Pilzmolekül reduziert Antibiotika-Resistenz
18.07.16
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Pilzmolekül reduziert Antibiotika-Resistenz

Pilzmolekül reduziert Antibiotika-Resistenz

Auf der Suche nach neuen antimikrobiellen Substanzen sind Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien auf eine Substanz gestoßen, die als Antibiotika-Booster wirkt

Auf der Suche nach neuen antimikrobiellen Substanzen sind Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien auf eine Substanz gestoßen, die als Antibiotika-Booster wirkt. Der Stoff cPM verstärkt den Effekt anderer mikrobieller Stoffe. Bei zwei Bakterien-Arten, bei denen das Antibiotikum Ampicillin nicht mehr wirkte, wurde die Resistenz deutlich verringert, heißt es in "Frontiers in Microbiology".

Pilze sondern antimikrobielle Substanzen nur dann ab, wenn sie etwa in Kontakt mit Bakterien kommen oder die Umweltbedingungen schlechter werden. Geht es ihnen gut, stellen sie die Produktion ein und legen die entsprechenden Bereiche ihres Erbguts still. Daher wird nach Möglichkeiten gesucht, Pilzen oder anderen Mikroorganismen antibiotische Substanzen zu entlocken. Eine Möglichkeit dafür sind kleine chemische Modulatoren, die einen Effekt auf Enzyme mit epigenetischer Wirkung haben.

Ein solcher Auslöser, der in Pilzen dafür sorgt, dass stillgelegte Gene wieder aktiviert werden, ist Valproinsäure. Im Pilz "Doratomyces microsporus" löste die Valproinsäure die Produktion gleich mehrerer antimikrobieller Stoffe aus. Diese wirkten sowohl gegen herkömmliche als auch gegen resistente Staphylococcus-aureus-Erreger.

Die Wissenschaftler konnten jetzt die sechs aktivsten Substanzen aus den Stoffwechselprodukten herausfiltern. Darunter fand sich auch der Stoff cyclo-(Prolin-Methionin) (cPM). Dieses zyklische Peptid kannte man bisher nur aus einem Bakterium, das in einem antarktischem Schwamm lebt, in einem Pilz wurde es erstmals nachgewiesen.

Die Forscher zeigten weiter, dass cPM als Antibiotika-Booster wirkt und in Kombination mit Ampicillin die Resistenz von zwei Ampicillin-resistenten Bakterien deutlich verringert - "und das sogar bei einer geringeren Dosis des Antibiotikums als üblich", so Kathrin Rychli, eine der Studienleiterinnen. cPM selbst habe praktisch keine antibiotische Wirkung, nur in der Kombination sehe man den Effekt.

In weiteren Tests wollen die Wissenschaftler nun herausfinden, ob cPM spezifisch nur die Wirkung von Ampicillin verstärkt, oder es sich dabei um einen generellen Mechanismus handelt.

Quelle: Frontiers in Microbiology

Bildquelle: BiMM Research

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