Rolle der genetischen Veranlagung beim Verlauf und der Schwere einer Sepsis
20.09.16
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Rolle der genetischen Veranlagung beim Verlauf und der Schwere einer Sepsis

Rolle der genetischen Veranlagung beim Verlauf und der Schwere einer Sepsis

In der Studie des Universitätsklinikums Jena wurden Sepsisfälle untersucht, die durch extrem unterschiedliche Verläufe auffielen

Beim Verlauf und der Schwere einer Sepsis spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Ein deutsches Forscherteam unter Leitung des Center for Sepsis Control and Care (CSCC) am Universitätsklinikum Jena hat jetzt in einer Studie, die in "EBioMedicine" erscheinen ist, nach genetischen Varianten gesucht, anhand derer unterschiedliche klinische Verläufe nach dem Auftreten einer Sepsis prognostiziert werden können.

In der Arbeit wurden Sepsisfälle untersucht, die durch extrem unterschiedliche Verläufe auffielen. Zum einen waren das Patienten, die trotz offenbar ungünstiger Voraussetzungen (hohes Alter, Vorerkrankungen, Behandlung mit nicht geeigneten Antibiotika) die Sepsis überlebten, zum anderen Patienten mit guten Vorzeichen (eher jünger, zeitnah adäquate Therapie), bei denen die Sepsis aber sehr schwer verlief.

Die beiden Gruppen wurden aus insgesamt 4.000 Patienten zusammengestellt. Bei der Genanalyse der ausgewählten 74 Patienten konzentrierten sich die Wissenschaftler auf seltene, proteinverändernde Genvarianten.

"Entgegen unserer Erwartung fanden wir im Vergleich der beiden Extremgruppen heraus, dass sich bei den Patienten mit günstigen Sepsisverläufen vermehrt solche Genvarianten fanden", so Studienleiter Matthias Platzer.

Die in diesen Gensequenzen verschlüsselten Proteine sind an Signalprozessen in der Zelle, bei der Erkennung des Krankheitserregers und des angeborenen Immunsystems beteiligt. "Diese konnten wir durch eine neu entwickelte semantische Informationsfusion identifizieren" ergänzt Ko-Autor Hans Kestler.
"Wir nehmen an, dass die veränderten Proteine die sonst im Fall einer Sepsis zu beobachtende Überreaktion des Körpers auf die Infektion abmildern. Wahrscheinlich ist zudem, dass dieser eher protektive Effekt erst aufgrund der Kombination mehrerer Varianten entsteht", erklärt Platzer. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirkung der Varianten unter anderen Umständen schädlich ist.

Quelle: EBioMedicine

Bildquelle: APA/HELMUT FOHRINGER

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