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Aggressive Hodentumore: Neue Therapien auf den Weg gebracht

Aggressive Hodentumore: Neue Therapien auf den Weg gebracht

Labor

Künftig könnte eine neue Behandlung Erfolge bei der Therapie von schweren Formen von Hodenkrebs bringen. Ein Forscherteam unter Leitung der Universität Bonn hat eine Substanz identifiziert, die in Mausversuchen Hodentumoren schrumpfen ließ. Die Ergebnisse wurden im "Journal of Cellular and Molecular Medicine" vorgestellt.

Ursprünglich sollte der Wirkstoff JQ1 als innovatives Verhütungsmittel eingesetzt werden. JQ1 unterbindet die Reifung der Spermien. Man dachte daher, er könne in einer Art "Pille für den Mann" zum Einsatz kommen. Stattdessen scheint er sich möglicherweise als Krebsmedikament zu eignen.

Die Krebszellen reagieren auf Änderungen mit der Aktivierung der Apoptose

"JQ1 inhibiert jene Proteine, die die Histon-Markierungen ablesen und verändert so die Genaktivität in der Zelle", erklärt Studienleiter Hubert Schorle. Die Krebszellen reagieren auf diese Änderungen mit der Aktivierung der Apoptose. "In einem Hodenkrebs-Mausmodell begannen die Tumoren nach JQ1-Gabe daher zu schrumpfen", erklärt Erstautorin Sina Jostes. "Gesunde Hautzellen scheinen dagegen JQ1 sehr gut zu tolerieren."

Neben JQ1 kennt man außerdem Wirkstoffe, die direkt die Markierung der Histone verändern. Einer davon ist Romidepsin. Kürzlich konnte nachgewiesen werden, dass Romidepsin ebenfalls Hodenkrebszellen sehr effektiv bekämpft. Anders als JQ1 ist die Substanz bereits zur Behandlung von Patienten mit bestimmten Krebserkrankungen zugelassen.

Kombinationstherapie zur Behandlung von Hodentumoren

"Wir haben in unserer Studie Mäuse sowohl mit JQ1 als auch mit Romidepsin behandelt", erläutert Ko-Autor Daniel Nettersheim. "Dadurch konnten wir mit relativ geringen Mengen beider Substanzen eine ähnliche Wirkung erreichen, wie mit JQ1 oder Romidepsin alleine. Eine solche Kombinationstherapie zur Behandlung von Hodentumoren wäre womöglich deutlich besser verträglich. Auch Chemotherapie-resistente Patienten könnten davon profitieren." Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet, muss sich allerdings noch in klinischen Studien zeigen.

Quelle: Journal of Cellular and Molecular Medicine/APA

Bildquelle: shutterstock

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