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Bakterien als Auslöser für Guillain-Barre-Syndrom entschlüsselt

Bakterien als Auslöser für Guillain-Barre-Syndrom entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Zürich haben nachgewiesen, dass Bakterien die Lungenentzündungen verursachen, das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) auslösen können. Dabei handelt es sich um Antikörper, die nicht nur die Bakterien, sondern gleichzeitig die Hülle der körpereigenen Nervenzellen angreifen, schildert Erstautor Patrick Meyer Sauteur in "Annals of Neurology".

Konkret handelt es sich um das Bakterium Mycoplasma pneumoniae. Die Oberflächenstrukturen der Mykoplasmen haben eine große Ähnlichkeit mit den körpereigenen Eigenschaften der Nervenscheiden. Dies führt dazu, dass sich die Immunabwehr sowohl gegen die Mykoplasmen als auch gegen die umhüllende Myelinschicht von Nervenbahnen richtet.

"Dabei handelt es sich um Antikörper, die ein bestimmtes bakterielles Glykolipid erkennen: ein Zucker-Fett-Molekül, das auf der Zellmembran der Erreger sitzt. Diese Antikörper binden gleichzeitig an Galactocerebrosid (GalC), einer der häufigsten Bausteine im menschlichen Myelin", erklärt Meyer Sauteur. Diese Substanz stellt die elektrische Leitfähigkeit der Nervenfasern sicher. Wird sie zerstört, kommt es zu Lähmungen in Armen und Beinen, Schwäche und Empfindungsstörungen.

Insgesamt untersuchten die Forscher 189 Erwachsene und 24 Kinder mit GBS auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen Mykoplasmen und GalC. Verglichen wurden diese Probanden mit einer Kontrollgruppe von 677 Personen. Dabei fand sich bei drei Prozent der Erwachsenen und 21 Prozent der Kinder eine kürzliche Mykoplasmen-Infektion. Nahezu gleich oft - bei drei Prozent der Erwachsenen und 25 Prozent der Kinder - ließen sich im Blut Antikörper gegen GalC nachweisen.

Interessanterweise fanden sich Anti-GalC-Antikörper auch bei Patienten ohne GBS, die kurz zuvor mit Mykoplasmen infiziert wurden.
Allerdings waren diese ausschließlich vom Antikörper-Isotyp M, dem im Verlauf einer Immunartwort am frühesten gebildeten Typ. Die Anti-GalC-Antikörper bei GBS-Patienten waren dagegen vom Typ IgG.

Quelle: Annals of Neurology (abstract)/APA

Bildquelle: APA (Front Microbiol.2016;7:329)

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