Forscher identifizieren Immunbremse gegen Pilzinfektionen
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Forscher identifizieren Immunbremse gegen Pilzinfektionen

Forscher identifizieren Immunbremse gegen Pilzinfektionen

In Mausversuchen konnte gezeigt werden, dass das Enzym CBL-B das Immunsystem hemmt. Weg zu möglicher neuer Therapie gelegt

Das Enzym CBL-B hemmt das Immunsystem daran, Infektionen mit Candida albicans-Pilzen zu bekämpfen. Das haben Forscher unter Mitwirkung des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), der Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der
Medizin-Universität Wien und der Universität Wien laut einem Artikel
in "Nature Medicine" herausgefunden.

Bereits 2014 konnte gezeigt werden, dass CBL-B die NK-Zellen (Natural Killer Cells) daran hindert, Tumormetastasen anzugreifen. Das Enzym hemmt aber auch andere Abwehrzellen, wie die aktuelle Arbeit zeigt.

Für die Aktivierung der Abwehrkräfte müssen Krankheitserreger zunächst anhand einer typischen Signatur an der Zellaußenwand von Immunorezeptoren erkannt werden. Dann werden die Abwehrzellen aktiviert. Jetzt wurde nachgewiesen, dass CBL-B und der Signalüberträger SYK eine besondere Rolle bei der Immunantwort gegen Candida albicans-Pilzen spielen. SYK arbeitet mit dem Immunrezeptor an der Zelloberfläche und leitet das Signal für die gezielte Abwehr gegen den Pilzerreger weiter. CBL-B zerstört hingegen SYK und hemmt die Signalübertragung zur Aktivierung der Abwehrkräfte.

Mäuse, bei denen die Forscher das Gen für CBL-B ausgeschaltet hatten, waren gegen Hautinfektionen mit Candida albicans geschützt und starben auch weniger häufig an den Folgen einer den ganzen Organismus betreffenden Infektion mit den Pilzen. Die Tiere zeigten eine deutlich gesteigerte Immunantwort.

In der Folge entwickelten die Wissenschafter ein Inhibitor-Protein, um das CBL-B-Enzym bei Mäusen gezielt zu blockieren. Eine invasive Candida-Infektion konnte dadurch erfolgreich abgewehrt werden, während Mäuse, bei denen CBL-B aktiv war, innerhalb kurzer Zeit der systemischen Infektion erlagen. Theoretisch könnte das der Anfang für neue Therapien gegen invasive Pilzinfektionen bedeuten.

 "Die Forschung ist ein erster Schritt zu einer völlig neuen Art der Behandlung gegen Candida albicans: Erstmals können wir die Immunantwort, die durch CBL-B moduliert wird, gezielt lenken. Diese Therapiemethode könnte sich als klinisch sehr erfolgreich  herausstellen, vor allem in Kombination mit bereits existierenden Therapien, bei denen nur das Wachstum der Pilze blockiert werden kann", sagte Karl Kuchler, einer der Studienleiter.

Quelle: Nature Medicine/APA

Bildquelle: MFPL/IMBA

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