdnuss bzw. Insektengift Allergien. Vor allem Insektengifte sind gefürchtete Allergieauslöser, da sie sofort in den Blutkreislauf gelangen und dadurch im ganzen Körper gleichzeitig wirken. Die Bronchien können sich verengen, die kleinen Blutgefäße erweitern sich, dadurch fällt der Blutdruck ab und man wird bewusstlos. Herzrhythmusstörungen können auftreten und es besteht wirklich akute Lebensgefahr.

CM: Herr Prof. Radauer, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu Prof- Radauer finden sie auf seiner Insituts Website:

http://www.meduniwien.ac.at/ipa/med-biotech/

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