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Über Gebrechlichkeit und Mangelernährung - ein Mini Med Vortragsabend

Über Gebrechlichkeit und Mangelernährung - ein Mini Med Vortragsabend

OA Dr. Schickmair, Facharzt für Innere Medizin im Krankenhaus der Elisabethinen Linz, erklärte die Begriffe Gebrechlichkeit und Geriatrie.

 

Was ist Gebrechlichkeit?

Bestimmt kann sich jeder sofort etwas darunter vorstellen und hat sein eigenes Bild vor Augen. Doch in der Medizin gibt es altersbedingte Veränderungen und bestimmte Kriterien, die Gebrechlichkeit klar definieren. Ab dem 50sten Lebensjahr nimmt die Muskelmasse jedes Jahr um 1-2% ab und auch an Muskelstärke verlieren wir 1,5% jährlich. Somit haben wir innerhalb von zehn Jahren bereits 15% an Muskelmasse verloren. Dies trifft auf 15% der über 65 Jährigen zu. Aber auch der verminderte Geruchs- und Geschmackssinn spielt eine große Rolle, genauso wie ein früher eintretendes Sättigungsgefühl. 

Ein Dynamometer sorgte für Aufmerksamkeit

Dr. Schickmair betonte vorallem den unbeabsichtigten Gewichtsverlust. Wenn ältere Patienten ungewollt mehr als 3kg innerhalb von drei Monaten abnehmen, ist Vorsicht geboten. "Ich hab mich für alles anstrengen müssen!" - diesen Satz hören Ärzte in der Geriatrie besonders oft. Dann wird der körperlicher Aktivitätslevel gemessen, der mit einem speziellen Punktesystem und Fragebögen ausgewertet wird. Erreicht man über 3 Punkte, gilt man als gebrechlich. Auch eine niedrige Ganggeschwindigkeit sei ein Anzeichen. Dazu zeigte Dr. Schickmair mehrere Videobeispiele von Patienten, die eine vorgegebene Strecke in ihrem gewohnten Gang gehen sollten. Hier wurde ganz deutlich, wie unterschiedlich und individuell diese Kriterien zu betrachten sind. Wo ältere Personen aus dem Publikum eine schnelle Ganggeschwindigkeit erkannten, empfanden es die Jüngeren als eher langsam. Dr. Schickmair ließ auch ein Dynamometer durch das Publikum geben, mit dem man die Handkraft messen konnte. Als schwach gelten Männer, die max. 30kg und Frauen, die max. 15kg Handkraft erreichen. Mehrere Studien zeigen zudem, dass ein hoher Score an Gebrechlichkeit mit einer höheren Mortalitätsrate einhergeht.

Schlüsselwort Reserven

Zum Schluss beruhigte Dr. Schickmair das Publikum, dass nicht jeder, der keine 30kg am Dynamometer schafft, sofort gebrechlich ist. Es geht hier vorallem um die Reserven, die im hohen Alter noch bleiben. Daher kann man Gebrechlichkeit oder die Geriatrie auch nicht auf ein bestimmtes Alter festsetzen, wobei in Medizinerkreisen häufiger das 85. Lebensjahr erwähnt wird. Viel wichtiger ist es, zu erkennen, welche einzelnen geriatrischen Therapien für ältere Patienten Vorteile bringen. Denn, es ist die Summe der vielen unterschiedlichen geriatrischen Probleme - Stürze, Schmerzen, Inkontinenz, Depressionen - die nicht nur zuerst erkannt, sondern auch richtig therapiert werden müssen. Daher sind Altersmediziner auch Spezialisten für Multimorbidität.

Mangelernährung im Alter

Dr. Schindler referierte über das Thema Mangelernährung im Alter. Risikofaktoren sind der ungewollte Gewichtsverlust, der verminderte Appetit und die damit verbundene verringerte Nahrungsaufnahme. Die Portionsgrößen werden kleiner, da ältere Menschen früher gesättigt sind. Die Kunst besteht nun darin, auch in diese kleinen Portionen alle Nährstoffe hinein zu packen, die der Körper braucht. Dazu kann man die Speisen ruhig mit Nährstoffen anreichern. Für die zusätzliche Energie hilft ein Schuss Öl, für das Extra an Proteinen sorgen Nahrungsergänzungen in Pulverform, die sich leicht in z.B. Kartoffelpürree einrühren lassen. Vitamine und Eisen bzw. Kalzium sollten durch Präparate zugeführt werden.

Dazu konnte das Publikum verschiedenste Proben an Trinknahrungen und oralen Supplementen von Fresenius testen. Ganz besonders wichtig ist allerdings Vitamin D. Ältere Menschen nehmen bis zu vier Mal weniger Vitamin D durch UV-Licht auf als Jüngere. Myopathien sind die Folge. Daher sollte Vitamin D unbedingt supplementiert werden. Auch hier konnte man sich im Foyer eine Gratis-Probe vom Mundspray Oleovital (Fresenius) mit nach Hause nehmen.

 

Mortalität steigt mit niedrigem BMI

Da Untergewicht und eine damit verbundene Mangelernährung im hohen Alter sehr gefährlich sein können, wurden die Grenzen des BMI für Menschen ab 70 Jahren geändert. Als untergewichtig gilt, wer einen BMI unter 22 hat. Bei konstantem Körpergewicht, nimmt beim älteren Menschen die Muskelmasse ab, das Körperfett allerdings zu. 

Was kann man also tun? Das wichtigste sei, ein Bewusstsein dafür zu schaffen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Hilfreiche Fragebögen dazu gibt es auf der Website vom Bundesministerium für Gesundheit: www.bmgf.gv.at

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