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Rückenmarksstimulation: Nutzen für Therapie mit hochfrequenten Stromimpulsen

Rückenmarksstimulation: Nutzen für Therapie mit hochfrequenten Stromimpulsen

Wien/Innsbruck, 25. Jänner 2017 – SCS steht für Spinal Cord Stimulation, eine Rückenmarksstimulation, die zur Behandlung chronischer Rücken- und Beinschmerzen eingesetzt wird, wenn medikamentöse Therapien oder nicht-invasive Behandlungsverfahren versagen. Dabei wird ein kleiner, kaum scheckkartengroßer Impulsgeber unter die Haut verpflanzt, der über hauchdünne Elektroden elektrische Signale an die Nerven im Rückenmarkskanal sendet. Für die Patienten ist das als schwaches Kribbeln spürbar, das den Schmerz überdeckt.

„Die Methode hat sich über viele Jahre bewährt“, fasst Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Eisner, Neurochirurg an der Universitätsklinik Innsbruck und Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), die bisherigen Erfahrungen zusammen. „Bei sechs von zehn Patienten lassen sich die Schmerzen damit dauerhaft maskieren“. Das einzige Problem bisher: Während die eine Hälfte der Patienten die schmerzüberdeckenden Parästhesien als angenehm erlebt, empfindet die andere das andauernde Kribbeln als störend.

Während herkömmliche SCS-Systeme mit Frequenzen von 40 bis 100 Hertz arbeiten, liegt sie bei der hochfrequenten Rückenmarkstimulation (HF SCS) bei 10.000. Damit liegen die Amplituden der Stromimpulse so nahe beieinander, dass sie außerhalb der menschlichen Wahrnehmung liegen. „Für einige Patienten“, berichtet Prof. Eisner, „ist das Kribbeln wichtig, möglicherweise weil sie so daran erinnert werden, dass die Stimulation funktioniert. Für andere ist es störend. Wir klären die Vor- und Nachteile mit jedem Patienten ab“.

Ein neues Hochfrequenz-SCS-System hat sich in einer aktuellen Studie auch jenseits der fehlenden Parästesien als nützlich erwiesen. Die multizentrische, prospektive randomisierte SENZA-RCT Studie verglich das HF10-SCS-System mit einem herkömmlichen Stimulationsverfahren.

Die Studienteilnehmer litten zwischen zwei und 25 Jahren an starken Rücken- oder Beinschmerzen. Die meisten davon rührten von früheren Wirbelsäulenoperationen her und hatten eine starke Behinderung oder gar Invalidität zur Folge. Alle Betroffenen sprachen seit mehr als drei Monaten auf keine konservative Therapie an.

Schon die ersten, zwölf Monate nach Studienbeginn veröffentlichten Ergebnisse übertrafen die Erwartungen: „Es hat sich herausgestellt, dass mehr Patienten auf die Hochfrequenz-Stimulation ansprachen und sowohl die Schmerzlinderung als auch das funktionale Outcome der Patienten besser waren“, so Prof. Eisner. Inzwischen liegt die 24-Monatsauswertung vor, die vor kurzem im Fachjournal Neurosurgery publiziert wurde.

 

Zwei Jahr nach Behandlungsbeginn sprachen 76,5 Prozent der Rückenschmerz-Geplanten auf das HF10-SCS-Implantat an, auf die herkömmliche SCS 49,3 Prozent. Ähnlich hoch der Unterschied bei den Beinschmerzen: Während die hochfrequente Stimulation 72,9 Prozent der Patienten Linderung verschaffte, gelang das mit der herkömmliche Methode in 49,3 Prozent der Fälle.

Auch bei der Schmerzintensität schnitt die Hochfrequenz-Stimulation besser ab. Initial hatten die  Probanden mit Rückenschmerzen ihr Leiden durchschnittlich mit einem Wert von 7,6 und jene mit Beinschmerzen mit 7,3 auf einer zehnteiligen Skala eingeschätzt. 24 Monate nach Behandlungsbeginn lagen die Werte bei den Hochfrequent-Behandelten bei jeweils 2,4, während sie in der Vergleichsgruppe im Durchschnitt mit 4,5 beziehungsweise 3,9 ermittelt wurden.

Nicht zuletzt, weil sich die Nebenwirkungen bei beiden Verfahren gleichermaßen in engen Grenzen hielten, wecken die Ergebnisse unter Schmerztherapeuten große Hoffnungen. „Chronische Schmerzen sind ein signifikantes Problem, häufiger als Diabetes, Herzerkrankungen oder Krebs“, so Prof. Eisner. „Aufgrund des Nachweises einer signifikanten und dauerhaften Schmerzreduktion bei Rücken- und Beinschmerzen, stellt die HF10-Therapie eine wichtige und evidenzbasierte zusätzliche Option dar“.

Quelle: Kapural L et al: Comparison of 10-kHz High-Frequency and Traditional Low-Frequency Spinal Cord Stimulation for the Treatment of Chronic Back and Leg Pain: 24-Month Results From a Multicenter, Randomized, Controlled Pivotal Trial. Neurosurgery 2016, Sept, Published Ahead-of-Print, DOI: 10.1227/NEU.0000000000001418

Bildquelle: shutterstock

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